Kann man sich angucken: Terminator – Salvation

Hätte ich nämlich auf die Kritiken gehört, die allerorten McGs Beitrag zur Terminator-Reihe verrissen haben, hätte ich ihn mir geschenkt. Zum Glück wurde der Film aber unter anderem auch von SpOn (Video) („Landsermärchen“) und Batzman („Alles doof“) in eher gebrochenem Deutsch für unwürdig befunden, was ein zuverlässiges Zeichen dafür ist, dass der Film so schlecht nicht sein kann. Während ersteres dem Film eine Überladung an Komplexität attestiert, was anhand einer Nacherzählung des ersten Teils(!) geschieht, ergeht sich der Filmfreund in einer dann doch allzu gewollt rantigen beleidigte-Leberwurst-Attitüdensammlung, als dass man sie für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema gelten lassen kann. Darum also nun der Ausdruck, den ich seit meinem Abrutsch in die Gamemagazin-Leserbriefszene Mitte der 90er nicht mehr verwendet habe: Ich möchte „meinen Senf“ dazugeben.

–Spoiler–

t-600-terminator-unitKann Kinder nicht ausstehen: Der T-600

Skynet befindet sich in der übelsten Phase der Pubertät. Die Eltern würde es am liebsten umbringen, es rast entgegen allen Regeln der Straßenverkehrsordnung (auch mangels Straßen) mit dem Motorrad durch die Wüste und probiert sich allgemein viel aus (unter anderem als Transformer und Seeschlange). Es ist ein Glück für den Widerstand der Menschen im Jahr 2018, einige Jahre nach dem von Skynet verursachten nuklearen Holocaust, dass Maschinen letztlich nur so effizient sind, wie ihre Datenbasis es zulässt. Daher sind die Verhältnisse noch längst noch nicht so eindeutig geklärt, wie es laut den Vorgängerteilen einige Jahre später sein wird: die Menschen haben nach wie vor Zugriff auf Teile der Militärinfrastruktur und sind noch recht organisiert (gar global). Für Überlebende und Zuschauer gleichermaßen erfreulich ist ebenso, dass man sich noch nicht auf den nächtlichen Kampf beschränken muss und den offenen Kampf wagen kann. Schauwerte kriegen so ihre Chance. Skynet hat wiederum nur begrenzte Ressourcen, da die schwerindustrielle Herstellung ihrer Maschinerie enorm aufwendig ist (und, nimmt man die TV-Serie The Sarah Connor Chronicles in den Kanon mit auf, durchaus auch schon in unserer Gegenwart verlangsamt wurde). Der Wald-und-Wiesen-Terminator ist das Modell T-600, ein schwerfälliger Klotz, schlag- und schusskräftig, jedoch von großer Trägheit und mit todessternartigen Schwachstellen gehandicapt. Ebenso möchte man ihn nicht in die Kategorie „intelligente Waffensysteme“ einordnen (logisch: intelligente Waffen würden zum nächsten KWEA rennen und den Wehrdienst verweigern).
Um seine Defizite hinsichtlich der Kenntnis über menschliche Schwächen abzustellen, hat Skynet nun jedoch das Programm T-800 gestartet. Eine bemerkenswert flinke und dennoch höchst robuste Version, spezialisiert auf Attentätermissionen und Infiltration. Zum Programm gehört es jedoch auch, und hier wird es unangenehm, an menschlichen Gefangenen Versuche durchzuführen, wozu diese erst einmal zusammengetrieben werden.

terminator-salvation-christian-baleWird auch nicht jünger: John Connor

Widerstandsführer und Legende John Connor (Christian Bale, Mensch) kriegt Wind von diesem Projekt und plant den großen Gegenschlag. Seinem Naturell entsprechend legt sich Connor aber zunächst mit „denen da oben“ an, welche ihre Kommandozentrale ironischerweise in einem U-Boot errichtet haben. Also beschränkt er sich zunächst auf seine Hauptaufgabe, die moralische Unterstützung der Truppen per Funk, sowie der eigenen geistigen Stärkung durch Tonbänder, die seine Mutter Sarah ihm hinterlassen hat. Nach Auswertung der erbeuteten Daten reift dann so etwas wie ein Plan.
Es bietet sich an, dass die Maschinen scheinbar nicht so autonom agieren, wie es auf dem Schlachtfeld scheint, sondern durchaus untereinander kommunizieren. Mit der richtigen Funkfrequenz ließe sich vielleicht sogar Kontrolle über die Maschinen erlangen…

In LA schlägt sich der junge Widerstandskämpfer Kyle Reese (Anton Yelchin, Gelegenheitsrusse) mit Gelegenheitsattentaten auf die T-600 durch und schleift das, Gott sei’s gedankt, taubstumme Mädchen Star (Jadagrace – einfach nur Jadagrace) mit. Hier begegnet er dem überaus zähen und völlig orientierungslosen Marcus (Sam Worthington, SPD), mit dem er sich auf den Weg zu Connor macht, um sich dem Kampf anzuschließen. Reese wird jedoch von Skynet gefangen genommen und zu ausgerechnet der Basis geschleppt, die der Widerstand zerstören will. Marcus schafft es zur Rebellenbasis, muss jedoch a) feststellen, dass er ein früher Prototyp eines Mensch-Maschinen-Hybriden der Firma Cyberdyne ist (aus der später das Projekt Skynet hervorging) und b), dass die übrigen Menschen darauf garnicht gut können.

terminator_salvationmarcusHat ein Herz für Menschen: Marcus (rechts)

Schon aus purem Selbsterhaltungstrieb, natürlich Nächstenliebe und um es mit den Zeitparadoxen der Vorgänger nicht allzu weit zu treiben, sieht Connor ein, dass er die Menschen in der Skynetbasis inklusive Kyle Reese retten muss, bevor das große Bombardement losgeht, und dass er es ohne Marcus Hilfe nicht schaffen wird. Nachdem beide die Basis infiltrieren konnten, verknüpfen sich die Handlungsstränge und es kommt zur finalen Konfrontation mit einem alten Bekannten…

–Spoiler Ende–

Der Film ist richtig gut. Während viele Kritiker fälschlicherweise davon ausgehen, das zentrale Element der Terminator-Reihe sei das Katz-und Maus-Spiel und die unmittelbare Gefahr, die ständig auf die Protagonisten wirkt, hat McG das Wesen des Films viel besser eingefangen. Hätte man wirklich noch einmal einen Terminator in die Vergangenheit schicken sollen, einfach, weil man an der Vorstellung der „einzelnen, unaufhaltsamen Maschine“ festhalten will? Schon in Teil 2 wusste James Cameron, dass die Geschichte „Böse jagt Gut“ auserzählt war und schickte die Connors mit Arnie in die Offensive, in der sie Joe Strummers Maxime „The future is unwritten“ verinnerlichten und den Spieß umdrehten. Die besten Szenen waren auch im ersten Teil nicht die Actionmomente, sondern jene, in denen Kyle und Sarah diesen gerade entkommen waren. Die Inseln der Ruhe, die sie im Hotel fanden, im Auto oder auch nur in der Kanalisation. Die bedrückende Enge, die dennoch allgegenwärtig ist.
Und eben diese trägt auch hier, wenn auch aus anderen Gründen. Es ist die glaubwürdig eingefangene Vorstellung einer postapokalyptischen Welt, die, ich möchte mich aber nicht allzuweit aus dem Fenster lehnen, in Sachen Ausleuchtung und generellem Design sehr an Fallout 3 erinnert (wobei ich mir natürlich bewusst bin, dass das Szenario Atomare Zerstörung einer Großstadt viele Sets einfach vorgibt).
Die Szene, in der Marcus unter dem Wüstensand den Highway entdeckt, entfaltet einfach eine große Wirkung und erscheint noch einmal so intensiv, wenn man an die nächtliche Fahrt zu Dr. Dyson im zweiten Teil denkt.

Es wurde dem dritten Teil oft zugute gehalten, dass er wenigstens handfeste Action biete. Dem möchte ich entgegenstellen, dass diese nichts bringt, wenn der Regisseur den inszenatorischen Mut eines ZDF-Vorabendserienmachers hat und diese lahm einfängt. Der Film hatte keine eigenen Ideen, keine Atmosphäre, nicht eine Einstellung, die man vielleicht als „Kniff“ bezeichnen könnte, ganz einfach, weil Jonathan Mostow ein visionsloser Handwerker ist, den man deswegen gerne einstellt, weil er mit Budgets umgehen kann. Man muss nicht jede Entscheidung McGs gut finden, aber anerkennen, dass er dem Film „seinen“ Stempel aufgedrückt hat und Eier beweist. Auch den zweiten Teil hat ausgezeichnet, dass er gegenüber dem ersten ungeheuer progressiv war. Der dritte versuchte sich, konservativ an das Erfolgsmodell zu klammern und scheiterte genau deswegen. Es wäre natürlich höchstgradig albern zu sagen, dass alleine deswegen der vierte Teil besser ist als der dritte. Ich tue es trotzdem: Alleine deswegen ist der vierte Teil besser als der dritte.

Und ja, natürlich ist hier alles CGI, aber sie ist verdammt gut. Die Terminatoren wirken wie aus einem Guss, bzw. ja eben gerade nicht, sie sind extrem detailliert und bewegen sich absolut glaubhaft. Der halbwegs zerschredderte Marcus sieht hervorragend aus und auch das Modeldesign sämtlicher verspielter Tötungsmaschinen kann sich sehen lassen.

Einen nicht geringen Teil trägt auch der Sound bei, ein Bestandteil, den ich bei Filmen leider viel zu selten zu würdigen weiss. Um so mehr war ich beeindruckt, wie weit die stimmigen düsteren Klänge einen Film beeinflussen können. Sie waren es, warum ich auch den Riesenroboter ernstnehmen konnte, er klang nämlich extrem ernst, und nicht zwingend an einen Transformer denken musste.
Die Musik fällt hier jedoch nicht weiter auf. Danny Elfman spult ein paar Standards ab und sprenkelt nur ganz selten Teile des Terminator-Themes ein. In den richtigen Momenten weiss er jedoch, mit welchen Sounds er Fans glücklich machen kann.

Terminator-Salvation-03
Goes industrial: Kraftwerk

Es ist ganz klar, dass die Schauspieler in dem Film nur eine Nebenrolle spielen. Das Drehbuch gibt ihnen wenige Momente, in denen sie Leistung zeigen können, aber dann tun sie es solide. Auch Christian Bale ist keineswegs so schlecht, wie allerorten kolportiert wird. Er interpretiert John Connor sehr stoisch, was angesichts seiner Vergangenheit nicht ganz unglaubwürdig scheint und jedenfalls weit besser als Nick Stahl im dritten Teil, der in John eine Heulsuse sah, die er schon als 11-jähriger nicht mehr war. (Übrigens: Auch Thomas Dekker macht in der TV-Serie zum Franchise einen ganz hervorragenden Job und ist nicht der Teenie-Schwarm, für den man ihn halten könnte. Er hat sich Edward Furlong genau angesehen und das merkt man.)
Sam Worthington enttäuscht zwar ausgerechnet in seiner Schlüsselszene, hat aber einige sehr schöne Einzelmomente. Die meisten übrigen Schauspieler sind nur Stichwortgeber und entziehen sich mangels Screentime einer fairen Bewertungsgrundlage. Mir fehlt die Phantasie, wie Batzman in Common den coolen Rapper zu sehen, der mit „yiggigen Jive“ Machosprüche raushaut, wo er seine kleine Rolle doch wenigstens ernst nimmt und somit näher an Mos Def in 16 Blocks ist als an Chris Tucker in Fifth Element. Vielleicht sollte langsam mal goutiert werden, dass es auch Hollywood mittlerweile schafft, sich vom lustigen Neger-Bild zu lösen und sein Weltbild dementsprechend neu kalibrieren.

Ist die Action trotz manch allzu hektischen Schnitts ingesamt richtig gut und schnell inszeniert, leistet sich auch das Drehbuch eher wenige Schnitzer. Gerade über die Dialoge hätte aber dringend noch mal jemand schauen sollen, der vielleicht auch in der Realität manchmal mit Menschen (und besser auch: Maschinen) spricht. Da haben einige Szenen den Geist von George Lucas geatmet.
Die Zitate an die Vorgänger waren zahlreich und bis auf zwei Ausnahmen, die reingeschrieben wurden, damit auch der plumpeste Journalist einen Satz dazu sagen kann, ehr optischer Natur. Vielleicht einmal zu oft hat man das rote Auge eines Terminator erlöschen sehen, aber die Szene, in der ein T-800 eine Metalltreppe erklimmt ist schon ein nettes Zuckerl für den Film-im-Kino-Erklärer in uns. Die Referenzen an die Vorgänger ziehen diese jedoch nicht gleich mit ins Lächerliche wie die zu Recht sehr oft gescholtene rosa Sonnenbrille. Klar, der Saal hat bei „Ich komme wieder“ kurz aufgelacht, aber es war ein einzelner befreiender Moment bevor es dem Finale entgegengeht und keine 90-Minuten Juxorgie wie Teil 3.

Um langsam mal zum Ende zu kommen: Seht ihn euch ruhig an. Es ist kein verschwendetes Geld, man wird vorzüglich unterhalten und gleichzeitig gibt der Film dem Franchise den Ernst zurück, der ihm gebührt. Es gibt genug Schauwerte, dass auch die arme „einfach mal Hirnausschalten“-Fraktion bedient wird, aber auch genug Zwischentöne, auf die man achten kann und zum vollen Genuss auch sollte. Irgendwelche Logikfehlerdiskussionen sind armselig und gehen generell am Thema vorbei, es sei jedoch angemerkt, dass der Film sich nicht in seiner inneren Logik verhakt und durchaus plausibel bleibt. Und dazu gehört selbstverständlich auch, dass die Maschinen Fehler machen. Gerade Maschinen, und gerade in dieser Phase der Entwicklung von Skynet. Um die geht es doch letztendlich.

8/10

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10 Antworten zu Kann man sich angucken: Terminator – Salvation

  1. bullion schreibt:

    Die erste Kritik, die ein paar gute Haare an dem Film lässt. Werde ihn mir sowieso ansehen (was hat man als Terminator-Fan der ersten Stunde auch für eine Wahl?), aber vermutlich erst auf DVD. Kinozeit ist kostbar.

  2. Sebastian schreibt:

    Eine gute und wohlmeinende Kritik hat noch der Wortvogel geschrieben, ansonsten ist das echt eine ziemlich einsame Angelegenheit mit dem Filmgutfinden. Ist aber keine Hauptsache gegenan-Attitüde, ich mag ihn wirklich.

  3. MuGo schreibt:

    Die wahrscheinlich beste Filmkritik,die ich in meinem Leben lesen durfte, auch sehr schöne Zusammenfassung.

    Aber ich weigere mich trotzdem, einen Actionfilm anzusehen, der „Die Erlösung“ heißt. Obwohl ich den Freudschen Verleser natürlich erstmal für einen genialen Titel gefunden und mich schon auf die Reaktion von Frau Knobloch gefreut habe!

  4. saripari schreibt:

    Du hast das N-Wort gesagt!!!!
    😉

    Hab den Film noch nicht gesehen, aber irgendwas sagt mir, dass ich sowieso keine Kritiken mehr lesen sollte. Ich bin ja auch ungefähr der einzige Mensch, der sich noch an 12 Monkeys erinnert und Fletcher’s Visionen für einen der besten Filme aller Zeiten hält. 😦

  5. nabulsi schreibt:

    Bestes Review zu dem Film, überhaupt! Danke

  6. Sebastian schreibt:

    MuGo: Danke, und: uiuiui!

    Sara: !!! 🙂
    Twelve Monkeys ist einer meiner Allzeitlieblinge, aber Fletchers Visionen? Ihr Götter…

    nabulsi: Die Firma dankt zurück.

  7. Alexander schreibt:

    Bin eigentlich kein Fan der Reihe, aber von den Bildern die ich bis jetzt gesehen habe muss ich sagen, dass er zumindest mich mehr anspricht als die anderen Filme der Reihe.

    Teil 1 ist legendär, der zweite hinkt schon etwas und alles was danach kommt ist irgendwie weird.

    Es ist interrsant, auch mal Bilder aus dieser düsteren Zukunft zu sehen, einfach diese ganze Situation der unterdrückten Menschheit zu erleben.

    Zuviel Gehalt erwarten darf man von einem Film der „Terminator – Reihe“ sowieso nicht, aber darum geht es auch gar nicht. Nur begreift das niemand.

  8. interessanteszeugs schreibt:

    Dem Fazit „Ansehen — ist unterhaltsam“ stimme ich zu 100% zu. Ebenso der Einschätzung, dass die postapokalyptische „Terminator-Zukunft“ genau so eingefangen ist, wie man sich das als Terminator-Fan nur wünschen kann.

    Widersprechen würde ich allerdings der Behauptung, „dass der Film sich nicht in seiner inneren Logik verhakt und durchaus plausibel bleibt“. Das ist leider leider überhaupt nicht der Fall. Insbesondere in den letzten 30-45 Minuten wird’s wirr, und man muss schon einige Augen zudrücken, um die Motivationen von Skynet und einzelnen Charakteren zu akzeptieren.

    Man merkt dem Drehbuch an, wie es immer und immer wieder umgeschrieben wurde, ohne dass es wirklich besser wurde. Nach dem X-ten Rewrite muss wohl irgendwer (McG?) entschieden haben: „So, Leute, besser wird’s einfach nicht, wir drehen’s jetzt so runter wie’s ist.“

    Aber — und hier wieder Zustimmung — man kann in dem Film trotzdem Spaß haben. Der Trick ist: Man muss es nur wollen! (Und das ist absolut nicht negativ oder verächtlich gemeint!)

    http://interessanteszeugs.wordpress.com/2009/06/09/terminator-4-kritik/

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