Fire #Escape

Seit Urzeiten zieht es den Menschen zum Feuer. Nicht alleine zur Nahrungszubereitung, sondern auch zur Verfestigung gesellschaftlicher Beziehungen eignet sich der hellste Punkt im Dorf als Versammlungsstelle. Es entstehen besondere, oft mythische Augenblicke, die sich hinterher nie wieder reproduzieren lassen. Am nächsten Morgen, wenn nur noch ein Haufen warmer Asche übrig bleibt, die Menschen längst wieder auseinandergestoben sind und sich wieder hassen wie am Tag zuvor, ist sämtliche Magie vergangen. Am Feuer erzählt man sich alte Geschichten, aber nie erzählt man sich von alten Feuern.

Das moderne Lagerfeuer findet bekanntermaßen vor dem Fernseher statt. Hat dieser als Nachrichten- und Unterhaltungsversorger ausgedient, ist seine einzige Funktion heute ein gemeinsamer Bezugspunkt einer immer weiter ausdifferenzierten Gesellschaft. Keiner hört mehr die gleiche Musik, es gibt mittlerweile mehr Serien als Menschen, so dass jeder für sich staffelweise abwesend ist. Worauf man sich einigen kann, ist letztlich nur noch der Tatort und dann vielleicht noch Jauch.

Die Gespräche finden nun via Twitter statt. „So nah, und doch so fern“ – Klaus & Klaus. Das Lagerfeuer ist über ganz Deutschland verteilt, erfüllt aber seinen Zweck. Und auch beim modernen Lagerfeuer funktionert es nur im Augenblick. Am nächsten Tag aufgewärmte Erinnerungen sind blaß und wenig und nicht erwähnenswert. Ihnen fehlt der Kontext, in dem sie entstanden, ihnen fehlt – das Feuer. Als Beweis nun sämtliche Tweets, die ich im Verlauf des Eurovision Song Contest geschrieben habe. Einige sind, selbst mir, wenige Stunden später kaum noch verständlich, da sie sich in keinen Bezug mehr setzen lassen. Das Alienmonster aus dem fünften Element? Das war die zweite Interpretin, welches Land das war, wie die Melodie ging? Weiß kein Mensch mehr. Lesbar twitter-untypisch von oben nach unten:

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4 Antworten zu Fire #Escape

  1. Amenogold schreibt:

    Niemals kann die Albanerin Plava Laguna das Wasser reichen.

  2. Sebastian schreibt:

    Oder das Feuer, die Erde, den Wind oder die Liebe.

  3. MuGo schreibt:

    Captain Planet, we miss you…

  4. Pingback: BILD | social issues and stuff

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