Nachdenkenswertes über Musik

– Irgendwo in meiner Nachbarschaft läuft eine Millionen mal Du, bzw. tausend mal Tausend mal Du von der Münchner Freiheit.

– Mit ca. 16 Jahren spielte ich Schlagzeug in einer zwei-köpfigen Punkband. Nach einer Zeile von Helge Schneider nannten wir uns „Die drei lustigen Zwei“. Wir hatten nur einen Song, den wir nur einmal vor 5 Leuten spielten. Es war ein Nena-Cover und hieß „Von Bier geträumt“, wir orientierten uns aber an der Version von Blümchen. Jetzt arbeite ich am großen Comeback und schreibe den zweiten Song. Arbeitstitel: „Jetzt wird wieder in die Schüssel gespuckt“ und geht weiter „wir haben zu viel Jägermeister geschluckt“ o.ä.

– Das ist aber noch die Roh-Version, sprich: klingt nach Lukas Hilbert.

– Wer diesen Witz verstehen will, muss wissen, dass Schmusesänger, Produzent und ehemaliges Popstars-Jury-Mitglied Lukas Hilbert einmal in einer Punkband namens Roh gespielt hat. Sie wurden ein wenig berühmt, als sie Dr. Sommer-Briefe vertonten, die dann „Onanie ist voll Ordnung“ oder „Ich soll ihm einen blasen“ hießen. Zuerst fand die Bravo das „total frech und witzig“, verklagte sie aber dann doch.

– Kam ich mit ebenfalls 16 nachts nicht zur Ruh (tausendmal Duuuuuh), zappte ich mich durch die Fernsehlandschaft, wo im Dritten eine hervorragende Reihe namens „Videotagebuch“ lief. Begleitet wurden verschiedene Leute, zum Beispiel ein Zivi im Wattenmeer und eben auch Roh. Kann man sich gut angucken.

– Genug von Roh! Guten deutschen Rock machen nämlich auch Jupiter Jones, und als bekennender Hörspielfan freue ich mich über die zahlreichen Verweise auf die drei Fragezeichen, die die Band bereithält. Dr Name sowieso, auch das Label heisst Mathildas und Titus Tonträger. Oliver Rohrbeck (Justus Jonas) hat gar einen Auftritt im Song „Das Jahr, in dem ich schlief“. Und man weiss, ein Sänger, der ein T-Shirt aus der Manufaktur katzundgoldt trägt, kann kein schlechter Mensch sein. Oder ein schlechter Mensch mit aus der Sicht schlechter Menschen schlechtem Klamottengeschmack. Indiefreunde kennen die Band natürlich schon wieder seit Urzeiten, aber an mir geht sowas wegen unangebrachter Vorurteile deutscher Gitarrenmusik ja immer jahrelang vorbei.
Ich hege auch große Vorurteile deutschen Schauspielerinnen gegenüber, aber Gott, ist die Jana Pallaske (ein Name, der spontan erst einmal Juckreiz auslöst) aus dem Video da oben nicht einfach süß? Andererseits erkennt man vor lauter Kamerableich ja auch keine Konturen. Und Mangafiguren sind immer süß.

– 18 Jahre habe ich mir vorgestellt, der Song „Goodbye Horses“ von Q Lazzarus, das ist dieser Song, der in der berühmten Szene aus Das Schweigen der Lämmer gespielt wird, in der Buffalo Bill sich nackig macht, wird von einem verhuschten, kleinen, bleichen Goth gesungen, weil das ja ungefähr die Stimmung des Film wiedergibt, aber am Ende war’s halt doch eine schwarze Sängerin. Das ist auf ganz eigene Weise deprimierend.

– Das deprimierendste Genre ist jedoch AOR, Adult Oriented Rock. Alte Männer singen Lieder, in denen die Wörter „these“ „days“ und „gone“ tragende Rollen spielen. AOR = Emo des alten Mannes.

– 3/4 von Blumentopf lassen sich nur noch mit Hut sehen. Werden halt auch nicht jünger. Siehe Wahlwerbespot.

– Farin Urlaub kriegt auch eine Platte, aber keine Goldene.

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5 Antworten zu Nachdenkenswertes über Musik

  1. MuGo schreibt:

    Mit Rumpfkluft und Jana Pallaske macht man definitiv nix falsch. AOR ist mir dagegen bisher nicht untergekommen, klingt aber mindestens genauso gut wie mein Lieblings-WinAmp-Genre „Christian Rap“. Und weil es um Musik geht: Jana Pallaskes Band Spitting Off Tall Buildings hat ein sehr gutes Cover von Heartbeats von The Knife aufgenommen.

  2. Sebastian schreibt:

    Kenne ich sogar, habe ich aber auch erst neulich herausgefunden, dass das Jana Pallaske ist. Ist ziemlich gut, ja.

  3. Fredelsloh schreibt:

    Die Version José González‘ von „Heartbeats“ find ich persönlich noch am überzeugendsten. http://tinyurl.com/mb6bp2

    Aber das ganze Album „Veneer“ ist einfach fantastisch

  4. causa prima schreibt:

    Also da ist der Gesang doch schrecklich gelangweilt und noch dazu „technisch verekelt“. Wird gerne gemacht, wenn eine Stimme zu wenig „Kraft“ hat, in so einem Lied mit der Stimme ist sowas aber wirklich für mich nicht aktzeptabel, klingt grässlich. Die beste Version von „Heartbeats“ ist und bleibt das Original.

  5. Anja schreibt:

    Kann ich mich nur anschließen, das Album „Veneer“ rockt 🙂

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