Allgemeines Rumgeseiere unter dem Deckmantel einer Filmkritik zum Parteifilm der Partei „Die Partei – der Film“

Immer mehr Wähler, hörte ich heute morgen im Radio, wählen nicht mehr am Wahltag, sondern weit vorher. Und dies nicht per Briefwahl, sondern per persönlicher Stimmabgabe in ihren Rathäusern, die diesen Service vermehrt anbieten. Ich halte das für eine sehr merkwürdige Regelung. Gleichheit der Wahl heisst in meinen Augen, dass nicht nur alle Stimmen gleich viel wert sind, sondern dass auch für alle die gleichen Voraussetzungen gelten sollen. Musste man nicht früher, wenn man per Briefwahl wählen wollte, einen Grund angeben, warum man am Wahltag verhindert ist? Ich sag’s euch: Ja, musste man. Es sollte eben der Ausnahmefall bleiben. Es könnte schließlich sein, dass sich just vor der Wahl zweifelsfrei herausstellt, dass zum Beispiel Schäuble tatsächlich seinerzeit von einem Waffenlobbyisten bestochen wurde – weiss man’s? Und dann hat man seine Stimme schon der CDU gegeben und bereut es.
Nein, dass „ganz Deutschland“ (BILD) an einem Tag wählen geht, hat seine Richtigkeit. Gerade als Freund der Demokratie (grundsätzlich) finde ich, dass dieser Tag zelebriert werden sollte, mit wählen gehen, Auszählung schauen, Lindenstraße und dann meckern. Das wäre eh der größte Horror bei der Computerwahl: dass das amtliche Endergebnis um 18.01 feststeht.

Stattdessen darf man sich also nun im Radio Straßenumfragen anhören, sowieso eine Pest, aber diesmal erst Recht. Das alte Muttchen sagt da nämlich: „Ich weiß eh schon was ich wähle, ich wähle immer das gleiche, da mache ich das gerne vorher, weil ich es mir Sonntags gerne bequem mache und nicht das Haus verlasse“. Ja, es ist schon ein Kreuz (Floskel) mit dem Kreuz (Wahl) und dem Kreuz (Rücken), aber zum Beispiel die FDP bietet doch oft völlig ohne Hintergedanken ein Wahlshuttle an, dass einen direkt an die Urne, keine Angst Oma: die Wahlurne, fährt.
Absurder vielleicht der junge Mann, der sich „nicht vom Wahlkampf beeinflussen lassen“ möchte. Da hat jemand wenig Selbstvertrauen, wenn er doch schon weiß, dass im Wahlkampf gerne mal ein wenig geflunkert wird, sich aber dann doch denkt: „Ja, eigentlich hat es ja recht, das Team Steinmeier! Es hat die besseren Köpfe und die besseren Ideen. Es muss Schluss sein mit dem „Weiter so!““ Und eben deswegen wählt er schon, bevor die Parteien sagen, was sie vorhaben. Da macht man nichts verkehrt. Aber vielleicht ja doch? (Diese Frage ist suggestiv, liebe Leser.)

Deswegen: Die Partei! (häh?) Oftmals wird nicht verstanden, dass die Partei kein humoristischer Selbstzweck ist, ein Einzelspaß, der sich ja wohl auch schnell aufbrauchen würde, wie man sehr schön am Beispiel Schlämmer sieht, sondern eine Plattform, von der aus immer wieder satirische Aktionen gestartet werden, die für sich oftmals sehr gelungen sind. Und von dieser Mär kündet nun der Kinofilm „Die Partei – der Film“.
Mit etwas Mühe wird hier eine lockere Klammer um den Film gesetzt, die das Geschehen im Jahr 2013 verortet, in dem die Partei die Macht an sich gerissen hat und das Land regiert. Dieser Aspekt spielt aber überhaupt keine Rolle, ansonsten schildert der Film die Geschichte der Partei von der Gründung bis heute und greift sogar auf das Jahr 1997 zurück, in dem die Titanic auf Becksteins Forderungen, Bürgerwehren zu mobilisieren, reagierte und eben mit solcher durch die Dörfer zog – die politische Initialzündung der Partei.
Parteiaktionen wie der Mauerbau in Thüringen („Sie mauern uns hier nicht ein“ – „Wir mauern Sie nicht ein, wie mauern Sie aus!“) oder der Besuch der georgischen Arbeiterpartei inkl. Aufbereitung in den dortigen Nachrichten („Bundestagsabgeordnete besuchten die Arbeiterpartei. Es wurden wichtige Verträge unterschrieben.“) sind längst, ach, was soll’s, „Kult!“ und wurden hier, umrahmt von Knopp-esken Einzelinterviews noch einmal zelebriert. Das alles ist äußerst komisch und es ist schon fast unglaublich, mit welcher Schlagfertigkeit und welchem Ernst Sonneborn auf Anfeindungen aus der Bevölkerung reagieren kann. Sehr schön zu sehen ist dies übrigens auch im nicht minder witzigen Film Heimatkunde.
Unkomisch wird es immer dann, wenn sich ein Humorwerk allzu weit von seinem Kern entfernt. Man sieht es bei Kevin Smith, der, sobald er sich weg vom Dialog hin zum Slapstick bewegt (Mall Rats!), fast unansehbar wird und man sieht auch mal wieder hier: Ein, zwei Musikeinlagen ziehen sich dann doch, wobei eine zumindest nur den Abspann begleitet, während sich die Rapeinlage filmisch ungefähr im Jugend-TV des ZDF ansiedelt.

Bleibt festzuhalten, dass sich alle 10 Zuschauer im Saal inkl. des 14-jährigen Polohemdenträgers mit um die Schulter gebundenem Pullover prächtig amüsiert haben und es einen Schande ist, dass sich alle anderen bei Horst Schlämmer „beömmeln“.

Als Bonus sei hier auf eine Sammlung grandioser Mädchensätze hingewiesen, die die gute silent tiffy im Laufe ihres Lebens als Buspassagier (ich höre sowas jedenfalls im Bus, und zwar gerne!) gesammelt und und jetzt zur Verfügung gestellt hat. Und um auch hier eine Klammer zu schließen, die ich streng genommen nie geöffnet habe: „kuck dir den film an. der ist einfach nur.. also, einfach nur suuuperschön! voll schön einfach nur!“

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7 Antworten zu Allgemeines Rumgeseiere unter dem Deckmantel einer Filmkritik zum Parteifilm der Partei „Die Partei – der Film“

  1. Muriel schreibt:

    Ich würde die PARTEI ja auch unterstützen, und ich sehe auch ein, dass PRTEI einfach doof auszusprechen wäre, aber: Arbeit? Wer will denn arbeiten?

  2. Leon Hartner schreibt:

    danke für den Verweis auf die Mädchen-Standardfloskel 😀

  3. causa prima schreibt:

    @ Muriel: Man könnte die weglassen, dann aber PaRTEI heißen. Auch das würde merkwürdig aussehen.

  4. Sebastian schreibt:

    Ich bin für PETRI. Ein Parteigruß fiele mir dann auch gleich ein…

  5. Muriel schreibt:

    Wenn man das A doch drinlässt, könnte man sich auch stattdessen PIRATE nennen. Ich finde, das hat was. Obowohl es mir irgendwie bekannt vorkommt…

  6. causa prima schreibt:

    Naja..wenn sie noch dazu NATIONAL wären.. 😀

  7. Martin schreibt:

    Die Möglichkeit ohne Probleme schon vorher zu wählen ist vermutlich der geringen Wahlbeteiligung geschuldet. Könnte ich mir zumindest vorstellen.

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