Mach das Licht aus, wenn Du gehst

In letzter Zeit scheint es en vogue zu sein, Polylux schlecht zu finden, und grade zum Ende hin wurde es immer schwieriger, einen Artikel zum Thema zu finden, der nicht mit Spott und Häme gespickt war. Ich meine: zu recht. Alles was jetzt folgt ist also nichts, was nicht ein Dutzend Andere auch schon zur Sendung geschrieben haben.

Es war einfach nicht gut. Als Polylux damals auf Sendung ging war ich ca. 16 und fand Tita von Hardenberg irgendwie süß, weswegen ich immer mal wieder eingeschaltet habe, ihr Gesicht wurde jedoch im Laufe der Jahre immer schiefer, bis es zur vollendeten Ironieschnute verzogen war und die Stimme immer nörgeliger. Nölender. Nasaler. In den letzten 4 Jahren habe ich mir bestenfalls noch 3 Sendungen angesehen und es war immer schlimm. Darum hätte ich, wenn Harald Schmidt in einem kurzen, aber prägnanten (hehe) Einspieler nicht drauf hingewiesen hätte, fast versäumt, dass ja gestern die letzte Sendung lief.

Und in dieser Abschiedssendung hat man noch einmal alles in komprimierter Form dargeboten, was an dieser Sendung so schrecklich war. Diese extreme Selbstgefälligkeit, die jegliche Kritik entweder ausblendet oder mit einem an Ironie erinnernden Nebensatz abtut. Es ist natürlich das gute Recht der Redaktion, sich in der Abschiedssendung selbst zu feiern, sich aber unter völliger Verkennung der Realität als Trendsetter und Diskursinitiator darzustellen (und dieses wiederholt den Leuten einzutrichtern), war diese typische Polylux-Sichtweise, die es so unansehbar machte. Henryk M. Broder, der so unfassbar erwartbares Zeug von sich gegeben hat. Er hält es wie gehabt für einen genialen Einfall, aus reinem Selbstzweck genau das Gegenteil gut zu finden vorzugeben, was „die anderen“ (Gutmenschen, Blogger, Deutsche, was weiss ich) schlecht finden und nennt deswegen Sendungen wie 9Live als Alternative zu Polylux. Es tut mir leid, zu Broder immer das gleiche zu schreiben, aber da kommt halt nichts neues mehr.

Man hat noch einmal eine Menge Trends und Subkulturen vorgestellt, die man entdeckt hat (mein Favourit fehlte leider: tanzen und performen, während man Kuchen isst) und eine Handvoll, welche man noch in der Schublade hatte, jetzt wohl aber nie Bekanntheit erlangen werden, bzw. dann ja irgendwann bei Spiegel Online. Darunter der langweilige Wiedergänger „Kassenbrille“, ein Trend, der alle paar Jahre genau wie die Schlaghose wieder auftaucht und eines dieser typischen Hobbies, die sich eine Hipsterclique ausdenkt und deswegen zur neuen Subkultur erklärt wird: Midnight Knitting! Das Stricken um Mitternacht in coolen Klamotten mitten auf der Straße. Vielleicht hieß es auch Street Knitting, so genau weiss ich das nicht mehr. Wäre es nicht jetzt zu spät, könnte man einen Polylux-Trend-o-mat programmieren mit folgenden Parametern:

– Zeit (Midnight, Sommer, nach dem Orgasmus…)
– Ort (Straße, Bäckerei, Fabrikhalle…)
– Tätigkeit I (stricken, backen, ficken…)
– Tätigkeit II (tanzen, gehen, spielen…)
– Kleidung (nackt, Hipster, bieder, Babykleidung…)
– Person (Student oder Sonderling. Bei Polylux gibt es nur Studenten und Sonderlinge)

Man kann diese Parameter beliebig variieren und so eine eigene Sendung produzieren, sollte man sie doch vermissen.
Verzichten muss man auf Promis, die (Leserbriefphrase) ihren Senf dazugeben (/Leserbriefphrase), zum Beispiel Markus Kavka (nackt, Student, sich an Fleischhaken aufhängen lassen, Fabrikhalle) oder Desirée Nick (Klemmschwestern. Tunten, Transen, Trienen.) Das ist aber verschmerzbar.

Es erscheinen dieser Tage so viele Nachrufe, dass der Polylux-Freund in Foren oder sogenannten Blogs kommentieren könnte, die Sendung polarisiere eben. Aber das tut sie ja nicht. Selten durfte man so viel Einigkeit darüber ausmachen, dass es gut ist, dass eine Sendung weg ist.
Aber deswegen ist Broder ja auch usw…

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4 Antworten zu Mach das Licht aus, wenn Du gehst

  1. Steffi schreibt:

    Polylux…Polylux… kenn ich das? Ich weiß es nicht, aber klingt, als hätt ich nichts verpasst. Dann ist es ja gut.

  2. masawe schreibt:

    Warum schmeissen alle noch der Tita noch Sympathiepunkte hinterher? Ich fand sie ehrlichgesagt den angstrengensten Tei der Sendung und ihre „Ironieschnute“ in Kobination mit der ueberfluessigen Sendung habe ich nur drei Mal ausgehalten.
    Eigentlich habe ich den Kram nur gesehen, weil Harald schmidt immer nur so kurz war…

  3. meistermochi schreibt:

    ich hab nach wie vor nix dagegen.

  4. Sanja schreibt:

    die aufgezählten parameter klingen nach nem reinem erfolgsrezept. dass sowas nicht funktioniert hat? und das bei einem publikum, welches sich freiwillig popstars und deutschland sucht den superstar ansieht…

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