Kurzgeschichte „Der Blob“ – Fortsetzung

(04.2011)

Auf der Erde versammelte sich das Volk. Der Großkoribosi erschien kurz darauf auf dem schwarzen Felsen. Von dieser nicht unbeachtlichen Erhebung sah er hinab auf die seinen. Stolz lag in seinem Blick, Stolz auf das Abenteuer, welches hinter ihnen lag.
Hinter dem Berg, an dessen Fuße sie derzeit verweilten, lag der gefährliche Pfad, den sie noch beschreiten sollten, bevor sie sich wirklich frei nennen konnten. Das jedoch tat der Blob als Kleinigkeit ab, in dem Glauben an sich und seine Stärke, die alle bisher zusammen gehalten hatte.

„Wann ziehen wir weiter, Großkoribosi? Spreche zu uns. Das Volk wird ungeduldig“

Von hinten näherte sich der Kalisch, der ihm seit jeher zuarbeitete. Durch seine Treue und Ergebenheit immer wieder auf´s Neue gerührt, wandte sich der Blob ihm sogleich zu.
Er richtete seine drei Augen auf ihn und dachte einen kurzen Augenblick nach, ehe er also dann antwortete:

„Oh mein geliebter Kalisch, du, dem mein ganzes Vertrauen gebührt. Sage den anderen, ihr sollt noch warten. Ich werde voraus ziehen und den Pfad erkunden. Der Schatten des Berges fällt auf das Tal, das wir zu durchschreiten haben und ich will nichts riskieren. Jedoch werde ich allein nichts zu befürchten haben, denn ich bin der Großkoribosi. Berichte ihnen dieses und legt euch gleich zum Schlafen nieder, denn noch vor dem Morgengrauen werde ich zurück gekehrt sein.“

Bevor der Kalisch seine Gedanken zu äußern vermochte, wandte der Blob ihm den Rücken zu und zog sich in die Höhle zurück, die wie ein düsteres, verheißungsvolles Maul über der kleinen Gruppe klaffte.

Vor Einbruch der Dunkelheit zog der Blob los. Es war schon eine allumfassende Ruhe über das Lager gesunken, als er die Höhle eingehüllt in einen dünnen Fließ verließ.
Das Gefühl der Macht auf diese Lebewesen bestimmend einwirken zu können geleitete den Blob den Bergrücken hinab, und erst mit Eintritt in das düstere Tal begann es zu weichen. Schuld waren die fremdartigen Geräusche von unglaublicher Intensität, die nun an sein Ohr und in sein Innerstes drangen. Noch wollte der Blob sich nicht dem Zittern, das er empfand, hingeben. Er war schließlich der Großkoribosi!
Somit richtete er sich auf und folgte hocherhobenen Hauptes dem geschwungenen Pfad.

Es ging nicht lange, und die Windungen führten ihn tief hinein zwischen schroffe Felsen und jede weitere Biegung führte ihn schneller ab von seiner bisherigen Richtung. Er sah nichts vor sich, nichts hinter sich, nur Stein und Fels, gelegentlich einen Baum.
Die Nacht tat ihr Übriges seine Sinne zu schwächen, doch besaß er eine Dreiaugenausgleichsstrahlung, wodurch sein Blick der Düsternis zu trotzen wusste. Für ihn war es, als wäre es Tag.
Aber auch dies vermochte ihm nicht die Furcht zu nehmen. Unaufhörlich sprangen seine drei Augen von einem Punkt auf den anderen und nur noch langsam setzte er seinen Weg fort.

Nicht weit von ihm, ein Stück den Hang hinauf, schräg hinter einem Felsvorsprung, verbarg sich zur selben Zeit der Gehängte. Mit leeren Augenhöhle empfing er die Signale der Welt sehr unzureichend, jedoch immer noch stark genug, um seine Feinde einzuordnen.
Lange schon war keiner mehr diesem Wegabschnitt gefolgt. So begab es sich, dass der Gehängte wie aus einem tiefen Schlaf erwachte, als er das Vorhandensein des Blobs bemerkte. Dieses Wesen, das dem Gehängten gänzlich fremd war, sorgte für eine schnell anschwellende Wut in ihm, konnte er die Situation doch das erste Mal seit Anbeginn der Zeit nicht einschätzen. Die Schwingungen waren fremd, die Verarbeitung fiel schwer.
Er riß noch ungelenk die vom langen Ruhen schlaffen Glieder aus der gehaßten Stellung, nahm den Kopf ungeschickt aus der Schlinge, um schließlich leise fluchend die Fährte des Blobs aufzunehmen.

Dieser, inzwischen noch nicht viel weiter, spürte seinerseits die unbekannte Macht jenseits des Weges erwachen. Der Sonnenaufgang war noch fern, doch auch der Rückweg lang. Was also tun?
Als Großkoribosi empfing er einst eine große Verantwortung. Ihr hieß es gerecht zu werden. Somit richtete er sich denn also zu seiner vollen Größe auf, riss seine drei Augen auseinander und streckte die sieben Arme von sich. Den Fließ warf er fort, so dass sein braunes Stachelhaar gefährlich abstehen und so maximale Wirkung erzielen konnte.

„Komm heraus, Feind, ich spüre dich!“

Alsbald erschien die Siluette des Gehängten in Licht gehüllt. Die Distanz schrumpfte schnell und es kam zum Kampf. Der Gehängte zog den Degen aus Knochen, den er immer bei sich zu tragen pflegte. Sauber trennte er damit dem Blob den einen seiner Arme ab.
Der Blob, von dieser Schmach gepackt, stürzte sich seinerseits von allen inneren Zweifeln befreit auf den anderen. Die Macht seiner Ahnen fuhr in ihn und schließlich wurde sich der Blob gewahr, dass der Sieg auf seiner Seite lag. Der Gehängte zog sich zurück.

„Ihr dürft vorüber ziehen. Ich lasse euch gewähren“, sprach er, geknickt unter seiner Niederlage. Schnell verschwand er zwischen den Schatten, aus denen er hervorgetreten war.
Der Blob jedoch kehrte schnellen Schrittes zurück, voll positiver Gesinnung, hatte er doch nur einen seiner Arme auf dieser Mission gelassen.

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