„Die Klinge des Schwertes“ (oha)

Die Überschrift dieses Eintrags ist der unheilvollen Aufforderung „Ich habe Lust zu bloggen, gib mir mal ein Thema vor!“ geschuldet, und da sitze ich nun. Immerhin, einleiten lässt sich das ganze leicht, denn „Die Klinge des Schwertes“ ist eine Wortfolge aus dem Buch Riptide, über das ich bereits geschrieben habe, es ist nun in Steffis Hände gefallen und da sie nicht beim Lesen gestört werden mochte, las sie eben diese vor.

Aber wenn wir schon bei Büchern sind, bleiben wir doch dabei. Gestern erstand ich Debilenmilch, die gewollte Habilitationsschrift des österreichischen Humoristenduos Stermann & Grissemann. By the way, weiss man nicht so recht, ob es nun Habilitationsschrift oder Habitilationsschrift heisst, man ist ja nicht studiert, oder gar habilitiert, und schaut bei Google nach (Google immer erste Anlaufstelle, egal bei was), so schlägt einem die Seite außerdem in der Preview das arabische habibi vor, das habe ich schon einmal als Überschrift für eine schöne Anekdote und Liebeserklärung verwandt, siehe hier. Um aber auf Stermann & Grissemann und Debilenmilch zurückzukommen: Ich erstand dieses merkwürdig breitformatige Buch (HD?) im Rahmen eines Bühnenauftritts der beiden, die um das „youtube-Wunder“ Die deutsche Kochschau gestrickt und insgesamt sehr großartig war. Knapp 3 Stunden knallhart österreichischer Lebenshass, von übel-zotig und schlimm bis pervers tiefsinnig und nachdenklich (Analfisteln etc.). Zum Buch kam ich, weil potentielle Käufer auf die Bühne gebeten wurden und sich original 5 Minuten überhaupt niemand traute und der erste dann kein Geld dabei hatte. Da wollte ich auch einmal im Leben impulsiv sein und bin auf die Bühne, als insgesamt dritter wurde ich mit ein wenig Restapplaus bedacht und dann kam auch der traurige Rest. Ob das Buch jetzt gut ist, kann ich nicht sagen, der Leseteil nahm nur noch 20 Minuten vom Gesamtprogramm ein, aber

lesen muss ich ja zunächst den Homo faber. Das habe ich schon einmal gelesen, als ich bereits 2003 versuchte, die Fachhoschulreife zu erlangen. Damals gab es eine 1, sollte zu schaffen sein. Alternativ kann ich auf Das Leben des Galilei zurückgreifen (nicht wörtlich, da tot), auch das habe ich bereits gelesen, 2000, da habe ich die mittlere Reife gemacht, gab auch eine 1. Beste Voraussetzungen, sollte man meinen, aber die Erde dreht sich eben doch (hihi) weiter und was weiss man schon, wie heute der Stand in der Interpretationsforschung ist. Sowieso: 2000 mittlere Reife, 2003 gescheitert, jetzt ist es 2010, was ist da eigentlich los? Wie alt bin ich jetzt? Kann das wirklich hinkommen? Wenn das Alter stimmt, das wäre eine Katastrophe. „Wie ich’s rechnete, weiß ich nicht, ich legte mir die Daten zurecht, bis die Rechnung wirklich stimmte, die Rechnung als solche.“ Ein Buch, das keiner zweimal lesen müssen sollte.

Ein ganz anderes Buch, auf das ich schon lange einmal zu sprechen kommen wollte, ist dies: Das Totenschiff von B. Traven. Eine tolle Geschichte steckt dahinter. Traven ist das Pseudonym des Schriftstellers, dessen wahre Identität nie gänzlich geklärt wurde, jedoch vermutet ein Zweig der Herkunftsforschung eine Abstammung aus dem nördlichen Raum, unter anderem der Name Traven weist auf den Fluss Trave hin, der bei Lübeck liegt, und bei Lübeck lag ich schließlich auch 24 Jahre, und deswegen wurde es mir geschenkt. Eine schöne Idee.
Und das Buch ist nicht minder schön, es ist im besten Sinne „Arbeiterliteratur“ (Traven war einer der Akteure der kurzleben Münchner Räterepublik, die ja unabhängig von der gescheiterten Idee auch andere Große hervorbrachte, Erich Mühsam z. B.).

Traven erzählt „die Geschichte eines amerikanischen Seemanns“, der zwischen den Kriegen als staatenloser endet und so in die Mühlen der Behörden gerät, die ihn alle aus ihren jeweiligen Ländern jagen, so dass ihm nichts übrig bleibt als auf den heruntergekommensten Schiffen anzuheuern, bzw. geshanghait zu werden. Es wird eine einfache Geschichte erzählt, jedoch mit einer enormen Wucht und der Ich-Erzähler wird mit einer klaren Haltung versehen, die die Situation der arbeitenden Bevölkerung in dieser Zeit nicht nur beschreibt, sondern auch analysiert und am Ende (natürlich) verurteilt.

Natürlich kann ich hier arbeiten. Da arbeiten ja auch andere. Das sehe ich mit eignen Augen. Was ein andrer kann, das kann ich auch. Der Nachahmungstrieb des Menschen macht Helden und macht Sklaven. Wenn der nicht an den Peitschenhieben stirbt, dann werde ich sie wohl auch überleben können. „Siehst du, der da, der geht direkt drauflos, auf das Maschinengewehrfeuer. Donnerwetter nochmal, das ist ein Kerl, verflucht noch mal, vor dem muß man Achtung haben, das ist ein Kerl, der hat Mumm in den Knochen.“ Natürlich kann ich das auch. So geht der Krieg voran, und so fahren die Totenschiffe, alles nach dem selben Rezept. Die Menschen haben nur eine Schablone, nach der sie alles machen; das geht so glatt, daß sie ihr Hirn gar nicht anzustrengen brauchen, um ein andres Rezept auszudenken. Man geht nichts lieber als ausgetretene Pfade. Da fühlt man sich so schön sicher. Der Nachahmungstrieb ist schuld daran, daß die Menschheit innerhalb der letzten sechstausend Jahre keine wahren Fortschritte gemacht hat, sondern trotz Radio, Television, Atomspaltung und Fliegerei in der selben Barbarei lebt wie am Anfang der europäischen Periode. So hat es der Vater gemacht, und so hat es der Sohn nachzumachen. Schluß. Was für mich, den Vater, gut genug war, wird für dich, du Rotznase, wohl erst recht gut genug sein. Die heilige Konstitution, die für George Washingteon und die Revolutionskämpfer gut genug war, ist erst recht gut genug für uns. Und die Konstitution ist gut, denn sie hat hundertfünfzig Jahre schon ausgehalten. Aber auch die Konstitutionen, die einmal junges feuriges Blut in den Adern hatten, leiden mit der Zeit an Adernverkalkung. Die beste Religion ist eines Tages heidnischer Aberglaube, und keine Religion macht hiervon eine Ausnahme. Allein das, was anders gemacht wurde als bisher, allein das, was unter Protest der Väter, Päpste, Heiligen und Verantwortlichen anders gedacht wurde, hat der Menschheit neue Ausblicke verschafft und ihr den Glauben gegeben, daß eines fernen Tages vielleicht doch ein Fortschreiten wird beobachtet werden können. Dieser ferne Tag wird in Sicht sein, sobald die Menschen nicht mehr an Institutionen glauben, nicht an Autoritäten und nicht an eine Religion, welchen Namen man ihr auch immer geben mag…

Dem kann man zustimmen oder es eben bleiben lassen, Wucht hat es allemal.

——

Für entspannenderes Plaisier sorgt seit einiger Zeit eine Xbox 360, die ich geschenkt bekam, die hat zwar kein HDMI und was weiss ich, aber das täte meinem 25 Jahre alten Fernseher auch kein Gefallen. Es spielt sich trotzdem schön und worüber der informierte Zocker schon vor 5 Jahren staunte, kommt nun auch bei mir an: dank Vernetzung ans, wer hätt’s gedacht, Netzwerk kann ich nun TV-Aufnahmen, die ich auf dem PC habe, am Fernseher genießen, der Film wandert erst vom Wohn- ins Schlafzimmer und dann wieder zürück, verrückt ist das, und es wird noch verrückter. Da hat man sein Xbox Live-Konto und eben dieses kann man, wie alles, aber ich wiederhole mich, mit Facebook verknüpfen und Erfolge, so man denn welche feiert, dort posten. Und Twitter kann man auch verbinden. Das ist für viele wohl nicht neu, aber ich halte es schlicht für Wahnsinn. (In der Realität scheitert es im Moment aber noch einer Kontokonfusion (schönes Wort), da habe ich jetzt zwei, und das, welches ich nicht nutzen möchte, ist mit allem verbunden und lässt die einmonatige Goldmembership verrotten.)

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2 Antworten zu „Die Klinge des Schwertes“ (oha)

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  2. Amenogold schreibt:

    Schade dass Grissemann & Stermann im deutschen TV so stiefmütterlich behandelt werden, deshalb hier die drei nächsten Sendetermin in 3SAT: 22.04. 0:25 Uhr, 29.04. 0:20 Uhr und 06.05. um 0:30 Uhr. Also unbedingt anschauen oder einprogrammieren.

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