Oak Island

Die Vorstellung, dass es auf dieser Erde noch ungelöste Rätsel, zu bestehende Abenteuer und versunkene Schätze oder weisse Flecken gibt, fällt in Zeiten der Globalisierung, Google und Rock’n’Roll manchmal doch schwer. Um so faszinierender ist deshalb die Geschichte um Oak Island, eine kleine Insel vor der kanadischen Ostküste.

(Ungesicherte) Überlieferungen, die ins Jahr 1795 zurückreichen, erzählen von einem jungen Mann, der bei einem Besuch der Insel zunächst auf eine kleine Vertiefung und ein paar alte Seilfetzen stieß, die seine Neugier weckten. Mit einigen Freunden hob er eine 3 Meter tiefe Grube aus, in der sie auf verlegte Holzstämme und verstärkte Wände trafen. Nach weiteren 6 Metern gaben sie zunächst auf, um es Jahre später erneut und mit finanzieller Unterstützung weiter zu versuchen. Meter um Meter wurde gegraben, und immer wieder stieß man auf menschliche Spuren, so dass bald anzunehmen war, dass hier vielleicht ein alter Piratenschatz vergraben wurde. Das große Problem war jedoch, dass die Grube sich immer wieder mit Wasser füllte, so dass ein Vorankommen schwer bis unmöglich war. Irgendwann gingen ihnen die Mittel aus und die Grube wurde rund 40 Jahre vergessen. Und hier wird es erst richtig abenteuerlich.

Es schickten sich neue Expeditionen an, einen Schatz zu heben, von dem niemand wusste, ob er überhaupt existierte. Und da man sich nun in der Zeit der Industrialisierung befand, wurde das Gerät mit jedem Versuch moderner und jede Company hatte neues Spielzeug und noch mehr Geld in der Hand. Allein: sie alle scheiterten. Man fand zwar raus, dass es eine Verbindung der Grube mit dem Meer geben musste, dass offenbar ein äußerst raffiniertes Kanalwerk installiert wurde und dass der Küstenabschnitt, auf dem gegraben wurde, künstlich war, aber trotzdem gelang es niemanden, den Schatz zu bergen, da man das Problem mit den voll laufenden Schächten einfach nicht in den Griff bekam, zudem kam es auch immer wieder zu Unfällen, bei denen Arbeiter ums Leben kamen. Inzwischen haben unzählige Firmen viele Millionen Dollar in die Insel investiert und zogen unverrichteter Dinge wieder ab, was der Grube den Beinamen „Money Pit“ einbrachte. Der ursprüngliche Schacht ist mittlerweile durch einen abgebrochenen Bohrer, der so verkeilt ist, dass man ihn nicht bergen kann, blockiert, und ein Versuch im Jahre 1987 mittels eines „Big Dig“, einer Riesengrube, die alle bisher gegrabenen Schächte einschließt, das Rätsel entgültig zu lüften, scheiterte am Börsencrash, der das Kapital für das Vorhaben vernichtete.
Ein neues Projekt, dass vor allem durch langjährige Rechtsstreitigkeiten immer wieder verzögert wurde, ist nun in Planung.

Eine über 200 Jahre alte Grube, und es ist mit allem Gerät und Geld der Welt noch keinem gelungen, ihr auf den Grund zu gehen. Ich finde das schön und ermutigend. Man verfällt ja leicht in den Glauben, der Mensch hätte auf der Erde schon alles erreicht, was es zu erreichen gibt, weswegen wir uns jetzt gummibandartig zurück in die Barbarei schießen. Aber mindestens ein Hindernis gibt es auf dem Weg dorthin also noch, dass es zu überwinden gilt.

Einen Dokumentarfilm gab es vor langer Zeit mal auf Phoenix zu sehen, und, da haben wir es wieder, natürlich auch im Internet:

(Direktlink und folgende)

*****

Auf dieser wahren Geschichte baut nun der fiktive Roman Riptide von Douglas Preston und Lincoln Child auf, der das Geschehen auf die fiktive Insel „Ragged Island“ verlegt und die Überlegung anstellt, wie eine Expedition aussähe, die mit absolut topmodernstem Gerät, sehr viel Manpower und nahezu unbegrenzten Geldmitteln ausgestattet ist. Preston und Child schreiben vorwiegend populärwissenschaftlich angehauchte Thriller in der Tradition Michael Crichtons (selig), ihr erster Roman Relic wurde seinerzeit verfilmt und lief eine Weile in Dauerrotation auf RTL2.
Und auch dieser Roman wurde ganz offensichtlich mit einer möglichen Verfilmung im Kopf geschrieben, da sich hier filmisches Klischee an Klischee reiht. Das meine ich nicht einmal negativ, herauskommen würde genau die Art Film, die ich mir gerne im Kino ansehe, pathetische Inselshots á la Jurassic Park, Musik von Hans Zimmer und unter der Regie von vielleicht Wolfgang Petersen oder Roland Emmerich.
Es gibt den Hacker-Guy, der nebenbei an seinem Online-Rollenspiel werkelt, den mürrischen Kapitän vom Typ Prochnow, eine hübsche französische Archäologin, natürlich den Protagonisten, der auf der Insel sein Kindheitstrauma aufarbeiten möchte, den verrückten Priester… ihr wisst wie es läuft. Die Charaktere sind keine, sondern lediglich eindimensionale Abziehbilder, es findet im Buch nur eine einzige (unglaubwürdige) Charakterentwicklung statt, die auf 3 Seiten abgekaspert wird, um es kurz zu machen: ein tolles Buch für die morgendliche Fahrt mit der S-Bahn.

Aber eine noch viel tollere Vorlage.

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4 Antworten zu Oak Island

  1. Muriel schreibt:

    Wirklich schöne Hintergrundgeschichte, aber der Roman klingt für meinen Geschmack furchtbar. Ist vielleicht kein Wunder, ich könnte schon schreien, wenn ich bloß Roland Emmerich höre.

  2. Sebastian schreibt:

    Vor Freude ja wohl!

  3. Muriel schreibt:

    Ähm… Naja… [Ich sehe deine leuchtenden Augen und dein erwartungsvolles Grinsen und bringe es einfach nicht übers Herz, dich zu enttäuschen.]
    Ja, genau.

  4. Pingback: “Die Klinge des Schwertes” (oha) « social issues and stuff

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