Jedes Land hört die Musik, die es verdient!

Vergesst Porno-Rap, Porno-Dangdut ist der heiße Scheiß der Stunde. So sündig, dass sich die indonesische Regierung gezwungen sah, Titel wie Maaf Kamu Hamil Duluan (Sorry, dass ich dich geschwängert habe) und Wanita Lubang Buaya (Der Krokodil-Tümpel einer Frau) mit einem Radio- und Fernseh-Verbot zu belegen. Ja, die Indoneser eben mit ihrer Rückständigkeit – bei uns darf man sogar legal über Zoophilie singen! Da muss man schon mit einer morbiden Weltsicht, Inzest-Phantasien oder, nun ja, Porno-Rap kommen, um einer solchen Strafe zu unterliegen. Denn schließlich wollen wir, dass sich unsere Kinder zu Anhängern der Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung werden und nicht zu rückständigen Anhängern von Willkür und eingeschränkter Meinungsfreiheit!

Kommen wir aber noch einmal auf Dangdut zurück, die fröhliche indonesische Variante von schrecklicher, aber erfolgreicher lokaler Popmusik, die man überall auf der Welt zu finden scheint (in Deutschland heißt das Ballermann Hits, in Mexiko norteño und in Ecuador vallenato, um mal ein paar mir geläufige Beispiele zu nennen). Schön ist, dass in der Liste auch die ganze Bandbreite der von der Musik-Industrie verwendeten Popstar-Schablonen zu finden ist: Da wäre zum Beispiel die Skandal-Nudel Julia Perez, die eher mit ihrem skandalösen Auftreten als mit ihrer Musik für Aufruhr sorgt. Ihr Lied JuPe Paling Suka 69 (JuPe mag 69 am Meisten), das von ihren Lieblingspositionen handelt, ist dabei sogar ganz okay – bis zu dem Moment wo sie zu singen beginnt. Denn das scheint, mit Verlaub, nicht ihre größte Stärke zu sein. Aber hey, Zlatko konnte auch nicht singen! Am Ende geht es darum, die Massen zu beschäftigen – und da hilft so ein Radio-Boykott bestimmt!

Ebenfalls nicht fehlen darf der offensichtlich schwule Sänger, der ein Frauenschwarm ist und daher nicht offen zu seiner Homosexualität stehen kann. Wahrscheinlich würde ich jetzt in Indonesien auch entrüstet darauf hingewiesen, dass der Sänger natürlich NICHT schwul ist, denn muslimische Männer sind NIE schwul! Richtige Christen übrigens auch nicht. Was mich allerdings zu der Frage bringt, warum es sich die evangelikalen Schwulen eigentlich selbst so schwer machen und in diese Bet-Camps gehen, wo sie von ihrem sündigen Verlangen geheilt werden sollen. Einfach die Klappe halten, sich eine züchtige evangelikale Freundin anlegen, die man nie heiratet (die Uni, die momentane berufliche Situation, irgendwas findet sich schon als Ausrede) und als Vorbild für alle jungen Männer in der Kirche dienen, da man enthaltsam lebt. Wenn die Frau Ende 30 ist (und sich nicht vorher schon einen anderen gesucht hat, was einen selbst nur um so besser dastehen lässt) heiratet man sie doch, aber vollzieht nie die Ehe nach biblischer Auslegung, da Sex ja nur der Fortpflanzung dienen darf und die Ehefrau schon fast aus dem Alter raus ist, wo sie noch Kinder bekommen kann. Während die Frau einen hasst, kann man sich seines Heiligen-Status schon zu Lebzeiten sicher sein! Oh, ach so, das Lied heißt übrigens Mobil Bergoyang (Wackelndes Auto) und besitzt alles, was ein schlechtes Musikvideo so braucht: knapp bekleidete Tänzerinnen, wechselnde Szenen ohne jeglichen erkennbaren Zusammenhang und eine Identifikationsfigur für alte geile Männer. Nicht so super wie R.Lizer oder Amor Real, aber immerhin!

Was zu guter Letzt nicht fehlen darf: Das eine Lied, das man dennoch gut findet. Es handelt sich um Tuty Wibowos Hamil Duluan (Plötzlich Schwanger):

Als Abschluss möchte ich noch einmal deutlich darauf hinweisen, dass wir in Deutschland selbstverständlich keine Zensur haben. Alles, was auf dem Index steht, darf natürlich von Erwachsenen erworben und gehört werden. Dass dies schwierig ist, wenn ein absolutes Werbeverbot herrscht, man sich nur sehr kompliziert über die tatsächlich indizierten Medien informieren kann und Suchmaschinen so manipuliert werden, dass deutsche Nutzer die indizierten Medien nicht finden können (ja, Google manipuliert die Suchergebnisse – sonst würden sie sich ja in Deutschland strafbar machen!), ist allenfalls ein bedauerlicher Kollateralschaden…

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2 Antworten zu Jedes Land hört die Musik, die es verdient!

  1. Sebastian schreibt:

    Du bist der erste Mensch, den ich kenne, der tatsächilch Linkbeschreibungen hinzufügt. Sehr schön.

    Bei so Videos wie dem von Zlatko sehe ich gerne in die stumpfen Gesichter der klassischen Musiker im Hintergrund, die sich mit sowas verdingen müssen.

  2. MuGo schreibt:

    Am Schönsten an Zlatkos Auftritt finde ich den Moment, wo die Cellisten aufstehen und seinen Namen rufen (kommt irgendwo gegen Ende; ich schätze, dass niemand so weit gucken wird). Da frag ich mich, wer in diesem Moment stolzer ist: Die männliche Prostituierte am Cello oder deren Eltern, die all die ganzen Jahre brav die Ausbildung gezahlt haben bis „der Knoten platzt“.

    Bezeichnend finde ich außerdem, dass ich den Auftritt nie wieder gesehen habe, seitdem ich ihn damals 2001 live im Fernsehen gesehen habe – dennoch hätte ich den Ablauf ziemlich exakt wiedergeben können. Es gibt nicht viele Performances, die das bei mir erreichen konnten. Es heißt offensichtlich nicht umsonst Trash Art.

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