Wo g’sungen wird, da legt’s di nieder…

Beim Bund waren wir ja zu doof zu allem. Nicht einmal marschieren konnten wir. Geschult in mehreren Weltkriegen weiss die Generalität natürlich um die intellektuellen Misstände ihrer Soldaten und hat für sämtliche Eventualitäten vorgesorgt. Wenn Gefreiter Arsch entgegen des Befehls statt rechtsrum linksrum marschierte, was, so erschreckend es klingt, eigentlich immer irgendeinem passierte, in der Regel dem Vordermann, lautete die Order, hinter ihm herzugehen. Das Motto: „Wenn schon Scheisse, dann Scheisse mit Schwung!“

So ähnlich ging es auch dem General(!)sekretär der CDU Baden-Württemberg Thomas „Ich bin als Abgeordneter nicht dazu da, zu kontrollieren, ob die Exekutive ihre Arbeit richtig macht“ Strobl. Nicht nur, dass die Landes-CDU ein Liederbuch rausgebracht hat, in dem sich auch munteres Wehrmachtsliedgut befindet (neben anderen in der CDU sicher hoch im Kurs stehenden „Knallern“ wie dem Holzmichl und Anton aus Tirol), nein, eine Einstampfung der Bücher bügelte er zunächst mit den Worten ab, ich zitiere:

„Wir lehnen Bücherverbrennungen ab.“

Nun ist die hiesige CDU ja dafür bekannt, es mit der Aufarbeitung der Geschichte nicht immer ganz genau zu nehmen (Filbinger), es sollte sich allerdings auch bis hier rumgesprochen haben, dass ein Vergleich zwischen der Verbrennung großer Teile der Literatur der damaligen Zeit aufgrund oftmals nicht einmal politischen Missfallens, sondern aufgrund purens Wahnsinns und Hasses und des Rückzugs von kriegsverherrlichenden Schunkelliedern ein großer ganz großer Unsinn ist. Man kann sich also nur immer und immer wieder wundern, dass die CDU hier ein uneinnehmbar gutes Standing hat. Es ist zum heulen.

Der Spruch „Wo gesungen wird, da lass Dich nieder, böse Menschen kennen keine Lieder“ ist übrigens auch so ein Quatsch, was ich vor etlichen Jahren festgestellt habe, als ich an einer Nazi-Bar vorbeimarsch..gegangen bin und von drinnen großes Gegröhle und Gesinge nach draussen drang und ich mich schleunigst, dieses Sprichwort vergessend, vom Acker machte.

Um auf die mangelnde Intelligenz des Militärs zurückzukommen:

Bei der Bundeswehr kann man den ganzen Trubel nicht ganz nachvollziehen. „Das Lied haben wir früher doch immer gesungen“, erinnert sich ein Sprecher. „Aber das war ja auch mitten im Kalten Krieg. Da durften wir das.“

Außerdem:

Im Rahmen der Brauchtumspflege habe man das Lied in einer entschärften Form immer wieder in die Neuauflagen übernommen, so ein Sprecher des Streitkräfteamts in Bonn zu SPIEGEL ONLINE.

Die „Brauchtumspflege“ ist schon aus rein ästethischen Gründen eines der größeren Probleme der Bundeswehr. Ich war einmal im „Traditionsraum“ der Uffze unserer Kompanie. In ihm versammelte sich mehr Kitsch als in einem stuttgart-afghanischen Krimskramsladen. Wobei ich natürlich Verständnis dafür zeige, dass man dieses ganze „Mir halte‘ zamme“-Gedöns braucht, diese ganzen Wimpel, Wappen, Silberlitzen, diesen ganzen aus der Wehrmacht übernommenen Identifikationsquatsch, um effizient „arbeiten“ zu können. Letztendlich ist Krieg auch nur Sport, Teamgeist, der bessere gewinnt, Mensch ärgere Dich nicht.

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