Alles shiny!

Ich habe mich in diesem Blog bereits einmal über Joss Whedon geäußert und naja, es war nicht gerade eine Liebeserklärung. Aber man soll schließlich jedem Menschen eine zweite Chance geben, weswegen ich jetzt tatsächlich einmal Firefly durchgesehen habe.

Der Hintergrund ist simpel: Zum einen bin ich eher ein SciFi-Fanboy und habe es nicht so sehr mit diesem ganzen Horror-Fantasy-Kram, weswegen Buffy mich nicht wirklich interessiert; und zum anderen sind 14 Folgen plus Kinofilm doch deutlich überschaubarer als 144 Folgen Buffy plus 110 Folgen Angel.

Firefly also. Diese Serie, die von einigen Leuten scheinbar geradezu vergöttert wird, obwohl sie mitten in der ersten Staffel abgesetzt wurde. Oder vielleicht auch gerade deswegen. Egal, auf jeden Fall führt diese ganze Verehrung dazu, dass die Messlatte schon ziemlich hoch angesetzt wird. Und auch wenn Firefly die Latte nicht reißt – sie wackelt doch ganz schön und wurde eher mit Ach und Krach überwunden als locker-souverän.

Denn obwohl Firefly originell und unterhaltsam ist, gibt es auch hier wieder Nachlässigkeiten und Schwächen, die ich einfach nicht mit dieser unterwürfigen Verehrung von Joss Whedon in popkulturell interessierten Kreisen in Einklang bringen kann. Es ist weder künstlerisch wertvoll, noch extrem spannend oder unkonventionell erzählt oder sehr viel besser durchdacht als andere Serien. Es ist einfach solide Unterhaltung, die vielleicht etwas ganz Besonderes hätte werden können, wenn die Serie nicht einfach mitten in einer Staffel abgesetzt worden wäre, aber die beste SciFi-Serie aller Zeiten? Na, mir fallen mindestens zwei Serien ein, die durchdachter und spannender waren (Battlestar Galactica und Babylon 5) und eine, die zwar ebenfalls viele Mängel besitzt, aber dennoch in der Gesamtschau immer noch die Nase vorn hat (Star Trek: TNG). Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass selbst in dem unwahrscheinlichen Fall, dass alle vier Serien zur Hälfte der ersten Staffel abgesetzt worden wären, Firefly immer noch auf dem dritten Platz wäre, wenn auch nur knapp hinter Babylon 5. Allerdings sollte man dabei bedenken, dass die ersten beiden Staffeln von Star Trek: TNG gegen beinahe jede Serie das Nachsehen hätten…

Woran liegt jetzt also mein harsches Urteil? Dazu sei zuallererst angemerkt, dass es gar kein so harsches Urteil sein soll – ich fühle mich angenehm unterhalten und würde Firefly immer noch als eine der besseren Fernsehserien einschätzen. Aber eine der besten Serien überhaupt? Wohl kaum!

Die Gründe dafür sind manigfaltig, aber ich schätze, dass die stiefmütterliche Behandlung der Backstory mich am meisten enttäuscht hat. Ach, was sag ich der Backstory – aller Backstorys, die in der Serien angelegt waren! Nicht nur, dass Rivers Verfolgung durch die Allianz nur in anderthalb Folgen richtig gewürdigt wurde und wir nach einer halben Staffel zwar glauben sollen, dass die Allianz alles tun würde, um River wieder zu bekommen, dies aber in der Serie irgendwie nicht zu bemerken ist; nein, auch die ganzen Liebesbeziehungen werden erst viel zu prominent eingeführt, um sie dann so lange auf Sparflamme zu köcheln, bis man als Zuschauer nur noch genervt davon ist. Ganz abgesehen davon, dass mir beim einen Pärchen die Chemie fehlt (Mal und Inara) und ich beim anderen nicht glauben will, dass Kaylee nicht ein ganz klein wenig impulsiver in ihren Beziehungen sein sollte und den Doc zu seinem Glück zwingen würde. Alleine die Backstory vom Shepherd ist meiner Meinung nach richtig dosiert in die Geschichte eingebaut worden – aber da ich diese Figur für nervig und unnötig erachte, bringt mir das persönlich leider nicht viel.

Überhaupt habe ich mit den Charakteren so meine Probleme. So ist mir z.B. Inara viel zu plump und aufmerksamkeitsheischend angelegt: Eine staatliche Prostituierte, die auch Frauen als Kunden hat! Wow, ein Nerd-Traum wird wahr. Aber wie das ganze der Story helfen soll, ist mir ein Rätsel – Inaras Rolle als Gegepol und Liebesobjekt von Mal hätte auch durch eine Schmugglerin oder eine Kopfgeldjägerin oder sonst wer gefüllt werden können, die aufgrund widriger Umstände dazu gezwungen ist, auf der Serenity zu reisen, aber prinzipiell ihr eigenes Ding macht. Die einzige Erklärung, die ich gelten lassen würde, warum dies nicht so umgesetzt worden ist, wäre allenfalls, dass damit zu viele Parallelen zu River und dem Doc entstanden wären. Wobei der Doc selber mir auch irgendwie zu blutleer erscheint. Klar, er soll sich absetzen von den anderen Figuren, aber ich würde es mir wünschen, dass er wenigstens ein wenig interessanter gemacht worden wäre. Aber mit seiner Fixierung auf seine Schwester und den obligatorischen Gag auf seine Kosten, weil er Kaylee verärgert, ist zu eindimensional geraten. Und schließlich und schlussendlich gibt es noch Jayne, bei dem nicht nur so viel Potenzial verschenkt wurde, sondern der dadurch auch noch absolut unglaubwürdig wird. Wenn es schon jemanden auf dem Schiff gibt, der potenziell ein Verräter und Söldner ist, dann sollte er auch deutlich ambivalenter sein und den anderen Besatzungsmitgliedern Angst machen. Wenn diese aber nur ein paar Witzeleien über ihn machen und es klaglos hinnehmen, dass er bereit ist, jeden von ihnen für das richtige Angebot zu verkaufen, dann wirkt das mehr als seltsam. Ich hätte es mir gewünscht, dass Jayne entweder eher der Einzelgänger ist, dem die anderen immer misstrauen müssen, aber einbeziehen, weil sie auf ihn angewiesen sind; oder aber, dass Jayne zwar damit kokettiert, dass er ein Söldner ist, aber unmissverständlich klar gemacht wird, dass er sich Mal aus ungeklärten Gründen (Backstory!) unterordnet und ihn und die Crew deswegen nicht verraten würde. Aber ein Crewmitglied, das definitiv alle verraten und dadurch in Gefahr gebracht hat, aber dem weiterhin das volle Vertrauen entgegengebracht wird, ist mehr als unwirklich.

Auch die Antagonisten sind leider zu eindimensional geraten. Joss Whedon selbst hat über den Pilot-Folge gesagt: „Bad guys wear hats, good guys don’t.“ Bezogen auf die ganze Serie könnte man es auch paraphrasieren als: „Bad guys fight Serenity-Crew, good guys don’t.“ Nahezu alle Bösewichte in der Serie sind einfach nur böse, weil sie eben böse sind. Warum sie böse sind? Ein Schulterzucken ist die Antwort. Da es sich ohnehin nur um das Monster of the Week handelt, kann diese Frage getrost ignoriert werden. Und die wirklich interessanten Gegner, die Reaver, werden nur ganz am Anfang gestreift – schade, da wäre mehr drin gewesen. Auch gibt es keine Handlungen, wo der Crew der Serenity ein Gegner gegenüber steht, der vielleicht auch aus hehren Motiven handelt oder prinzipiell nachvollziehbare oder unterstützenswerte Ziele hat. Wenn man schon eine Serie über Outlaws in einer feindlichen Umgebung macht, dann könnte man ruhig auch einmal darauf eingehen, dass es in einer solchen Umgebung schwierig ist, moralisch integer zu sein. Die Helden müssen ja nicht gleich kleine Kinder erschießen, aber ein Kampf um knappe Ressourcen könnte ruhig drin sein. Zumal auch hier wieder Joss Whedon ins Spiel kommt, der selber sagt, dass die Allianz kein Unrechtsregime darstellt und Allianz-Bürger sich nicht unterdrückt fühlen. Wenn man das liest, möchte man nur einmal mehr über den schluderigen Umgang mit der Backstory den Kopf schütteln: Eine Allianz, die River jagt, weil River das notwendige Opfer für ein höheres Gut ist, ist auf jeden Fall der vielschichtigere Gegner als eine Allianz, die River jagt, weil sie halt einfach immer der böse Gegner ist.

Dennoch möchte dann an dieser Stelle nicht versäumen, darauf hinzuweisen, dass immerhin im Film angedeutet wird, dass die Allianz vielleicht durchaus gute Absichten hat. Und zwei absolute Pluspunkte sind die wirklich guten Dialoge sowie der weitestgehende Verzicht auf haarsträubende Logikfehler in der Handlung (nur eine Stelle war wirklich grenzwertig – bei Star Trek: TNG war hingegen eigentlich jede Folge ein Verstoß gegen die innere Logik des Trek-Universums) sowie Dei ex machina (nur im Film gab es diesen seltsamen Mr. Universe, der weder Sinn noch Ursprung hatte). Für SciFi ist das mehr, als man erwarten kann. Und ich bin auch durchaus in der Lage anzuerkennen, dass erst die Vorarbeit von Firefly einem Meilenstein wie Battlestar Galactica überhaupt möglich gemacht hat.

In diesem Sinne möchte ich also abschließend festhalten: Joss Whedon hat seine zweite Chance zwar genutzt, aber warum er der Jesus Christus unter den kreativen Köpfen der Fernshebranche sein soll, ist mir weiterhin ein Rätsel!

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2 Antworten zu Alles shiny!

  1. bullion schreibt:

    Eigentlich alle Kritikpunkte, die du aufzählt, lassen sich dadurch entkräften, dass sie – wäre die Serie weitergelaufen – so gar nicht aufgekommen wären. Dann hätte es entsprechende Backstorys gegeben, die Liebesgeschichten wären weitererzählt worden usw. Wenn man bedenkt was „Firefly“ in nur 14 Epiosden geschafft hat, nämlich Interesse (und bei manchen sogar Liebe) für die Figuren und das Universum zu wecken – da kommen andere, selbst großartige, Serien innerhalb der Hälfte ihrer ersten Staffel nicht hin. Für mich immer noch eine der besten Serien da draußen.

  2. MuGo schreibt:

    Naja, die eindimesionalen Antagonisten und der seltsame Umgang mit Jayne wären jetzt nicht zwangsläufig behoben worden – und gerade im SciFi-Bereich gibt es m.E. mit Babylon 5 und Battlestar Galactica zwei Serien, die in der ersten halben Staffel eben mehr geliefert haben.

    Ich will aber ja auch gar nicht Firefly abgrundtief schlecht reden, ich wollte nur eben meine Verwunderung darüber ausdrücken, wie sehr diese Serie verehrt wird, obwohl ich wie oben beschrieben doch einige Schwächen entdeckt haben, die zumindest für mich doch bei einigen Folgen dazu geführt haben, dass ich diese allenfalls mit befriedigend bewerten würde – nette Unterhaltung, aber eben auch nicht mehr.

    Ich will aber auch nicht ausschließen, dass das ganze Setting vielleicht einfach nicht mein Thema ist; andere Serien haben bei mir viel mehr den Wunsch ausgelöst, mich mit dem Universum und seiner internen Logik zu beschäftigen – Firefly dagegen gar nicht. Mir ist die Paarung „Moderner Robin Hood vs. böser Zentralstaat“ einfach zu platt. Das ist für mich mindestens genauso naiv wie die ach so gute Förderation bei Star Trek – wobei hier aber wenigstens noch durch Antagonisten, die nicht im klassischen Gut/Böse-Schema bewertet werden können, ein wenig Tiefe in die Geschichte gebracht wurde.

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