SpOn und sein Frühwahnsystem

Das Craplog habe ich heute schon bemüht, und man soll den Motor ja nicht zu heiss laufen lassen, aber die Hasskappe konnte ich mir im Zusammenhang mit dem Japan-Beben gleich noch ein zweites mal aufsetzen. Deswegen hier noch mal eine kleine Anmerkung.

Es geht um den SpOn-Artikel Naturgewalt bezwingt Japans Top-Technologie, naja, Spiegel Online halt. Axel Bojanowski hat jedenfalls begonnen einen Artikel über Sicherheitstechnologie zu schreiben, wobei er sich dann auf halber Strecke verlaufen hat und nicht so recht wusste, was er eigentlich erzählen soll. Nach den ersten fünf Absätzen, in denen er wiedergibt, dass Japans Sicherheitsvorkehrungen EXAKT DAS getan haben was sie sollen –

„Der Tsunami-Alarm konnte wohl viele Menschen retten, die rechtzeitig landeinwärts auf Anhöhen geflüchtet waren. Und die fortschrittliche Architektur hat sicher zahlreiche Häusereinstürze verhindert. Zudem reagierten die Japaner gewohnt besonnen: Das Fernsehen zeigte keine emotionalen Katastrophenbilder, nur sachliche Informationen zu Beben und Tsunamiwarnung.“

– folgt unvermittelt der Satz: „Und doch konnten all die Vorkehrungen eine Katastrophe nicht verhindern.“

No shit! Es stellt sich schon die Frage, wer denn einen entsprechenden Anspruch an das Frühwarnsystem stellt (und wie genau dieses funktionieren soll – ich bin ja kein Ingenieur, aber eine Flutverbotszone stelle ich mir in der Umsetzung schwierig vor). Bojanowski weiss zumindest eines schon: Dass die Japaner schon morgen der Technlogie misstrauen werden: „Das Desaster dürfte das Vertrauen der Japaner in ihre Sicherheitstechnologie erschüttert haben.“ Diese These ist interessant und gewagt, und wurde dementsprechend in den Teaser aufgenommen. Es ist im Grunde die Kernthese des Artikels. Insofern war ich nun gespannt, wie Bojanowski dies begründet.

Allein: Die Begründung bleibt aus. Der Artikel fährt fort mit Beispielen, welche Lehren man in Japan aus den vergangenen Jahren gezogen hat und wie diese nun greifen. Auch wenn Japan mit kurzen Vorwarnzeiten kämpft (was da auch jeder weiss), muss Bojanowski eingestehen: „Auch die Tsunamiswarnung der Japaner hat sich nun wieder bewährt.“

Der Artikel schließt mit einigen Relativierungen, da das Frühwarnsystem in anderen Pazifikregionen in den vergangenen Jahren nicht immer zuverlässig war, kann aber die These, dass das Tsunami-Monster Japans „Top-Technologie bezwungen“ (Herrgott!) hat, nicht weiter stärken.

Ich hätte da jedoch eine These anzubieten, weswegen Menschen Frühwarnsysteme auch in Zukunft für rausgeschmissenes Geld halten werden:


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