Back again, Teil 2

Nun lagen die ersten ca. 24 Stunden der Reise hinter uns und schon war alle Planung, jeder gute Vorsatz auch wirklich alles mit dem Fahrrad zu bewältigen, dahin. Die Laune irgendwie auch.
Doch wie schon geschildert, wurde „Wir werden sehen“ quasi mein Leitsatz, wenn es mir auch nicht ungedingt immer anzumerken war. Ich bin nun einmal ein Pessimist, aber Einsicht ist der Anfang jeder Wandlung.

Nun hatte mein neuer Leitsatz hier auf jedenfall recht, denn HÄTTEN wir nicht durch den Regen unsere Fahrradtour verkürzt, WÄREN wir nicht früher zu F. nach Hause gefahren und HÄTTEN dann folglich auch nicht das tun können, was wir auf diese Weise tun konnten.
So aber waren wir schon um 13 Uhr bei F. , in der frisch bezogenenen, noch unfertigen Wohnung, da mit Umzugskartons vollgestellt. Und wir, plötzlich Zeit in Massen, lediglich Schmerz in den ungeübten Beinen, der sie zu zerreissen schien, Minute für Minute immer wieder erneut, machten uns eben über diese her. Auf der Suche nach Gläsern und nem biss´l was zum kultivierten Tafeln (zwei Teller, Besteck,…; auch zwei Schüsseln für das Frühstück wären nett) fühlten wir uns wie an Weihnachten, denn bei so manchem Paket, hevorgezaubert zwischen Kleidung und Büromaterial, war nicht mehr so ganz klar, was sich hinter dicken Schichten aus Zeitungspapier verborgen hält.

„Hui, schau, ich hab ein Glas“
„Klasse. Was hab ich? Was hab ich?… oooooooooh, nur einen Eierbecher“

Am Ende stand ein Berg von durchmischter Ware vor uns und es war, als würden wir die Küche neu entdecken.
Wir spülten, trockneten ab, um schließlich in liebevoller Kleinarbeit zwei Fertiggerichte in den Backofen zu schieben und liessen so diesen „Wir werden sehen“-doch-noch-gelungenen Tag ausklingen.

Ab Mittwoch dann nahm unsere Tour ein wenig die Gestalt einer Städtereise an, auch wenn unser geplanter Zwischenstopp in Mannheim ausfiel. Aber auch so folgte eins auf´s andere und es gab einiges zu sehen:

Mittwoch mittag: Frankfurt am Main
Mittwoch abend bis Donnerstag abend: Mainz
Donnerstag abend bis Samstag morgen: wieder an der Basis

(Grundlage der Karte: Google maps)

In Frankfurt die Erkenntnis, dass es hier nicht nur Hochhäuser gibt. Nein, auch eine Altstadt und einen Dom. Eben in diesem waren wir dann auch, nachdem wir uns mit F.s Schwester zum Bummel durch die Altstadt getroffen und uns schon wieder verabschiedet hatten. Sehr faszinierend, so möchte ich an dieser Stelle noch einflechten, war es für mich zu erleben, welch Faszination doch Handtaschen auf einen ausüben können. Zu dritt gingn wir in einen Laden, du dritt mit zwei Handtaschen, und mit fünf kamen wir wieder raus. Wirklich spannend.
Auf jeden Fall waren wir dann noch im Dom, davor jedoch in einer Kirche, was den Dom erst interessant machte, da sie dem Anschauen desselben ein Ziel gab. Denn in der Kirche entdeckte ich zwei in Stein gehauene, lebensgroße, mich an Ritter erinnernde Typen auf Hunden stehen, die ebenfalls in Stein gehauen waren. Außerdem hatte der eine ein Gebäude in der Hand. Ich fragte mich, was das soll und ging zu dem Aufsicht habenden Kirchenmenschen, der daraufhin in seinen Unterlagen kruschtelte. De facto konnte er mir sagen, dass das Haus die Kirche selbst und der Halter der Stifter derselben darstelle, was damals durchaus üblich war. Außerdem seien die Hunde Löwen, wobei er mir bei dem einen Recht gäbe, denn der sähe wirklich aus wie ein Hund.
Im Dom, auf Mission den Stifter zu finden, entdeckte ich keinen mit Kirche in Händen, dafür rief mich F. zu sich, im Schlepptau das Wissen über noch mehr Hunde, bzw. besser wohl Löwen.
Herkunft des Bildes: Wikipedia

An einer anderen Stelle im Dom war jedoch ganz sicher ein Hund.

Abends dann in Mainz hundert Jahre latschen mit Gepäck, bis wir endlich in dem Haus ankamen, in der wir gedachten zu nächtigen. Grund für diese Aktion: die Buchung lies sich nicht mehr stornieren und warum alles bezahlen ohne dort zu sein, wenn es auch anders geht? Echt schwäbisch halt. Ja nix verkomme lasse…

Jedoch mussten wir uns dieses Lager dann auch ohne Fahrrad noch hart verdienen, denn vom Bahnhof zur Pension, hey, es war sogar ein Hotel, mussten wir dann eben laufen, und, doppelhey, es hat sogar mal nicht geregnet, sondern, oh wunder, die Sonne schien. Wir rissen uns quasi fast die Jacken vom Leib, denn kaum waren die Wolken fort, war es warm.
Endlich beim Hotel angelangt, stellten wir fest, dass es wirklich hübsch aussieht, mit seiner Fasade. Schnell hinein, dachten wir uns, immerhin schon fast acht, damit wir auch noch jemanden erwischen. An der Rezeption war dann jedoch auch schon keiner mehr. Ich wollte schon weiter gehen und nach einem Menschen suchen, der uns unser Zimmer übergeben kann, da entdeckte F. den Schlüssel an der Türe. Er hing ganz oben links mit Infozettel und Tesafilm festgeklebt. So erfuhren wir auch gleich wo unser Zimmer liegt und wo es frühstück gibt. Schön unkompliziert.

Das Zimmer dann selbst war auf jeden Fall ganz eng und klein.
Wie Hotel?
Da war die Pension vorgestern aber größer, auch mit eigenem Bad. Hier nur Etage.
Egal, passt schon, weil dafür schönere Möbel und ein hundert Jahre altes Radio. Empfängt zwar nichts mehr richtig, aber bekommt Antikheitsbonus oder so ähnlich.
Na ja, wohl gefühlt haben wir uns schon, außerdem ja Sonnenschein, also ab zum Rhein und Main, weil der floss direkt, oder fast direkt, uns gegenüber da hinein.

F. geht schon runter, ich folge, soll ich meine Jacke mit nehmen? Nein, Schirm reicht…
Bis ich da bin, schon wieder Tropfen.
„Toll… Ich hol doch meine Jacke“
Bis ich wieder da bin, fällt voll viel.
„Toll… ich hab aber hunger. Wir suchen zumindest ein Restaurant… Dann halt morgen der Rhein“
Bis wir ums Haus sind, gießt es. Wir schauen genau eine Speisekarte an, dann Rückzug.

Drei Sekunden später sitzen wir im hotel-eigenen Einliegerrestaurant: Eine Bar mit kubanischem Thema, sehr interessant. Zu erst lief auch noch kubanische Musik, bzw. identifizierte ich sie als diese, was vielleicht nicht unbedingt zutreffen muss.
Etwas später folgte dann leider Allgemeinpop, aber die Dekoration der Räumlichkeiten war allein so genial, dass es mehr als die Musik gebraucht hätte, um die besondere Atmosphäre zu vertreiben. Genau in dieser Deko lag das Spannende. Gestellte Fotos, jedoch nur halb. Eben so, dass der Betrachter nach der Begebenheit hinter dem Bild suchen kann, nach den Beziehungen zwischen den Akteuren, zwischen Fotograph und Motiv. Kinder auf einer kubanischen Straße, die in die Kamera grinsen, ein älterer Mann, der mit ernstem, mit tiefen Falten durchzogenen Gesicht unter seinem Hut hervor schaut,…
Keine Stars Schulter an Schulter mit dem Restaurantbesitzer.
Darüber hinaus Fotos von Gebäuden. Gebäuden, die am zerfallen sind. Wer hängt schon Fotos von Gebäuden auf, die quasi brechen? Also nicht so richtig, sondern so ein bisschen, so dass der Putz runter rieselt und man sieht, dass das Gebäude nicht instand gehalten wird.
Die Schönheit ist trotzdem ersichtlich, aber eben anders. Schlecht zu beschreiben und sicher auch nicht für jeden so wahrnehmbar. Aber Interessant.
Dazwischen Zeichnungen, dahinter ein auf die Mauer gemalter Himmel, blau mit Wolken. Dazu Specials wie zum Beispiel ein Oberkörper, so geformt, dass er die Arme zum Himmel gestreckt sind. Er sieht auf die Gäste hernieder, an diesem Abend auf uns, in ein weißes Gewand gehüllt mit passender weißer turban-ähnlicher Kopfinstaltion. Welche Geschichte steckt hier dahinter?
Die unsrige ist jedenfalls, passend zu „Wir werden sehen“, dank des Wassers in diese Räume gelenkt worden. Darüber waren wir wirklich happy. Außerdem fiel so der Heimweg weg. Wir brauchten nur die Treppe hoch, hatten wir doch immerhin das reichhaltige Cocktailangebot unter die Lupe genommen.

Dann nach einem Besuch beim Guttenberg-Museum, davon unabhängigen Magenschmerzen und einem weiteren Kirchenbesuch (wieder kein Stifter, aber dafür nochmals Hunde), hieß es back to Basis.

Als wir schließlich am Samstag die Fahrräder aus dem Keller zogen, zurück ans Licht holten, musste F. tatsächlich eine erste Spinnwebe wegwischen.
Aber auf dem Weg zu Bahnhof eroberten wir uns den eigentlichen Zweck unseres gemeinsamen Urlaubs zurück: Es ging entlang am Main, schön Sicht aufs Wasser, so wie es sein soll.
Kurze Zeit danach Ankunft am Hbf. Ich fahre, sie bleibt. Verabschiedung bei inzwischen wundervollem Wetter.

„Irgendwie ist es als würde die Sonne uns auslachen“

Ich kann getrost zurück lachen.

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2 Antworten zu Back again, Teil 2

  1. MuGo schreibt:

    Darf ich annehmen, dass du vor betreten des Ladens null und nach verlassen des Ladens ebenfalls null Handtaschen dabei hattest?

  2. Steffi schreibt:

    Doch, ich hab mir auch eine gekauft.
    Stimmt, das kommt nicht so ganz raus, aber mein eigenener Kauf ist der Grund, warum ich den Punkt des Handtaschen-Ladens überhaupt mit rein genommen habe.

    Dieser Kauf ist deshalb so bemerkenswert für mich, weil das nun die zweite Handtasche ist, die ich besitze, wobei ich die erste nicht selbst erstanden, sondern mal zum Geburtstag geschenkt bekam.

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