Grußwort zur Nacht gegen Winterende

Hallo liebende Medieninteressierte,

das war doch ein sehr schöner Blogeintrag meiner lieben Partnerin. Viel zu selten wird hier von anderen Menschen außer mir gebloggt, dabei verstehe ich dieses Blog als Hort der Freiheit und Asyl all derer, die viel zu sagen, aber wenig Lust auf ein eigenes Refugium des Geistreichtums haben. Hort, Asyl, Refugium, alles Wörter, die ich gern habe, versprühen sie doch eine gewisse Heimeligkeit.
Unangenehm fällt mir auf, dass ich in letzter Zeit sehr viel in anderer Leute Kommentarfelder schreibe und mich dort über mich selbst auslasse. Warum ist das so? Ich könnte das doch hier tun, das stört niemanden und wirkt nicht gar so aufdringlich. Stattdessen verwaist das Blog hier zusehends. Traurig.
Schuld ist wie immer Helene Hegemann. Ja, auch hier soll dieser Name einmal gefallen sein. Auch Twitter ist Schuld, aber das habe ich hier bereits zur Genüge ausgeführt, außerdem geht es jedem so, die geilen Ideen werden dort verbraten, von Blogs, die noch 2006 heisser Scheiss waren, redet niemand mehr.

Zeitungen gehen auch nicht mehr, was las ich gestern in der Böblinger Zeitung, und zwar auf der Titelseite? Das hier:

Titelseite!

Was hat der Industriellensohn (29) noch auf Lager? Sex, massenweise. Kirsten Dunst, die im Schulmädchen-Cosplaykostüm durch’s Tokioter Cyberpunkviertel Akihabara scharwänzelt? Pädophilenträume werden wahr, das Internet macht es möglich. Rule 34.

Und was hatte der Winter uns nicht in seinen Fängen, was? Mein Demoaufruf „Stuttgart hitzefrei“ bekam erschreckend wenig Resonanz. So etwas schimpft sich Demokratie! Ich sage: Demokratur! Teuro! EU-Wahnsinn! Aber es ist fast geschafft, die beiden Tiefdruckgebiete, die uns von Osten und Westen in die Mangel nehmen, werden sich bald zurückziehen, wenn die deutsche Wunderwaffe erst fertiggestellt ist. Höchstens noch bis April, dann scheint die Sonne auch wieder für uns.

Dann gab es noch Google-Buzz. Auch ein Wahnsinn. Über folgendes nachdenken: Google – Buzz – Buzz Aldrin – Mond – Erde – Google Earth. So schließt sich ein Kreis. Geht weiter: Es hieß (ist aber zweifelhat), die Chinesische Mauer ist das einzige Bauwerk, das man vom Mond aus sehen kann. Was kann man dann von Google Earth aus sehen? Die „Chinese Firewall“? Gedanken sind das wieder. Hier hängt zusammen, was nicht zusammengehört.

Was abgebrochen gehört ist aber nicht die Chinesische Mauer, sondern die Literatur von „Und übrigens, noch etwas“, Eoin (aussprechen!) Colfers Fortsetzung des Anhalters, der fünfteiligen Romantrilogie von Douglas Adams. Sollte man meinen, sowas geht nicht, das eine Romanreihe fortgesetzt wird, nachdem der Autor gestorben ist. Geht aber leider doch. Das Buch ist nicht unbedingt schlecht, es ist… harmlos (größtenteils). Es ist auch ganz amüsant. Aber der Anhalter wurde nicht zum kulturellen Phänomen, weil er amüsant war. Colfer beschränkt sich darauf, Douglas alte Hits wiederzukäuen und sich dazu noch neue galaktische Völker auszudenken, die irgendwie witzig sind und diese in tausenden von „Anmerkungen“ einzuschieben. Und mehr kommt da wohl auch nicht mehr. „Ein Ärgernis“, wie das Spiegel Online Feuilleton zu recht sagen würde.

Und noch eine Kurzkritik: Hangover. Die Komödie wurde von vielen Menschen für schlecht befunden und das auch völlig zu recht, aber aus den falschen Gründen. Es wurde moniert, dass der Film in seinem Kern sehr spießig daherkommt, letztendlich dazu da ist, die Ehe zu feiern und hier und da Homowitze einzustreuen (die ich nicht gefunden habe). Aber das alles wäre mir egal, und ich bin auch ein großer Fan der platten Komödie und grundsätzlich solchen Filmen sehr zugetan. Nur verhält es sich so, dass dieses Werk größtabsurd beginnt und sich dann vorarbeitet, in dem es Erklärungen liefert, die möglichst witzfrei sind. Beispiel: keiner der Protagonisten kann sich am morgen nach einer durchfeierten Nacht an etwas erinnern, irgendwann in einem schlichten Dialog wird erklärt, dass einer der Männer den anderen Drogen verabreicht hat, von denen er dachte, dass es Ecstasypillen seien, es sich aber wohl um Roofies handelte. Da ist keine weitere Geschichte hinter, das ist dann alles. So geht es weiter, bis sich irgendwann jedes Rätsel in Wohlgefallen aufgelöst hat. Es finden darüberhinaus keine witzigen Dialoge oder Szenen statt. Es ist schlicht keine Komödie.
Und dann sieht man sich noch einmal Ey Mann, wo ist mein Auto an: zwei Jungs wachen auf und wissen nichts mehr. Es ist alles halbwegs normal, außer dass ihr Kühlschrank voller Pudding und das Auto weg ist. Im Laufe der Zeit steigert der Film sich ins immer absurdere, bis sie es irgendwann mit Aliens zu tun haben, eine Wendung, die absolut unvorhersehbar ist, just to fuck with the audience. Ey Mann, wo ist mein Auto ist zu recht ein Klassiker! Mit dieser Produktinformation möchte ich mich verabschieden,

Eure Cora E.

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5 Antworten zu Grußwort zur Nacht gegen Winterende

  1. MuGo schreibt:

    Wiewohl ich den Klassiker „Ey Mann, wo ist mein Auto!?“ natürlich nicht mit Hangover vergleichen kann, so möchte ich doch eine Lanze für Hangover brechen: Wenn schon kein Meisterwerk, so ist es doch eine kurzweilige Unterhaltung.

    Darüber hinaus erfreut es mich natürlich, mal wieder den Namen Cora E. zu lesen. Als Nachgeborener stelle ich ja immer wieder mit Erschrecken fest, dass das Internet alles ignoriert, was vor 1995 war und es schlicht unmöglich ist, sich irgendwo Musik von den ersten deutschen Rappern, sei es in MP3- oder in einem ominösen Video-Format, zu besorgen. Ich habe bisher nur einmal ein Lied von Cora E. gehört und würde das gerne einmal ausbauen.

    Und zu guter Letzt: Twitter nervt und hat keine Zukunft! Facebook kann alles, was Twitter auch kann und darüber hinaus kann man dort sog. „Social Games“ spielen – was will 40jährige Hausfrau aus Castrop-Rauxel mehr? Twitter ist dagegen was für elitäre Apple-Fags. Da Apple in ein paar Jahren so beliebt sein wird, dass die wirklich coolen Leute auf was anderes umsteigen (man will ja nicht benutzen, was der dumpfe Spießer auch benutzt), wird Twitter an chronischem Nachwuchsmangel zu Grunde gehen. Darüber hinaus ist es doch ein Armutszeugnis, wenn wirklich begabte Leute es schaffen, ihre Ideen so zusammenzudampfen, dass sie in 160 Zeichen passen. Früher hat man seine Ideen mal ausgewalzt und daraus Bücher geschrieben (z.B. Faust, Die Blechtrommel, Das Johannes-Evangelium o.ä.)! Da hat man wesentlich mehr von als von „@fuchsibaer: LOL!“…

    Also liebe Twitter-Nutzer: Wenn ihr in der Lage wart, gute Blog-Posts zu schreiben: Kommt wieder zurück zu euren Blogs und lasst Twitter lieber heute als morgen sterben! Die SMS-Generation kann ja gerne weiterhin da rumstreifen, aber ich will wieder mehr socualissuesandstuff!

    So weit mein Wort zum Sonntag…

  2. Sebastian schreibt:

    Von Cora E. gibt es einiges bei youtube. Deswegen kam ich ja überhaupt erst drauf, weil da gerade Schlüsselkind lief (den Song an sich muss man nicht kennen, die Hookline wurde ja ca. 2000 mal in anderen Werken gesampelt). Meine Samstagabendunterhaltung besteht ja im Wesentlichen darin, bei youtube „verarsche“ einzugeben, dann landet man früher oder später auch immer bei altem deutschen Hip Hop.

    Die Social Games habe ich eine sehr kurze Weile mitgemacht. Nach einer Woche Farmville habe ich gemerkt, dass ich auf dem Feld rumscrollen kann und dann war mir das schon wieder zu groß, und wenn man was erreichen will muss man seine Kumpels nerven. Lieber nicht. Aber Twitter kann man mit Facebook connecten, man kann überhaupt alles mit Facebook connecten. Mach ’nen Facebook-Button drauf und ich bin dabei, egal um was es geht.

  3. MuGo schreibt:

    Ah, danke – vor zwei Jahren war YouTube noch schlechter bestückt!

    Aber es ist schon erschreckend, dass Sabrina Setlur ja wirklich eine eins-zu-eins Kopie darstellt. Wohl das einzige Mal, dass Kiel Frankfurt einen Trend aufgedrückt hat. Naja, kann mir ja egal sein, denn ich halte es mit Kazoo: „Rap ist nicht meine Welt!“

    Außer K.I.Z und Panik, Koljah & NMZS – die sind tighter shit!

  4. MuGo schreibt:

    P.S: Glückwunsch zum 500. Post!

  5. Sebastian schreibt:

    Oh, vielen Dank. Das ging an mir vorbei.

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