Spontanität

Wer bin ich und was habe ich mit mir gemacht? Die Frage ist eher, wer ist Nay und was hat sie mit mir gemacht? Ich bin der spontanloseste Mensch, den ich kenne, und das war irgendwie schon immer so. Die anderen waren unterwegs, sind mitten in der Nacht ins Bett. Es konnte passieren, was wollte, ich weckte sie um acht Uhr am Morgen und zwang sie dazu mit mir Gassi zu gehen.

Alle auserplanmäßigen Aktivitäten mussten so gelegt sein, dass sie nicht mit den vier Tagesgassis kolidierten, sonst konnten sie eben nicht stattfinden.
Oder aber sie mussten früh geplant werden, so dass man sich emotional entsprechend darauf einstellen konnte. Dann war das auch okay.
Aber wenn planen, dann schon richtig. Man wollte schließlich keine Zeit mit Unsinn verschwenden. Ganz wichtig dabei: Das Nachschauen jedes Weges auf dafür vorgesehenen Plänen.
Egal welcher Weg.

Da stehen wir an der Bushaltestelle, unser Ziel ist die Bowlingbahn. Ich ziehe meinen Plan heraus, den ich zuvor im Zusammenhang mit der Busverbindungssuche ausgedruckt. Meine Freundin, Nayra, will los, ich halte sie auf.
„Nein, ich muss doch noch schauen… hier sind wir jetzt… nein hier… das ist dann da… ah, dann müssen wir da lang…“
Basti lacht mich aus, Nayras Kumpel guckt befremdlich. Endlich laufen wir los. Ich hab immer noch die Nase in meiner Karte, Nayra streckt den Arm aus und ruft: „Da vorn ist es doch!“
Tjo.
Ohne Plan, ohne Plan hätten wir es nie gefunden…

Als der Hund dann älter ward, und die Gassis seltener, da konnte ich doch einmal spontaner sein. War nicht mehr so abhängig davon schnell und effizient zu denken. Da ging ich sogar einfach mal so mit auf eine Feier in Herrenberg. Wer war der Initiator? Nayra. Oh, schon wieder.
Ja.
War ich stolz einmal spontan zu sein.
Dort aber stand ich dann doof rum. War ich froh meine genauso unspontane Mandy zu finden, mit der ich kurze Zeit später per S-bahn auch schon wieder nach Hause fuhr. Leider war die letzte aber schon durch, was wir jedoch erst am Gleis stehend feststellten, als Nay inclusive Kumpels und VW-Bus bereiz um die Ecke verschwunden war, woraufhin wir meinen Vater aus dem Bett klingelten, der fluchend durch die Nacht kurvte, schon im Bett gelegen, böse hinter dem Lenker sitzend…
Einmal spontan, und dann voll für´n Arsch.

Doch wieder zurück zu den Plänen und so weiter. Ist wohl doch die bessere Strategie.

Dann kam die Zeit, in der ich plötzlich erkannte wieviel mehr die spontanen Menschen um mich herum zu erzählen hatten wie ich selbst, der ich immer durch mein Denken gefestigt war, und ich begann mit Gewalt spontaität aus dem Hut zu zaubern, aber irgendwie geht das auch nicht so gut.
Manchmal schon, in dem man sich einfach entschließt aufzubleiben und nicht heimzugehen, aber irgendwie bringt´s das auch nicht. Aber manchmal doch. Erfolgserlebnisse gaben mir recht. Straßenfest 2006. Alles dunkel und leer, wir verabschieden uns gerade, Nayra geht ausnahmsweise wirklich heim, da beschließen wir doch nicht zu gehen. Stattdessen korksen wir durch die Stadt, sammeln Flaschen und bringen sie im Morgengrauen zum Laden. Für das Pfand gibt´s ein schönes Frühstück.

Doch insgesamt, Fehlanzeige. Wer unspontan ist, scheint dies auszustrahlen. Und alles läuft vorbei. Irgendwann dacht ich mir, ach egal, auch nicht so schlimm. Und plötzlich gab es haufenweiße Dinge zum spontan sein. Dann wollt ich, dann waren sie wieder rum.
So ein Schrott.

Heute ruft Nayra an. Dazu muss man sagen, dass sie inzwischen umgezoge ist.
Auf jeden Fall sagte sie da:
„Wann besuchst du mich mal?“
„Tut mir leid, geht nicht, keine Zeit, hab nur dieses Wochenende vier Tage frei, danach lange nicht mehr“
„Dann komm doch da; kannst direkt Mittwoch abend kommen und mit aufs Maifest“
Jetzt fahr ich am Mittwoch nach Mannheim. Nachdem ich bis um 18 Uhr gearbeitet habe. das ist doch der Irrsinn. Ich ergreife GANZ SPONTAN eine sich mir bietende Chance. Da frag ich mich, wer bin ich und was habe ich mit mir gemacht.

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3 Antworten zu Spontanität

  1. MuGo schreibt:

    Ein schöner Text!

  2. Sebastian schreibt:

    Und es heisst, ich bin zwischen Mittwoch und Samstag alleine hier. Ihr seid alle eingeladen!

  3. Steffi schreibt:

    Danke, Mugo

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