Der Wolf

Ich habe die Originalgeschichte auf soup.io gefunden, genauer gesagt hier, und mir den Spaß erlaubt, sie kurz zu übersetzen. Die Geschichte vom Jungen und dem Wolf ist bekannt, in dieser Synopsis gibt es aber ein paar Gedanken, die ich bemerkenswert finde, weswegen ich das an dieser Stelle festhalten möchte. Was folgt, ist also nicht mein Werk:

*****

Vor 2600 Jahren wurde eine Fabel geschrieben und von Generationen gelesen, und niemand hat sie verstanden.

Der Junge rief, Wolf! und die Dorfbewohner kamen, aber da war kein Wolf. Und der Junge lachte, über seinen Spaß und ihre Leichtgläubigkeit. Er tat es noch ein zweites mal mit dem gleichen Ergebnis; und ein drittes mal, jedes mal erfreute es ihn mehr.

Aber beim nächsten mal war es kein Spaß, es kam tatsächlich ein Wolf. Er tötete einen Großteil der Schafherde und beinahe auch ihn. Wolf! Wolf! Aber es kam keiner, natürlich, er hat es einfach übertrieben.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er noch die Wahrheit spricht.

II.

Der Winter kam, und die Dorfbewohner froren und waren hungrig, und viele starben, denn es gab keine Schafe. Ein alter Mann aus einem anderen Dorf schüttelte seinen Kopf: Warum wurde eine solch wichtige Aufgabe zur Sicherung ihres Überlebens einem Jungen anvertraut? Was habt ihr von einem Kind erwartet?

Aber wir sind selber noch fast Kinder, merkte einer der Männer an. Wir haben keinen großen Unterschied bemerkt.

Und warum habt ihr ihm noch nach der ersten Lüge vertraut? Oder der zweiten? Offensichtlich hat er den Job nicht ernstgenommen. Wenn ihr seinen Rufen nicht vertraut habt, warum habt ihr ihm dann die Herde anvertraut? „Aber wir hatten anderes zu tun.“

Vielleicht wusstet ihr, dass Wölfe kommen würden, es gab keine Möglichkeit, sie aufzuhalten; und anstatt es zu versuchen, wolltet ihr nicht diejenigen sein, die verantwortlich sind.

Oder vielleicht dachtet ihr, weil er wegen dem Wolf gelogen hat, dass es so etwas wie Wölfe überhaupt nicht gibt. Nicht: er log, weil es keine Wölfe gibt. Weil er gelogen hat, gibt es keine Wölfe.

Abgesehen von dem einzelnen Jungen, den ihr allein auf das Feld gelassen habt, um eine Arbeit zu tun, die ihr ihm nicht zutraut, was für ein Warnsignal habt ihr erwartet?

Der Junge wurde groß, verbittert wegen der Abneigung der Dorfbewohner gegen ihn; was hat er falsch gemacht? Er hat sie gerufen und sie kamen nicht. Sie haben ihm gesagt, sie würden kommen. Sie haben gelogen. Und, Kinder die sie sind, haben sie keine Verantwortung übernommen – sie haben versucht, ihm die Schuld zu geben.

Die Erwachsenen im Dorf haben versagt, es ist alleine ihre Schuld. Wölfe existieren, man setzt ihnen keinen Jungen vor. Und wenn man dem Jungen nicht vertraut, sucht man sich jemanden, bei dem man es tut.

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2 Antworten zu Der Wolf

  1. personaldebatte schreibt:

    Ich finde das sehr gut übersetzt und in der Tat interessant. Auch wenn ich nach deinem Tweet dazu dachte, das hat jetzt bestimmt was mit „Oh Shit, Frau Schmidt“ zu tun.

  2. Sebastian schreibt:

    Gibt’s doch garnicht!

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