Kritische Wahrnehmung

Ich habe gerade auf Spiegel-Online etwas über die Elektroschockexperiment von Stanly Milgrams, die er 1961 durchgeführt hat, gelesen. Normale Leute wurden dazu angehalten, einem anderen Menschen, der in einem seperaten Raum saß und Wortpaare auswendig lernen sollte, Stromstöße zu erteilen, wenn dieser die Wortpaare nicht aufsagen konnte.
Beide Male machte der größte Teil bis zu den höchsten Werten mit, womit er damit die These, dass die Leute damals mehr darauf trainiert waren, Befehle zu befolgen, wiederlegt.

Trotzdem gilt es die Ergebnisse in Frage zu stellen, denn die Anzahl von 40 Probanden, die nach Spiegel-Online 1961 getestet wurden, ist nicht gerade hoch.
In diesem Zusammenhang drängt sich mir auf jeden Fall der Gedanke auf, wie sie damals in Galileo-Mystery den Test auch durchführten. Sie testeten zwei Personen und schlossen daraus, dass Menschen Schweine sind.
Die genaue Formulierung dieser höchst wissenschaftlichen Studie kenn ich nicht, aber ich hörte wie sie nach dem ersten Testdurchlauf Folgendes (in vermutlich anderem Wortlaut aber gleichem Inhalt) von sich gaben:
„Um das Ergebnis nachzuprüfen und einen Irrtum auszuschließen, führen wir genau den gleichen Versuch noch einmal mit jemand anderem durch.“
Wow, zwei Leute. Sehr genial. Sagt ja voll viel aus.
Aber Galileo stellt ja auch in Frage, ob der Mensch auf dem Mond war, und löst Geheimnisse über König Artus innerhalb einer Sendung. Sind halt überschlaue Weltmeister.

Da sind die Studien von 1961 und heute auf jeden Fall geeigneter um Schlüsse zu ziehen. Es bestätigte sich auf jeden Fall das Ergebnis, dass ein Großteil der Getesteten weiter machte, obwohl das Opfer aufschrie.
Auch wenn die Ergebnisse der Galileo-Studie mit ihren 100 % somit (oh, welch Überraschung) übergeordneter und unseriöser Schwachsinn sind, so kommen doch alle drei zu dem gleichen Ergebnis: Der normale Mensch kann durchaus dazu bereit sein, Gewalt auszuüben, auch wenn das Opfer schon schreit.

Insgesamt denken die Menschen zu wenig nach. Sie befolgen viel zu viel von dem, was ihnen vorgesetzt wird. Es geht dabei nicht „nur“ um solche direkten Befehle, die Menschen bereit sind auszuführen, sondern auch um politische Entscheidungen, die einem zu erst aufschreien lassen, auf die Dauer jedoch akzeptiert werden.
Man stumpft ab, weil man nichts machen kann. Man erlebt die Ohnmacht und lernt damit zu leben.
Während man aber bei einer Entscheidung wie der Computerüberwachung doch recht wenig beeinflussen kann, ist es in diesem Test eine Eins-zu-Eins-Entscheidung. Die Person, die am Stromschlaggerät sitzt, kann sich von Schlag zu Schlag neu entscheiden, ob er auf den Knopf drückt oder nicht. Er kann sich jeder Zeit weigern zu drücken und damit direkt dafür sorgen, dass dem Gegenspieler kein weiteres Leid wiederfährt.

Doch ist das wirklich so?

Im Artikel steht: Milgram und seine Mitarbeiter notierten „“ein extremes Ausmaß nervlicher Anspannung“ bei manchen ihrer Probanden, verzeichneten „heftiges Schwitzen, Zittern und Stottern“, bei manchen Versuchspersonen auch „nervöses Lachen“ bis hin zu „unkontrollierbaren Lachkrämpfen“.“
Das zeigt mir, dass die Probanden, die irgendwann nicht mehr weiter machen wollten, von dem scheinbaren Projektleiter immer wieder aufgefordert und damit unter Druck gesetzt wurden.
Da heißt es zum fünften Mal: „Es ist sehr wichtig, dass sie den Stromstoß erteilen, weil nur so das Projekt weitergehen kann“ und irgendwann macht man es halt, weil man denkt, „Okay, der wird schon wissen, was er tut“.
Das eigene Gehirn spielt ihnen einen Streich. Sie verdrängen die Situation; die Verantwortung für das eigene Tun:
`Der wird wissen was er macht. Mach ich halt mit. Ich trag dafür schließlich nicht die Verantwortung. Ich führe ja nur aus.´

Aber nicht nur Verdrängung führt dazu, dass man anders handelt, als man es eigentlich täte. Es gibt auch anderes, dass nicht durch Druck erzwungen wird, sondern von außen wirkt.
Gab es da nicht kürzlich dieses Medikament, dessen Einnehmer zu einer größeren Anzahl Selbstmord begangen haben? Oder hab ich da was Falsches im Kopf?
Tatsache ist aber, dass manche Medikamente direkt auf das Gehirn einwirken und in die eigenen Strukturen eingreifen. Durch irgendwelche Stoffe wird der Kontakt zwischen den Nervenzellen beeinflusst und verändert.

Kürzlich hatte ich den Beipackzettel eines Medikamentes in der Hand, welches in seinem Beipackzettel als häufige Nebewirkungen unter anderen Verwirrtheit, schlechtes Gedächtnis, Unruhe oder Reizbarkeit sowie das Sehen von Doppelbildern angibt. Seltenere, aber immerhin noch als „gelegentlich“ angegebenene, Nebenwirkungen sind „merkwürde und ungewöhnliche Gedanken“. Unter „sehr seltene Nebenwrikungen“ stehen schließlich Dinge wie Selbstmordgedanken und Halluzinationen.
Ist das nicht der Irrsinn?

Am Besten gefällt mir aber das mit den merkwürdigen und ungewöhnlichen Gedanken.
Wie stellte man sowas fest?
Ich geh mal davon aus, dass Menschen, die so weit sind, nicht mehr erkennen, dass das nicht dazu gehört. Vermutlich kommt die Veränderung schleichend.
Menschen, die Selbstmordgedanken haben und sich schließlich umbringen, haben sicherlich nicht mitbekommen, dass sie diese Gedanken eigentlich gar nicht denken würden. Sonst würden sich, zumindest einige davon, nicht umbringen.

Der Mensch ist des Menschen Wolf. In allen Kategorien. Von innen, aber auch von außen. Man befolgt viel in seinen Ansichten, in seinem Handel und damit auch in seinem Denken.
Aber es muss auch immer die geben, die die Anweisungen aussprechen und auf die wiederrum trifft die Ausrede nicht zu oder zumindest weniger zu.
Vielleicht haben sie ja zu viel von oben genanntem Medikament eingenommen und sind deshalb so.

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6 Antworten zu Kritische Wahrnehmung

  1. Alexander schreibt:

    Glaub ich weniger, der Großteil der Menschheit ist einfach gestört auf die Welt gekommen…

  2. Frank schreibt:

    Quatsch, Alexander. Das ergibt doch evolutionär gar keinen Sinn.

  3. Dennis schreibt:

    Kann man alles so stehen lassen. Ohne diese Eigenschaft würden auch die „Gelehrten“ noch in Höhlen hausen…

  4. Steffi schreibt:

    Freut mich, dass mans so lassen kan. Welche Eigenschaft jedoch meinst du nun genau?

  5. Steffi schreibt:

    Ai, bin ich blöd. Vermutlich meist du das Hinterfragen.
    Jo, das stimmt. Ohne das gäb´s uns wohl heute kaum.

  6. Sanja schreibt:

    der mensch ist ein herdentier. der wunsch nach sozialer akzeptanz ist allen anderen wünschen und begierden übergestellt.

    @alex: der mensch ist als mensch zur welt gekommen. die störungen werden von der umwelt/gesellschaft reingebracht die absolut ungesund und anormal ist. dass sie das ist, merkt man am meisten daran wenn man versucht leute aufzuzählen die man als glücklich und/oder „einfach keinen schaden“ werten würde.

    @medikamente: sind das zufällig welche gegen hautprobleme? mein cousin hatte keinen beipack“zettel“ sondern ein ganzes beipackbuch mit ähnlich interessanten wahlmöglichkeiten zu sterben oder depressiv zu werden

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