Entscheidungen, Entscheidungen

„Es war eine Woche der Entscheidungen“ – Der Spiegel, jede Woche

Ich habe mich noch gar nicht recht an den neuen „Drive“ gewöhnt, der da jetzt im Schloss Bellevue herrscht, dem Vernehmen nach kriegt der kleine Linus sogar einen kleinen Spielwestflügel zum Austoben. Ich wünsche der Familie an dieser Stelle vor allem freundliche Nachbarn, und nicht etwa Lärmprotokollnazis wie diese hier:

Das erläutert die Beschwerdeführerin, eine Dame mittleren Alters, der Reporterin bei einem Nachbarschaftsbesuch: »Wir leben Wand an Wand in Wohnhäusern, ich höre alles. Wenn nebenan die Kinderkrippe tobt, klirren meine Gläser im Schrank.« Die Anwohnerin hat hier zwei Jahrzehnte lang in tiefem Frieden gewohnt, bis der fast unbelebte Firmensitz nebenan den munteren Horden des Kindergartens wich. Um Behörden und Richtern das Ausmaß ihrer Not zu belegen, hat die Dame über ein Jahr lang Lärmprotokolle angefertigt, worin sie an insgesamt 31 Tagen Störgeräusche minutiös dokumentiert hat. Am 19. Februar 2008 steht da: »9.30 bis 11 Uhr: Sechs größere Kinder und ein Betreuer spielen Fußball. 14.30 bis 17 Uhr: Zehn Kinder im Garten.« 20. Februar 2008: »10 bis 12 Uhr, zehn Kinder und drei Betreuer im Garten – lautes Fußballspielen.« Oder am 24. April: »10.30 bis 11.30 Uhr: Zehn Kleinstkinder (unter zwei Jahren) und ein Betreuer im Garten – lautes Schreien und Weinen.«

Furchtbare Menschen gibt es, nie käme es mir über die Lippen, Präsident aller Deutschen sein zu wollen. Überhaupt ist der Präsident mit Protokollen genug geschlagen, da kann der sowas nicht mehr gebrauchen.

Auch ich hatte meinen Favouriten, nämlich Hitler! Oder war es Stalin? Fragt Dehm da. Komische Vergleiche wurden gezogen seitens DER LINKEN ALS GANZES (hähä, und weil’s Spaß macht: Die Piratenpartei ist auch doof). Nein, in Wirklichkeit war ich für Gauck. Sein Freiheitsbegriff ist auch mir ein wenig zu einseitig, ich gebe der Linken da recht. Aber sein Lebensthema ist die Demokratie als solche. Jeder Präsident sollte, so er schon eh nichts zu sagen hat, für ein großes Thema stehen, unter dem man sich versammeln kann. Und mag Gauck konservative Ansichten zur Technik und neoliberale Ansichten zur Wirtschaft haben, das sind nur Periphärthemen, von denen er nicht viel weiss und zu denen er nicht viel sagt. Dann lieber einmal im Jahr eine schmissige Rede zur Demokratie hören, das kann der gut. Auch sein Filmgeschmack ist besser:

In welchem Kinofilm waren Sie zuletzt?

Christian Wulff: “Ich war zuletzt in… Keinohrhasen ist der erste und Zweiohrküken ist der zweite, nicht?
Das ist natürlich Kult!
*wissendes Lächeln, popkulturell informiertes Nicken*
…und das sind großartige Schauspieler!”

Joachim Gauck: “Das war ein Film – nicht mit Menschen, sondern mit Animationen – der beschrieb die Gefühle eines israelischen Soldaten, der gegen die Palästinenser kämpft. Das war ein selbstkritischer Rückblick mit einer interessanten filmischen Umsetzung.” (Waltz with Bashir – die Redaktion – Du hast ja nicht einmal eine Redakation – der Redakteur)

Aber was soll das Gerede: „Der Drops ist gelutscht.“ Wir haben jetzt Christian Wulff zum Präsidenten. Sein Thema wird hoffentlich nicht die Religion. In seiner Antrittsrede nahm mir das schon wieder zu viel Platz ein. Ja, ich bin strenger Atheist. Ich habe dieses Jahr die Schulbank gedrückt, wie der geneigte Leser weiß, und ich war in einer sehr kleinen Minderheit, umgeben von strenggläubigen Evangelikalen. Es war für mich eine zutiefst unangenehme Erfahrung, von 19-jährigen, die mit diesem Glauben aufwachsen, gefragt zu werden, ob ich tatsächlich glauben würde, dass wir vom Affen abstammen. Oder dass ich als Ungläubiger in die Hölle käme, aber doch die freie Wahl hätte, zu Gott zu kommen. Eine schöne Wahl hat man da: Gottesfurcht oder Hölle. Nun kenne ich Christian Wulffs Engagement bzw. seine lokale evangelikale Gemeinde nicht, aber ich möchte nicht von solchen Menschen repräsentiert werden. Hey, Sorry *schnipp*

Und wo wir gerade in der Schule sind, bzw. diese ja endlich einmal hinter uns haben, das war ja alles peinlich genug mit dem Scout-Ranzen, und dem daran baumelnden Eulenreflektor: einigermaßen unzufrieden bin ich mit den Ergebnissen. Ach was: zutiefst betrübt. Sowohl in Englisch als auch in Deutsch hatte ich mir schöne „Einser“ ausgemalt, und in beiden Fälle scheiterte ich haarscharf. Als einzige Eins verbleibt mir das Versagerfach VBR (VWL, BWL, Rechnungswesen). Bio 2, Psycho 2, „Geschi“ 2, das könnte ja ewig so weitergehen, und dann kriegt man in Mathe noch eine 4 reingedrückt. Wie sieht das denn aus? Aber da geht noch was in der Mündlichen. Wäre ja gelacht!

Schließen wir mit der Erkenntnis, dass die Amis in Personalentscheidungen die Latte immer noch eine Stufe tiefer legen können als wir. Ich möchte nicht einmal etwas zu der neuen Richterin am Supreme Court sagen, da ich nichts über sie weiss. Aber Senatorin Amy Klobuchar ist sich nicht zu dumm, währen einer offiziellen Befragung folgendes Eignungskriterium abzufragen:

Himmel! Team Jacob natürlich!

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2 Antworten zu Entscheidungen, Entscheidungen

  1. Lotta Gruen schreibt:

    Also da hast du jetzt schon wieder so viel reingeschrieben, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Aber erstmal das Wichtigste: Happy Abi to you!
    Fast alle guten Menschen der heutigen Zeit haben schlechte Noten in Mathe. Deswegen gräme dich nicht, wenn die Mündliche da nix mehr raushauen sollte. Das muss dann so und du bist in bester Gesellschaft.

    Den Kindergartenartikel aus der Zeit habe ich auch gelesen. Pflastersteine durch Kindergartenfenster schmeißen?! Wahnsinn. Ekelhaft.
    Und ich oute mich mal: Ich mag Kinder- und Familienlärm. Hat mich noch nie gestört, auch nicht als wir direkt neben einer Grundschule gewohnt haben.
    Irgendwie verlieren potentielle Störgeräusche in meiner Wahrnehmung alles Störende, wenn ich sie in einem positiven Zusammenhang erlebe.
    Ein bisschen erinnerte mich das auch daran, als bei uns im Hinterhof der Friedenstraße auf einmal ein Schild prankte „Ballspielen verboten“. Ja, bitte, wo soll es denn dann noch erlaubt sein? Auf der Straße, wo man sich so prima überfahren lassen kann?!
    Die Kinder heute haben schon kaum Gärten und Freiflächen zur Verfügung und dann vertreibt man sie noch aus ihrem eigenen Hinterhof. Und es war ja nicht so, dass die Jungens da zu Unzeiten übermäßigen Lärm gemacht hätten, bloß normale Lach- und Tobegeräusche.

    Und dann diese Christen. Sebastian, das ist ja scheußlich. Abitur-Christen mit Missionarsauftrag. Oh Gott, in so einer Umgebung hätte ich mein Abi bestimmt sofort geschmissen.

  2. Sebastian schreibt:

    Unser Lieblingsschild, laut dem „Vergnügungen jeder Art“ verboten sind, steht übrigens an einem See im Wald. Auf Ideen kommen manche.

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