The Hof is on fire

Das wollte ich erst als Kommentar schreiben, aber weil schon in Lottas lesenswerter Hinterhofgeschichte (klingt ja fast wie Astrid Lindgren – Lotta aus dem Krachmacherhof) Bezug auf eine andere Hinterhofgeschichte genommen wurde, kann man das ja auch gleich zu einer Art Stöckchen umbauen, nur dass es nicht weitergeworfen wird, sondern das kann man sich einfach holen.

Apropos Stöckchen, und damit zum Kern: Wir wohnen ja im vierten Stock (ouh!), das habe ich hier schon gefühlte 23 Mal erwähnt, auch Fotos wurden schon oft gezeigt. Aber zur Erinnerung, das ist der Blick aus unserem Schlafzimmer:

Nun habe ich erst gestern einen Zeit-Artikel verlinkt, in dem Kindergartennachbarn ihr böses nach außen kehren, und ich selbst kehre ja nur sehr ungern (weswegen Stuttgart ein denkbar ungünstiger Wohnort ist), aber ab und zu nervt einen der Krach ja doch.

Die Tatsache, dass wir unter dem Dach wohnen und es Sommer ist, zwingt uns dazu, das Fenster dauerhaft offen zu halten (was heisst zwingt, eigentlich ist es ja ganz schön). Nun wohnen im Containerkonstrukt links unten, im roten Haus gegenüber sowie im gesamten rechten Haus ausschließlich die hier schon des öfteren erwähnten russischen Bauarbeiter. Ein herzliches Volk, das muss man sagen, jedoch ab 7 Uhr abends auch durch die Bank besoffen und laut. Neben dem Eurotrash, der wirklich unfassbar miesen Folkloremusik, dem Geschrei, Gesang und dem Grillgeruch kamen in den letzten Wochen die viel gescholtenen Vuvuzelas hinzu. „Man kann sich an alles gewöhnen, außer an den Lärm von Vuvuzelas“ – Mark Twain. Hoffen wir, dass dieser Spuk bald ein Ende nimmt.

Das eigentliche Ereignis aus der Kategorie Hätte man dabei sein müssen begab sich jedoch vor 2 Nächten, als ich, vom Grundlärm längst in den Schlaf gewogen, um halb vier morgens von einem äußerst lauten Knall aufgeweckt wurde. Das Schlafzimmer schien hell und flackernd leuchtend und das war nicht sehr angenehm. Als ich über das Bett stieg und die mit einem tiefen Schlaf gesegnete Steffi aufweckte, um in den Hof zu schauen, ergab sich ein schönes Schauspiel. Einer der Container, die rechts auf dem Foto zu erkennen sind, war gefüllt mit Elektroschrott und Bauschutt und sonstigem, welcher tagsüber in der Hitze brutzelte und wohl schon ein wenig vor sich hin schwelte. Nachts explodierter dieser Haufen dann in einem großen Ball und es gab ein Freudenfeuer. In Erinnerung bleibt mir ein Dutzend halbnackter Bauarbeiter (aber das ist normal – die sind immer halbnackt), die mit Feuerlöscher drumherum tanzten, was nichts brachte, ein wirklich schönes Feuer und Feuerwehrleute, die verzweifelt riefen „Spricht hier jemand deutsch???“

Von daher kann man schon einmal fragen, was das eigentlich soll mit den ganzen Hinterhöfen. Niemand mag Hinterhöfe. Jeder beschwert sich drüber. Sie hallen den Lärm wider und jeder kann jedem in die Wohnung schauen. In der Städteplanung wird der Aspekt Hinterhof wohl äußerst stiefmütterlich behandelt. Alternativen zu Hinterhöfen müssten entwickelt und umgesetzt werden!

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4 Antworten zu The Hof is on fire

  1. Lotta Gruen schreibt:

    Ich wünsche mir ein verwittertes Häuschen im Wald neben einem kleinen Weiher. Bei Gewitter klopfen die dürren Äste einer alten Weide gegen die kleinen viereckigen Fenster. Und ich will zu F sagen können: „Schatz, da nisten schon wieder Vögel im Dach.“
    Ja, das wäre so meine Alternative zu Hinterhöfen.

    Heute wurden wir übrigens mit serbischer Popmusik geweckt. Es bleibt einfach nix verborgen.
    Aber ich muss schon sagen, so was Cooles wie ihr da erlebt habt, das ist mir noch in keinem Hinterhof begegnet. Ich hoffe allerdings, es kommt noch einmal so weit.

  2. causa prima schreibt:

    Ich fand bei unserem Innenhof letzten Sommer interessant mitzubekommen, wie das Leben in der Stadt funktioniert. 3 Stockwerke unter mir lief mehr als einen Tag durchgängig ein Staubsauger, ein paar Tage danach fing es an unerträglich zu stinken, zwei Wochen danach war dann ein Spurensicherungsteam hier und hat die Leiche beseitigt. Netter Nebeneffekt: Die Wohnung wurde danach rundumerneuert, morgens um 8 dann die alte Badewanne vom Balkon geworfen und die Fliesen von der Wand geschlagen usw. Die Handwerker müssen wohl keine vollen Auftragsbücher gehabt haben, Nachmittags war kaum noch was los, trotzdem haben sie weitere zwei Wochen zum Entkernen gebraucht. Danach dann wieder neue Sachen einbauen, tjaja. Alte Leute sollten einfach nirgendwo mehr mieten dürfen!!!1!

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