Digital ist besser

Ein Gespenst geht um in den Nachrichtensendungen dieser Tage: Analogkäse! Kaum ein Magazin vor allem der öffentlich-rechtlichen Sender kam in den letzten Tagen ohne einen Bericht über ihn aus.

kase(CC) (leralle)

Beim ZDF-Trash-, Busen- und Killerspielmagazin Frontal 21 kam man sich sehr investigativ dabei vor, mit einer versteckten Kamera eine einfache Verkäuferin vor dem Kühlregal zu folgendem Dialog hinreissen zu lassen.

„Ist dies Reibekäse für Pizza?“

„Ja, der ist extra für Pizza.“

„Also ist das echter Reibekäse für Pizza?“

„Ja, der ist extra für Pizza gedacht.“

Sehr schön aneinander vorbeigeredet, was man der Verkäuferin, die 1. nicht über die einzelnen Bestandteile der Käsepackung bescheid wissen muss und 2. kaum damit rechnen konnte, dass es um das gut versteckte „echter“ Käse ging, nicht übelnehmen konnte. Dass das aber so auf Sendung ging und suggeriert wurde, dass man hier von der Verkäuferin höchstpersönlich belogen und betrogen wurde, war ein ziemlicher Tiefpunkt (in der an Tiefpunkten ja nicht armen Sendereihe).

Nun ist es ja grundsätzlich nicht falsch, über Analogkäse zu berichten. Auch wenn ich persönlich ein schlechtes Beispiel bin, was Ernährung angeht, ist es wichtig, dass man weiss, was man da eigentlich isst, und wenn es eben kein Käse ist, sondern eine „käseartige Substanz“, sollte man das auch so sagen. Bei den Tagesthemen, die gestern ein wenig spät auf den Zug aufgesprungen sind (I chee chee cheese you, anyone?), kam man sich jedoch ein wenig so vor, als hätte man es mit einem perversen Gift zu tun. Umfragezitate:

„Reaktionen der Kunden sind auf jeden Fall da, die entsetzt sind, das sowas produziert wird.“

„Was uns stört ist, dass die Verarbeitungsindustrie zu einem ganz erheblichen die gute Milch (*schluchz*) durch andere, billigere Stoffe ersetzt.“ (Pflanzen – der Autor)

Müsste man Deutschland in einem Wort beschreiben, es wäre Lebensmittelskandal.

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2 Antworten zu Digital ist besser

  1. killthekitten schreibt:

    Frontal21 ist ja auch eine Perle des investigativen Journalismus. Unvergessen der Beitrag über eine „geheime Bekanntmachung“ des Bundesfinanzministeriums an alle Finanzämter, dass sie bei Werbungskosten immer schön gegen den Steuerzahler entscheiden sollen, auch wenn die Rechtssprechung da ausdrücklich was anderes gesagt hat.

    Der unwiderlegbare Beweis: Frau K. und Frau M., beide arbeitslos, beide machen eine Umschulung, um bessere Chancen auf eine Arbeitsvermittlung zu bekommen. Ihr Problem: Der miese Abzockerstaat lässt sie nicht ihre Werbungskosten für die Umschulung von der Steuer absetzen! Das kleine Logikproblemchen an der Geschichte: Man kann leider keine Sachen von der Steuer absetzen, wenn man überhaupt garkeine Steuern bezahlt.

    Naja, egal. Frontal 21 behauptet trotzdem, dass Frau K. jetzt vor Gericht zieht, weil: „…es geht ihr nicht um die Werbungskosten, Frau K. geht es vorallem um die Gleichheit vor dem Gesetz“. Und verdammt noch mal, wer würde schon gegen die Gleichheit vor dem Gesetz(!) argumentieren!

    Ich persönlich hab ja nichts gegen Gossenjournalismus im Allgemeinen, er sollte nur nicht Gebühren finanziert und mit renommierten Preisen überhäuft werden.

  2. Sebastian schreibt:

    Hihi, das ist natürlich auch ein schönes Beispiel. Man braucht garnicht immer die Killerspielbeiträge heranziehen, um dort Fehler zu finden. Gibt auch so genug.

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