Summer of Pirates

Ich habe heute auf instagram dieses Bild gesehen:

Und was soll ich sagen, zufällig habe ich genau diese drei Bücher in diesem Jahr gelesen!

So lustig einfach. Was soll ich sagen, ich wollt’s nur festhalten. Außerdem trage ich auf jedem Bild ein anderes Paar Drei ???-Socken. Paar 1 gehört zu Riff der Haie. Passt doch!

Die Bücher habe ich gelesen, weil ich den vergangenen Sommer unter ein Motto stellen wollte, und ich habe mich für den „Summer of Pirates“ entschieden. In Moby Dick kommen Piraten nicht so richtig vor, aber wer will mich deswegen verklagen? Dafür habe ich außerdem noch die Verfilmung der Schatzinsel gesehen, das neue Monkey Island gespielt so wie auch das Piratenrollenspiel Pillars of Eternity: Deadfire.

Und jetzt ist schon wieder Winter.

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Die große Wurst

Was ich an meinem Beruf mit am meisten mag, sind vage Rechercheanfragen. Das meine ich nicht im Scherz, sondern es macht mir tatsächlich Spaß, anhand weniger Stichworte unter Verwendung aller mir zur Verfügung stehender Mittel (überraschend oft) das gesuchte Buch zu finden. Mit meinem über die Jahre erworbenem Geschick wäre ich bestimmt ein bereicherndes Mitglied der OSINT-Community und könnte Kriegsverbrechen aufklären.

Neulich war ich aber tatsächlich überfordert, als ich ein Bilderbuch suchen sollte mit den wenigen Parametern „Panorama und es kommen Tiere darin vor.“ Tiere kommen eigentlich in jedem Bilderbuch vor (außer diesen komischen französischen, die so abstrakt sind und z. B. die Geschichte eines Blattes im Herbst erzählen, die Art Bilderbuch, die vor allem den Erwachsenen gefallen soll). Trotzdem habe ich natürlich ein wenig rumgesucht und ein tolles Panorama-Bilderbuch gefunden, in dem es im weiteren Sinne um Tiere geht. Es handelt sich um das 1895 erschienene Werk „Die große Wurst“ von Lothar Meggendorfer.

Wikipedia weiß, dass Meggendorfer als einer der innovativsten Köpfe bei der Entwicklung der Pop-Up-Bilderbücher gilt, und wenn auch nicht der ursprüngliche Erfinder war, so doch zumindest die Kunst perfektionierte und viele neue Spielereien einführte. That’s the german engineering.
Ich erinnere mich außerdem dunkel, dass uns seine Satierezeitschrift Meggendorfer Blätter im Studium der Formalerschließung als Aufgabe gestellt wurde. Also: „Schreibe als Bibliothekar die Daten der Zeitschrift so auf, dass sie auch in hundert Jahren noch wiedergefunden wird, und zwar auch dann, wenn sie sich zwischendurch umbenennt“ etc. Das könnte ich heute nicht mehr. Ach und außerdem verleiht eine Movable Book Society (!) den Meggendorfer Prize for best Paper Engineering. Was es alles gibt.

Die große Wurst jedenfalls ist ein sehr lustiges Bilderbuch, das als Scan der Staatsbibliothek zu Berlin gelesen werden kann. (oder in Form von Bilddateien oder als pdf heruntergeladen – die Staatsbibliothek macht das gut.)

In Meggendorfers Wurst geht es um Grunde nur darum, dass aus allen umliegenden Dörfern um Königsberg genug Fleisch rangekarrt wird, um ein Fest mit einer großen Wurst zu feiern (und dem Brauer trotz seines schlechten Bieres ein kleines Geschäft zu ermöglichen).

Nun war ich aber neugierig, ob wir dieses Buch nicht zufällig selbst auch haben, als Teil einer Klassikersammlung, oder erwähnt in Sekundärliteratur oder sonst irgendwie. Was ich wiederum fand, war aber noch drolliger: Es gibt eine Episode der Schildbürgerstreiche der Augsburger Puppenkiste, die ebenso „Die große Wurst“ heißt, in jener die Wurst aus der Not ge… wurstet wird.
Auf den Stadtmauern Schildas wird Gras gefunden, und um die Befestigung zu retten, soll eine Kuh die Mauer hochgezogen werden, um das Gras wegzufressen. Leider geht dieses Vorhaben schief, und zwar so makaber, dass ich es mit dem Handy vom Fernseher abfotografiert habe:

„Erst erdrosselt, dann zerschellt“, wie der Stadtschreiber erzählt, und wenn nun die Stadt schon ungeschützt bleibt, so will man zumindest vorsorgen, indem man aus der Kuh eine Wurst macht, und am besten auch gleich noch ein paar Schweine dazupackt. Und so wird die Wurst größer und größer, so dass irgendwann die Stadt in zwei Hälfte geteilt ist, wie in dieser einen Schlumpfgeschichte, nur halt mit einer großen Wurst.

Die Mäuse fressen’s am Ende weg, es ist lustig anzusehen, daher empfehle ich jedem, einmal zur nächsten Bibliothek zu gehen und sich die DVD „Wir Schildbürger – Die komplette Serie“ auszuleihen.

Was ich aber noch sagen wollte ist, dass die Augsburger Puppenkiste ein aktuelles Kabarettprogramm hat, in dem man sich Figuren wie Scholz, Özdemir und Merz auch als hölzerne Figuren ansehen kann. Von den echten Politikern nicht zu unterscheiden 🙂 🙂 🙂 (Vorsicht Satire)

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San Dieguito

Vor rund einem Jahr nahm ich an der LuheCon teil, einem zweimal im Jahr stattfindenden Retro-Computer-Treffen von rund 50 Leuten, die, je nach Möglichkeit, alte Heimcomputer aller Art, Konsolen aus allen Generationen und sonstige tidbits der Hardwaregeschichte mitbringen. Es gab gemeinsames Zocken, Vorträge, Knabbereien und szenetypische social awkwardness. Ein Toller Tag!

Was es auch gab war ein kleiner Tisch mit Büchern, alten Zeitschriften und sonstigem Gekröse, das man sich mitnehmen konnte. Alte Spielezeitschriften lese ich ja immer gern. Meinem geschulten Bibliothekars-Auge entging jedoch nicht der Barcode auf einem ansonsten sehr unauffälligem Buch. Klar, dass es aus einer Bibliothek stammen musste:

Es handelt sich um Portraits in Silicon, einen erstmals 1987 erschienenen Titel, in dem Pioniere der IT-Geschichte portraitiert werden. Wer’s mag! Mein Interesse galt aber natürlich der Provenienz des Werks, und hier war ich doch überrascht:

Das Buch kommt ja aus *Stimme von Ruth Stephan in einer Heimatkomödie aus den 60ern, mit bewundernder Begeisterung* AMERIKA! Auch noch aus Kalifornien!

Ich wollte natürlich mehr wissen und mir diese Schule einmal anschauen. Das ist gar nicht so einfach, denn fast vierzig Jahre später hat sie einige Änderungen durchlaufen, außerdem gibt es im Bezirk natürlich viele andere Schulen. Es ist auch nicht länger nur eine High School, sondern die San Dieguito High School Academy. Einzige mir bekannte „notable alumni“ ist übrigens Schauspielerin/Model Emily Ratajkowski.

Richtig schwierig war es, etwas über die Schulbibliothek herauszufinden. Stellt sich raus, vor allem im Kontext von Schulen oder sonstigen Bildungseinrichtungen spricht man oft gar nicht mehr von libraries, sondern von learning commons. Dies deshalb, weil man nicht nur Medien anbietet, sondern viel allgemeiner ein Lernort ist mit Workshops, Maker Spaces, Kollaborationsmöglichkeiten, Kursen etc. Das Modell ist nicht anders als das, das in Deutschland auch gerade umgesetzt wird, nur haben wir soweit ich weiß den Namen Bibliothek noch nicht über Bord geschmissen. Mein mittel-altes Herz möchte dies auch gar nicht.

Ich wollte es mir natürlich auch nicht nehmen lassen, meine KollegInnen vor Ort über diesen netten Fund zu informieren. Auch hier habe ich keinen librarian gefunden, sondern einen learning commons technician, was wohl am ehesten unserem FAMI entspricht. Sie hat sich sehr gefreut:

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McAnon

Ich weiß jetzt, warum Grimace gutherzig ist und nur zwei Arme hat. Aber der Reihe nach.

Ein Blog, dem ich gerne folge ist Awful Library Books. Bibliothekare aller Welt (ok, der USA) reichen alte Bücher ein, die sie gerade aussortiert haben und es wird diskutiert, warum sie guten Gewissens aus dem Bestand geschmissen wurden. Manchmal ist darunter auch „graue Literatur“, damit meint man z. B. Gebrauchsanweisungen, Flyer, Telefonbücher und dergleichen mehr. In einem aktuellen Eintrag geht es um das McDonald Land Specification Manual. Eine Anleitung, in der alle McDonald’s-Figuren und auch das McDonald-Land aufgeführt werden mit Hinweisen, wie diese für Marketing-Zwecke einzusetzen sind.

Eine vollständige Version des Booklets von 1975 findet man auf Showbizpizza.

Auch auf reddit gibt es eine kleine Diskussion zu dem Flyer und es wird auch darauf eingegangen, dass Mayor McCheese einem Rechtsstreit zum Opfer fiel.

Der Rechtsstreit kann hier nachgelesen werden und ist eine gemeine Geschichte: Die Puppenfirma Sid & Marty Krofft wurde von einer Werbefirma damit beauftragt, Figuren für McDonald’s zu entwerfen und erhielt später die Nachricht, dass die Kampagne eingestellt wurde. In Wirklichkeit hat aber die Werbefirma den Auftrag erhalten und hat nun Personal der Puppenfirma abgeworben und die Ideen gleich mit.

Der Rechtsstreit ging so aus, dass viele Figuren des McDonaldlands wieder eingemampft, äh, eingestampft wurden (McRIP Mayor McCheese), auch wenn das McDonaldland weitgehend erhalten wurde.

Echte McDonald’s-Heads wissen, dass fan favourite Grimace, dieser lila Blob, ursprünglich eine böse Figur mit mehreren Armen war, die er nutzte, um möglichst viele Milchshakes an sich zu reißen („my milkshake brings Grimace to my yard“ – Kelis)

Zu seinem Sinneswandel findet man gar nicht so viel. Das McDonald’s-Fanwiki schreibt nur:

„Originally, Grimace was the „Evil Grimace“, with two pairs of arms with which to steal milkshakes. After that first campaign, the character was revised to be one of the „good guys“, and his number of arms was reduced by two.“

Die offizielle Version ist wohl, dass Grimace (der übrigens eine Geschmacksknospe darstellen soll) den Kindern zu viel Angst gemacht hat:

„Grimace was eventually given a makeover at the corporate level, so they lopped off two of his four arms and decided that he’d be a good guy instead. Roy T. Bergold Jr., who previously served as McDonald’s vice-president of advertising, said that the OG version of Grimace had a tendency to inadvertently scare kids. „The original Grimace was scaly, mean-looking, had four arms, and had no charm whatsoever,“ he told QSR in 2012. „We changed him to a soft, plush, two-armed blob of a sweetheart who only wanted McDonald’s milkshakes and to hang out with Ronald.“

ICH aber glaube, dass Grimaces Revision ebenfalls auf den Rechtsstreit rückzuführen ist. In einer Fußnote der Gerichtsentscheidung heißt es nämlich:

„The characters are also similar. Both lands are governed by mayors who have disproportionately large round heads dominated by long wide mouths. They are assisted by „Keystone cop“ characters. Both lands feature strikingly similar crazy scientists and a multi-armed evil creature.“

Und während man den Bürgermeister und den Professor ganz von der Karte gestrichen hat, durfte die multi-armed evil creature weiterexistieren, in dem man ihr einige Arme entfernte und sie zu einer liebevollen Figur umdeutete. Ich frage mich, wer hier auf welcher Manager-Ebene intervenierte, um Grimace nicht gänzlich dem Vergessen anheim fallen zu lassen. Case closed.

Dieser Eintrag mag „all over the place“ erscheinen, aber das gilt ja auch für McDonald’s.

Als Rausschmeißer gibt es noch dieses Lied, das ein Jahr vor dem „Einfach gut“-Werbespot erschien:

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Die Liebenden

Wir waren auf dem Flohmarkt, weil der Flohmarkt ein guter Ort ist, um einander kennenzulernen. Kennengelernt haben wir aber noch ganz andere Menschen. An einem dieser Haushaltsauflösungstische, auf denen Kartons mit alten Postkarten, Fotos und Briefen stehen, zog ich wahllos einen der alten Briefe heraus und las diesen vor. Darin stand, adressiert an eine Straße in Bremen-Walle, folgendes:

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(unleserlich), den 12. Okt. 1962

Mein liebes Büblein.

Du hast sicher schon heute auf einen Brief von mir gewartet. Leider war es mir nicht mehr möglich gestern. Abends gehen wir immer noch zur Predigt. Es gefällt mir nur mittelmäßig.
Heute hat Mama Geburtstag. Fam. (unleserlich) war schon zur Gratulation da. In ein paar Jahren wird sie schon 70 Jahre alt. Man kann es sich kaum vorstellen. Früher war eine 70jährige für mich eine alte Frau.
Ja, mein Büblein, und nun zu Dir. Du schreibst ja so verzweifelt. Wie kannst Du annehmen, daß wir dich deswegen verurteilen, wenn Dein Bruder gefehlt hat. Würdest Du mich denn umgekehrt nicht mehr ansehen, wenn einer meiner Geschwister das gewesen wär?

Übrigens weiß das doch nur unsere Mutter und ich. Und Du hast bestimmt Verständnis dafür, weil ihre Schwester früher vor der Ehe auch schon ein Kind hatte.
Aber findest Du nicht auch, daß das für uns eine Warnung sein muß. Sind die beiden denn schlechter wie wir? Doch höchstens schwächer in einem gefährlichen Augenblick.
Oft mache ich mir die schwersten Vorwürfe und dann verwünsche ich die Hand, die den kl. Kollegen berührt hat. Du hast einmal zu mir gesagt, ich sei Dein Schutzengel, das bin ich doch aber nicht, wenn ich Dich zur Sünde verführe. Ach Büblein, ich möchte weinen, wenn ich darüber nachdenke. Wir haben uns doch lieb und wollen uns doch nicht gegenseitig ins Unglück stürzen. Wenn wir aber beide nicht aufhören uns so zu lieben, wird es eines Tages der Fall sein. Dann würdest Du mir das ein Leben lang zum Vorwurf machen, wenn ich nicht die stärkere gewesen wäre, und Du hättest Recht damit.

Mädchen müssen stärker sein, weil Männer eben anders veranlagt sind. Seit Mutter mir das von den beiden erzählt hat, ist mir das so erschreckend zum Bewußtsein gekommen.
Ich habe bestimmt genau so oft seitdem an die beiden gedacht wie Du. Ich möchte nicht mehr leben, wenn uns beiden das passiert (unleserlich)
Oft falle ich auf den Knien vor die Mutter Gottes hin und bitte sie, daß sie ganz besonders auf uns beide aufpasst. Und wie oft bin ich schon sonntags zur hl. Kommunion gegangen und habe all die Gnaden für unsere Reinheit aufgeopfert. Wenn ich für mich den Segen erflehe, dann schließe ich Dich immer mit ein.

Ist das nicht schön, daß wir immer so füreinander beten. Da muss doch die hl. Mutter Gottes uns erhören.
Büblein denk doch mal in Ruhe darüber nach, aber denke nicht, es ist nicht so schlimm wie Gott das geschrieben hat. Wenn wir jetzt nicht aufhören mit dieser leidenschaftlichen Liebe, dann genügt uns das eines Tage nicht mehr, dann verlangt der Körper immer mehr, und dann ist das Unglück da.
Und ewig müßte ich mich schämen vor Deiner Mutter. Sie ist so eine feine Frau und hat soviel Vertrauen zu Dir.

So, Büblein, das war kein feiner Brief aber ich mußte Dir das sagen und es ist bestimmt so herzlich gemeint, als wenn ich Dir sage Büblein, Du bist ganz ganz lieb.

Mit vielen, vielen Küssen bleibe ich Deine kl. (unleserlich)
tschüss Büblein

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Favourite Girl & Favorite Girl

Hier ist ein witziger Zufall. Vor einigen Tagen habe ich mich wie so oft gefragt, was eigentlich aus der Anfang der Nullerjahre halbwegs bekannten Poprock-Band Nova International wurde. Interessanterweise haben sie ihr Produktportfolio lateral diversifiziert und machen jetzt in Lebensmittel-Im- und Export!

Und das nur wenige Straßen von mir entfernt. Ach ja, ich wohne jetzt schon einige Jahre in Bremen und habe davor ein paar Jahre in Eutin gewohnt. Lange Geschichte, ganz vergessen zu bloggen.

Spaß beiseite 😉 😉 😉 Der eigentliche Zufall kommt nämlich jetzt. Der große Hit von Nova International war die tolle Nummer Favourite Girl:

Bitte achtet ab Minute 2:10 auf das awkwarde Schauspiel des Gitarristen. Ihm wurde wohl gesagt, er solle bitte nicht in die Kamera schauen, und er gibt sich alle Mühe!

2018 hat nun ein amerikanischer Rapper namens International Nova (!) einen Song namens Favorite Girl (!!) veröffentlicht! Ich behaupte selbstbewusst, dass dieses unwahrscheinliche Ereignis ohne mein Zutun von der Weltöffentlichkeit gänzlich unbemerkt geblieben wäre.

Was wurde denn nun wirklich aus der Band? Es gibt sie nicht mehr. Frontmann Michael Kamm wurde Komponist und hat unter anderem auch für die Direktbank ING DiBa musiziert. Die Chance ist > 0, dass er für den Jingle „diba, diba doo“ verantwortlich ist. Das wäre dann wohl sein größter Hit.

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Treffen sich Krautrock und Kommunismus

„I’m escaping to the one place that hasn’t been corrupted by capitalism – SPACE!“ – Tim Curry, Command & Conquer Red Alert 3

„We tried very hard not to be anglophonic and not to be german. So, space is one solution.“ – John Weinzierl, Amon Düül II

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[NSFW] Not the Droids I’m looking for

In seiner regelmäßigen Kolumne That Dumb Industry greift Shamus Young  ein Problem aus der erweiterten Spieleindustrie auf, mit dem diese sich ins Knie f-schießt. Aktuell geht es um Match 3-Spiele á la Bejeweled, die für kurzweiligen Spaß ganz gut sind, aber eben auch einige grundsätzliche Probleme haben: hoher Zufallsfaktor, keine Taktik, allgemeine DUMMHEIT.

Es ist dann natürlich schön, wenn es eine Firma gibt, die das Spielkonzept umkrempelt, mit allerlei cleveren Ideen anfüttert, ein kleines Meta-RPG hinzufügt und – es in hinter einem Manga-Erotik-Date-Spiel versteckt? Oh…

HuniePop is a game where you play as a loveless virgin. You can be a male or female, but since you never appear on-screen and all the ladies are player-sexual the choice is kind of abstract. Your goal is to have sex with a bunch of different anime girls by taking them on dates. These dates take the form of rounds of Match-3.

I don’t have a problem with these games and I certainly don’t look down on people who play them, but this really isn’t my thing. I’m a 46 year old man who’s been married since 1996. I’m actually really uncomfortable playing a game where you hit on all of these girls that look… much younger than 46.

Und ich komm drauf, weil das früher auch schon so war! Als Kind habe ich sehr gerne ein Puzzle-Spiel gespielt, bei dem man auf einem Kachelfeld horizontal eine Nummer aufdecken musste, und der Gegenspieler, bzw. der Computer, von dort aus vertikal ebenso. Der mit der höheren Summe gewann, logisch ne?
„Problem“ war schon damals, dass dieses Spiel Blue Angel 69 (die Sexzahl) hieß und unter dem Nummernfeld nach und nach ein sexy Roboter aufgedeckt wurde:

Es wurde später nicht besser, als im Nachfolger Sexy Droids die Roboter schlicht fleischfarben wurden:

Und weil ich dieses Spiel an sich wirklich sehr mochte, hatte ich auch in Jugendjahren eine aktuellere Version auf dem Rechner – Penthouse Hot Numbers. Achtung: hier gab es dann echte women of 256 colors, die aber selbst von Youtube als wohl ok eingestuft werden.

Zwar kam ich mir damals wie der größte Hacker vor, als ich die bilder unverschlüsselt einfach so im Spieleordner entdeckt habe, weswegen ich noch viele herzliche Erinnerungen an sie habe. Nichtsdestotrotz könnte ich heute darauf verzichten – das Spiel, so simpel es auch ist, würde mir trotzdem mal wieder gefallen. Aber es scheint derzeit keine aktuelle, jugendfreie Version zu geben. Oder? Schreibt’s in die Kommis blabla.

 

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Hier ist die Antwort auf die Frage, was heutzutage in einer Wundertüte aus dem Supermarkt steckt.

Vor einigen Wochen fiel uns am Bahnhofskiosk eine Wundertüte ins Auge, die, es tut mir leid, relativ eindeutig auf Mädchen zugeschnitten war. Typische Farben (rosa halt), Diddl-Sticker (ein kleiner Hinweis darauf, wie lange die Wundertüte schon dort auf Kundschaft gewartet hat) und inhaltlich angenehm skurril. Eine Hör-CD eines ARD-Märchens, eine Art Gartenzwerg, so komische Mini-Bleistifte, vor allem aber eine – Bibi-Blocksberg-Wasserpistole?

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Aber hey, in Zeiten, in denen ein Kampfflugzeug rosa angemalt wird, um auf Brustkrebs aufmerksam zu machen, und dieses von gar nichts mehr merkenden Leuten als progressiv gefeiert wird, geht wohl auch das. Dabei will ich eine Wasserpistole gar nicht problematisieren, ist ja schon geil, aber vom ganzen DING her doch thematisch ziemlich schräg. Bibi ist doch sowas wie McGuyver und sagt NEIN! zu Pistolen.

Aber um die Mädchenwundertüte geht es gar nicht, sondern um die im Sky gefundene Wundertüte für Jungen aus Bayern *dieses Jungsgeräusch*

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Schon besser als ein paar Diddlsticker, aber eben auch nicht viel. Der Ritter ist stark thrombosegefährdet, die Bäume sehen aus wie die ersten Gegner in einem SNES-Rollenspiel und der Drache steckt zwar im Körper eines westlichen Drachen, verkleidet sich aber als fernöstlicher Drache. All power to you!

Aufgerissen, reingeguckt. Im Wechsel zücken *~sie~* und ich ein Spielzeug nach dem anderen, und es geht los mit:

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Dem heißesten Scheiß 2006. Aus Rubberloops lassen sich tolle Dinge herstellen wie Armbänder, es gibt aber auch tausend weitere Anwendungsmöglichkeiten.

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Es ist ein trüber Herbsttag, das Laub, das Du mit den Füßen wegschubst, erinnert dich an aufgeweichte Cornflakes. Du wirst zurückgeworfen in die Zeit, in der Du jeden Sonntagmorgen mit deiner Liebsten gefrühstückt hast. Nebenbei lief Die Sendung mit der Maus, das eine Mal hat sich die Ente ein Gebiss in den Schnabel gesteckt, um eine Nuss zu knacken. Deine Hände sind kalt, Du steckst sie gedankenverloren in die Taschen. Du spürst den Gebiss-Schlüsselanhänger, deine Finger umspielen die unangenehm detaillierten Zähne. Der Schlüsselanhänger, ein Schlüsselreiz. Ein Schlüsselreiz zu viel. An einem Sommertag hättest Du ihn überlebt.

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Es ist ein Robot-Radiergummi, noch OVP, Stichwort Mint Condition. Dem Logo nach wohl in Anlehnung an die Transformers, das Design geht Richtung kommunistischer Cybersamurai. Gänzlich kryptisch übrigens die Wortfolge „Earth Numen“. Darunter findet man nur eine spanische Progrock-Band, die niemand kennt und die so klingt wie Archive, wenn die die Synthies gegen ein Saxophon tauschen würden.

Kurz, weil langweilig: Ein Stick mit Glitzerzeug und ein Dinosaurier. *~ihr~* Lieblingsdino, weil der so eine lustige Tröte auf dem Kopf hat. Zur Dinomania Anfang der 90er kannten wir alle Dinosaurier beim lateinischen Namen, so viel wussten wir danach nie wieder.

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Hier ein Werbespot, der vielleicht schon einmal im Fernsehen lief, vielleicht aber auch nicht:

Die Nachkommen der Bugsted leben seit fast 40 Jahren auf der dunklen Seite des Mondes. Im Jahr 1969 brachte eine Raumkapsel, die zum Sammeln von Proben auf dem Mond gelandet war, einen kleinen neugierigen Bug versehentlich mit auf die Erde. Durch Angst vermehrte er sich und jetzt hat die Gruppe von Bugsted nur noch eine Mission: zurück nach Hause, zurück zum Mond.

An dieser Stelle der Hinweis, dass diese Beschreibung gänzlich irreführend ist. 1969 brachte die Apollo 11-Mission aus Versehen 1 Käfer auf den Mond, 2012 dann den mutierten Käfer aus Versehen auf Erde. Get your shit together Kimba, äh, Simba.

Ein fünf Minuten anhaltender Spielzeugtrend mit nicht weniger als vier sammelbaren Figuren, einem Lemming-Klon als zugehöriger App und beiliegenden Codes, die einem einmalig ein paar Sekunden Stärke im Spiel erkaufen. Bugsted hatte nie eine Chance gegen das mittlerweile etablierte und nach wie vor beliebte Pokémon Go. Unerklärlich, dass die Charakterisierung der Figuren bei Kids des Jahres „Hallooo? Es ist 2016!!!“ nicht verfing:

  • Emo: At the moon he was a party animal but when he got to the earth and discovered the twilight saga, he became totally fascinated with the emo universe, and he turned into a very introspective guy. He’s the smartest and that’s why he’s the leader even if he is not looking for it.

Die Wundertüten-Abschlussparty geriet dann etwas außer Kontrolle.

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Quatsch mit Sternchen

Es ist albern genug, dass ein Artikel, in dem es um den geschmacklosen Handel mit Nazi-Devotionalien geht, ausgerechnet von einer Werbung für ein 2. WK Strategiespiel verdeckt wird, die auch noch mitscrollt und sich sanft über den Text legt (hier ein .gif denken wie bei übermedien):

krieg

Dass mir aber die aufdringliche blockxit-Kampagne eine Leseverbesserung verspricht, nachdem ich den Text lesbar gemacht habe, bringt mich dann doch zum Schmunzeln. Und immerhin, das hat Micky Beisenherz vorher noch nie geschafft.

block

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werbung

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