Das Tage*uc* der Anne Frank

Manchen, zum Beispiel ihm hier, muss man es ja mit dem Maststab reindrücken, den nationalsozialistischen Wahnsinn, anders verstehen sie es ja nicht. Sie versuchen, die Ermordung zig Millionen Menschen, den Hass und all die Irrlehren in großpolitische Strukturen hochzujazzen, um ihre Welt- und Wertvorstellungen vom menschlichen Schicksal zu entkoppeln, sie sprechen zwar von großjüdischen Verschwörungen, würden sich aber nie mit einzelnen Schicksalen befassen, weil sie es dann ja raffen könnten.
Deswegen ist eines der wichtigsten Werke zur Holocaustgeschichte Das Tagebuch der Anne Frank, weil es die Unmenschlichkeit dieser Zeit herunterbricht auf einen einzigen Menschen, ein junges Mädchen mit all seinen Gefühlen, Fehlern, dem, was man Leben nennt oder dem, was man ihm davon gelassen hat. Es fand eben diese Verbreitung, weil es das pure Menschsein zeigt.

Wäre es dann nicht absurd, Teile dieses Buches zu zensieren, weil sie Aspekte des Lebens zeigen, die essentiell sind, die gerade in der Pubertät so prägend sind, mit denen sich jeder Mensch sofort identifizieren kann und so eien Grundlage zur Nachvollziehbarkeit schaffen, die dieses Buch so bedrückend machen? Ja, das wäre es wohl.

Das Tagebuch der Anne Frank wird in öffentlichen Schulen im US-Bezirk Culpeper County nicht mehr in seiner ursprünglichen Form gelesen werden. Begründung: Das Buch beinhalte Themen aus dem Sexualbereich, Eltern hatten sich beschwert. Nicht das erste Mal, dass sich US-Schulen gegen das Tagebuch wenden.

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8 Antworten zu Das Tage*uc* der Anne Frank

  1. Dennis schreibt:

    Die Amis lernen den 2.Weltkrieg in Videospielen kennen, reicht das nicht?

    Im übrigen traue ich denen nicht im Ansatz zu, das das Tagebuch mit entsprechendem Feingefühl gelesen wird. Wundert mich überhaupt, das es dort als Schullektüre genutzt wird.

    Was die Abänderungen betrifft: Die essen auch Margarine aus Erdöl…

  2. Sebastian schreibt:

    Tja, da wundert man sich, aber auch da kann man ja mal wieder fragen, warum. Solche Geschichten wie oben laden eben zu einheitlichen Weltbildern ein, aber für jede religiöse empörte Mutter, die peinliche Schilder in die Luft hält, haben wir hier eben rappende Nazis aus der Uckermark (mal den Link ganz oben angeklickt? herrlich!).
    Falls dein Nintendo-englisch noch nicht eingerostet ist, empfehle ich die tägliche Dosis Daily Show, da ist man auch immer fassunglos, was für Leute rumrennen. Aber eben auch: sie werden in einer US-Sendung vorgeführt, die von äußerst klugen Menschen gemacht wird, und da läuft auf Comedy Central eine Show, die bessere Medienanalysen liefert als alles, was wir hier haben (und x-mal besser ist als die mittlerweile auch sehr müde heute show).
    Muss man alles differenziert sehen.
    (Nur die Küche dort ist ganz objektiv furchtbar, I give you that…)

  3. Dennis schreibt:

    Die Links schaue ich mir morgen an (Winterdienst), die allgemeinen Weltbilder kommen aber nicht von irgendwoher…

    Die klugen Menschen wissen, das man das gemeine Volk eigentlich nur hinhalten muss. Am einfachsten haben es die Schurkenstaaten….

    Themen wie deinen Blog halte ich für einen Staat wie die USA erbärmlich – aber passend.

    Gute Nacht.

    Und nachträglich: Glückwunsch zum Geburtstag! Auch das (für mich: ) erbärmlich!

  4. Sebastian schreibt:

    Ist doch schön, wenn Familientraditionen gepflegt werden 🙂

  5. Otter mit Schal schreibt:

    Und das kommt aus einem Land, das sich nicht schämt Bilder von grinsenden Soldaten neben gefolterten Häftlingen zu zeigen (damals Guatanano). Ich mag jetzt keine Diskussion über das Für und Wider des Camps usw. vom Zaun brechen, doch lediglich als Beispiel. So was sollen sich Kinder ansehen, doch das Buch lesen sollen sie nicht?! *kopfschüttel*
    Wir haben uns früher in der Schule gegen das Tagebuch gewehrt, weil ein Lehrer es als einziges Zeitdokument gelten lassen wollte und das letztlich ähnlich krank ist wie zu sagen es sei unwichtig. (Wir wollten Amery, Klemper, Ausländer, Arendt, Reich-Ranicki und Canetti lesen.) Es im Unterricht zu verbieten, gleich ob in den USA oder anderswo, finde ich jedoch krank.

  6. Miki schreibt:

    Anne woll’n se nicht – aber dafür gabs an meiner HighSchool in den 90ern „Mein K*mpf“ gleich in fünf Ausgaben… *kopschüttel*

  7. Otter mit Schal schreibt:

    Ich kenne leider auch diverse Schulen in Deutschland, die gern da K-Buch gegen Anne im Unterricht austauschen möchten. Angeblich weil man da die Bösartigkeit des A. heraus lesen könnte. Der Schuss kann jedoch ganz gewaltig nach hinten los gehen. Amerikaner etc. gehen mit diesem Buchtitel übrigens schon anders um. In meinem Studium saßen wir einmal in einer Diskussionsrunde mit einem US-amerikanischen Gaststudent. Es waren viele Studenten mit Behinderungen anwesend. In Deutschland ist es oft so, dass die erst an Universitäten akzeptiert werden wenn sie neben dem Abitur noch eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen können. Darüber wurde referiert und plötzlich sprang der Amerikaner auf, wandte sich an den Redner und meinte „Well, ‚mein K…‘, couldn’t you say that?“ Die Stimmung war erstmal hinüber.

  8. sanja schreibt:

    wobei ich glaube, dass die zensur aufgrund von andeutungen von sexualität (die ja soweit ich mich erinnere, nicht mal vorkommt) einfach nur ne ausrede ist um wie du so richtig sagst sich „nie mit einzelnen Schicksalen (zu) befassen“

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