Von Menschen und Mäusen / 7 Tipps zur erfolgreichen Mäusejagd

Während wir den Indern Gleise, Demokratie und Mathematik gebracht haben, erhielten wir im Gegenzug lediglich Raj aus Big Bang Theory und die Mus Musculus, die gemeine Hausmaus (nicht zu verwechseln mit Kuskus, der nicht ganz so gemeinen Klausmaus). Unter anderem nämlich direkt in unser bescheidenes Heim, wo uns seit Wochen das nächtliche Nagen und vor allem die schnell weghuschenden Schatten in den Wahnsinn treiben. Das ist der zu zahlende Preis, wenn man in einer Nachbarschaft lebt, in der diverse leerstehende Häuser abgerissen werden. Das, und natürlich auch der Lärm, der Staub, der die Fenster verklebt, Risse in den Wänden…

Aber wer bin ich, dass ich mich beschwere? Ich bin Sebastian, hallo, und ich beschwere mich. Denn es ist wirklich ein Ärgernis mit diesen Mäusen. Da wir nun einige Wochen Strategien zur humanen Mäusebekämpfung erforscht und erprobt haben, sollen an dieser unsere Erfahrungen wiedergegeben werden, denn wer weiss? Vielleicht gibt es auch in anderen Wohnungen Mäuse!

1: Es begann mit einer einzelnen Maus in einem der Badezimmer. Das Loch war schnell ausgemacht, und in der Folge dann auch schnell zugemacht. Bauschaum soll hier helfen. Dennoch: Die Maus trieb weiter ihr Unwesen. „Die Natur findet ihren Weg“, Dr. Ian Malcom, Chaostheoretiker. Die Lehre daraus ist, dass man zwar Löcher abdichten kann wie man möchte, das Problem dadurch aber wahrscheinlich nicht gelöst wird.

2: Lebendfallen sind anderen Methoden vorzuziehen. Das ist erstens natürlich ethisch viel korrekter, und zweitens sind Todesfallen eine einzige Sauerei. In Schnappfallen zucken Mäuse oftmals noch vor sich hin und Gedärme hängen an den Wänden drumherum (jetzt mal überspitzmaust), und Giftfallen sorgen höchstens dafür, dass die Mäuse zum Sterben den Fluss hinauf irgendwo hin ziehen, wo man sie nicht findet und von wo sie dann vor sich hin stinken.

Jedoch 3: Lebendfallen nützen nichts, wenn die Mäuse sie nicht annehmen. Wichtig ist der richtige Köder. Allerorten wird Schokolade empfohlen, aber nicht eine Maus mochte unsere zahlreichen Pralinékreationen, Nutellastullen oder Milkaherzen. Jedenfalls nicht, solange es noch Alternativen gab.

4: Und damit ein entscheidender Punkt. Macht die Wohnung für Mäuse unattraktiv. Jedes noch so kleine Müslikorn, das heruntefällt, sollte sofort aufgehoben werden. Viel wichtiger ist aber noch, dass der Müll unerreichbar ist. Wir haben festgestellt, dass die Mäuse mühelos in unseren glatten und scheinbar ausreichend hohnen Mülleimer kamen und sich dort fühlten wie Ratatouille in Frankreich. Die gelben Säcke sind hier ein Problem, weil wir keinen wirklichen Stellplatz dafür hatten. Auf dem Dachboden waren sie logischerweise schon Minuten später angeknabbert, aber auch an jeder anderen Stelle gab es Löcher. Wir haben uns nun damit beholfen, die gelben Säcke auf dem Dachboden an den dort vorhandenen (aber ungenutzten) Wäscheleinen aufzuhängen. Kurios, aber es funktioniert. Zumindest, bis sie lernen, die Balken hoch und die Seile entlangzuklettern, was nicht so weit hergeholt ist.

5: „Der schlimmste Ort, wo Sprach‘ geboren, sind und bleiben deutsche Foren!“ sprach Goethe einst und hatte damit Recht. Wenn ihr auf der Suche nach der ultimativen Waffe gegen Mäuse bis hierher gefunden habt, habt ihr bereits eine Odyssee durch die tiefsten Niederungen von Haushalts- und Tierforen hinter euch gebracht, die hinter jedes „Schokolade“ ein Zwinkersmilie setzen, als ob Schokolade an sich schon etwas Anrüchiges und irgendwie Verbotenes wäre. An dieser Stelle sei noch einmal unser erster und bislang auch letzter Craplog-Podcast von Frank empfohlen, der das Thema Mäuse in Foren abschließend behandelt. Eher fündig wird man schon in der angloamerikanischen Boardosphäre.

Wir stießen auf dieser Seite auf die obige, vielversprechende Konstruktion und bauten diese auch hier auf. Grundsätzlich scheint die Falle gut zu funktionieren. Wir hatten damit kein Glück, es fanden sich jedoch einige Mäuseküttel in der Nähe der Rolle, und einige Male ist diese in den Eimer gekippt – jedoch ohne Maus. Die Balance muss wohl genauer austariert werden, als unsere schwieligen Pranken es zulassen. Die Falle sollte aber durchaus in Betracht gezogen werden, falls einem sonst nicht viel einfällt.

6: Und damit sind wir endlich an der Stelle, an der wir Erfolg hatten. Nachdem es keinen Müll mehr zu futtern gab, wir genau wussten, aus welchen Löchern die Mäuse kamen und wir ebenfalls wussten, welche Köder nichts bringen, haben wir nochmal die Fallen aufgestellt. So wie auch früher schon haben wir Speck verwendet. Doch jetzt kommt der ultimative Tipp: Packt die Falle in eine Plastiktüte oder einen kleineren Karton. Dies hat zwei Effekte: Erstens wird die Falle damit zu einer kleinen Höhle. Mäuse lieben Höhlen! „Ein Ort, zu dem man gerne geht“, Gerhard Schröder über das Berliner Holocaustdenkmal *lookofdisapproval* Zweitens riecht die Falle intensiver nach dem Köder, da sich der Speckgeruch in der Falle bzw. der Tüte drumherum festsetzt. Es gibt dort nun also eine gemütliche dunkle Höhle, die nach Futter riecht.

Nachdem wir 6 Wochen überhaupt kein Glück bei der Jagd hatten, hatten wir, nachdem wir die Fallen in Tüten gesteckt haben, innerhalb kürzester Zeit bereits mehrere Mäuse gefangen. Eine süßer als die andere! Aber darum geht es ja überhaupt nicht. Es bleibt abzuwarten, wie viele da noch kommen, denn nach der Freude über die ersten gefangenen Mäuse kommt jetzt langsam die Ernüchterung ob der Menge. Aber vielleicht ist das auch nur der Winter, der die Gedanken verfinstert.

7: Wenn man die (zugegebenermaßen süßen) DRECKSKACKVIECHER schon lebend fängt, soll man sie gefälligst in diesem Zustand auch in die Freiheit entlassen. Es ist wichtig, möglichst weit zu gehen. Wir haben einen Spaziergang in den Park gemacht, 2 Kilometer sind vielleicht schon wieder überdimensioniert, aber weiss man’s? Wer auf Nummer sicher gehen will, kann die Mäuse vor dem Aussetzen auch markieren, ist ja bald Ostern. Rezepte für ungiftige Fingerfarben gibt es zum Beispiel auf hausfrauenseite.de, was es nicht alles gibt.

Sind die Mäuse dann unter großem Hallo in die Freiheit entlassen, darf gefeiert werden. In diesem Sinne: Waidmanns Heil!

(Schreibt man heil groß? Muss man ja auch aufpassen.)

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16 Antworten zu Von Menschen und Mäusen / 7 Tipps zur erfolgreichen Mäusejagd

  1. MuGo schreibt:

    Auf wunderbare Weise Jurassic Park, Thees Uhlmann und hausfrauenseite.de im gleichen Text untergebracht – so muss es sein!

  2. uli schreibt:

    Endlich mal ein Tipp, der augenscheinlich auch funktioniert. Die Sache mit der Tüte haben wir noch nicht probiert. Ich danke schon mal im Voraus und werde im Erfolgsfall Bilder nachliefern.

  3. Sebastian schreibt:

    Aktuell vermuten wir, dass wir nun lediglich die dummen Mäuse gefangen haben und die klugen noch vorsichhinknuspern (Leerzeichen nach Bedarf setzen).

  4. Birgit schreibt:

    Hallo, ich hoffe ihr habt so viel Spaß beim weiterfangen, wie wir beim lesen – wir werden sicherlich auf dem Laufenden gehalten.
    LG aus Westfalen (Mama von Catharina)

  5. Simon schreibt:

    Bleibt zu hoffen, dass die Menschen, die zwei Kilometer weiter weg wohnen, nicht die gleiche Idee haben wie ihr. 🙂

    Mit Lebendfallen dieser Art hatten wir jedenfalls keinen Erfolg. Der Köder war zwar immer verschwunden, die Mäuse aber leider auch.

  6. Sebastian schreibt:

    Wir haben sie ja im Park rausgelassen, und nach dem, was man da nachts an Getier so sieht, hätte ich die Mäuse am liebsten gleich wieder mit zurückgenommen. Riesenratten, die bestimmt durch Stuttgart 21 mit Strahlen verseucht wurden, Stuttgart 21 ist schließlich für alles Übel im Park verantwortlich.

  7. Sebastian schreibt:

    Ach ja, diese Fallen sehen zwar sinnig aus, aber die Stäbe sind schon sehr weit auseinander. Unsere Mäuse (hach) hätten da glaube ich relativ leicht durchkriechen können.

  8. Stefan K schreibt:

    Vor Jahren hatten wir in einer WG dasselbe Problem und uns ebenfalls (man ist ja kein Untier) für Lebendfallen entschieden. Das Fangen war nicht so sehr das Problem, uns wunderte nur, dass da scheinbar immer eine neue Maus nachkam, nachdem wir die alte ausgesetzt hatten. Als uns dann Zweifel beschlichen, markierten wir die gefangene Maus und siehe da: Es war immer wieder dieselbe. Wir schienen ein besonders orientierungstalentiertes Exemplar der Gattung erwischt zu haben. Seither kann ich sagen, dass zwei Kilometer zum Aussetzpunkt nicht unbedingt übertrieben ist, vielleicht hat aber auch geholfen, dass wir beim letzen Aussetzversuch ein paar Mal im Kreis gefahren sind, um das Vieh zu verwirren. 😉

  9. Pingback: blog.social » Nachrichten von Nebenan (1)

  10. NRj_66 schreibt:

    Nun ja, ganz nett, hatte ich auch mit der Ersten vor aber inzwischen habe ich eine Katze. welche mir zugelaufen kam und ein paar Blutflecken auf dem Teppich. Rico(Ricardo, der schwarze Kater) ist nicht ohne. Habe schon mit mehreren Katzen zusammengelebt aber Rico ist bisher der frecheste und kratzbürstigste.

    FW !

  11. causa prima schreibt:

    1. Was ist mit Apu?
    2. Warum die Tiere raus in die Kälte bringen? Da wollen sie doch gleich wieder zurück. Am besten irgendwo hin bringen, wo es sogar noch besser ist, als bei euch.
    3. Keine Mäuse töten wollen, aber weiter Fleisch essen. Kühe sind auch niedlich! Nur größer. Aber Kälber! Und Lämmchen! Hasen!
    4. Eines der effektivsten Mittel sollten immer noch „natürliche Feinde“ sein. Hat aber eventuell den Nebeneffekt, dass der stolze Stubentiger manchmal seine Beute präsentieren möchte, was zu niedlichen/beängstigenden/ekligen Situationen führen kann.
    Und 5. möchte ich hier nochmal auf die zwei Mäuse hinweisen, die ich persönlich schon getötet habe, was hier in diesem Blog auch kundgetan wurde: http://socialissuesandstuff.com/2007/12/01/drei-besonderheiten-und-ein-todesfall/

  12. Sebastian schreibt:

    Was ist denn mit Apu?
    Und ja, dass ich Fleisch esse, mag man als Widerspruch ansehen. Oder man mag eben nicht und ignoriert das einfach, so mache ich das jedenfalls. Natürliche Feinde fallen hier wegen Tierhaarallergie der Mitbewohnerin flach, und ist eh ein wenig ungünstig.
    Und danke für den Link zu deiner ganz persönlichen Mauserei, die hatte ich überhaupt nicht mehr im Kopf.

  13. Stephan Z. schreibt:

    wir haben 5 Fallen von http://www.juttestoff,de im Einsatz. In kurzer Zeit 9 Mäuse auf dem Speicher gefangen. Wir setzen sie ein paar Straßen weiter im Feld aus. Als Köder nehmen wir Apfelstückchen. Die Fallen (je nach Größe) kosten dort knapp 5- knapp 10 EUR. Bessere Erfahrungen haben wir mit der großen Falle. Da kann sich die Maus auch mal länger „aufhalten“, wenn wir mal nicht da sind. Was unsere Katze angeht: Die bringt uns immer lebende Mäuse mit und lässt sie laufen. Daher vermutlich das Mäuseproblem.

  14. Stephan Z. schreibt:

    Achtung Link falsch geschrieben. Richtig: http://www.jutestoff.de

  15. asdf schreibt:

    schön 🙂

  16. Merlin schreibt:

    2 km reichen nicht!! ich fahre jetzt auf die andere Rheinseite. Darf man im Bekanntenkreis aber nicht erzählen…

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