Abgeriegelt

Morgens, halb neun, es ist Sonntag. Ein luzider Zustand zwischen Wachen und Träumen, ein Paradies der Ruhe, an einem Sonntag sollte man die Freiheit haben, dieses Gefühl so lange genießen zu dürfen, wie man will. Im Bett liegend werde ich von Steffi geweckt, was ist los?

Megaphone. Die Durchsage, dass alle Häuser zu räumen sind. Straßen werden abgeriegelt, bedrohlich uniformierte Polizisten patroullieren auf den Wegen. Motorräder, Kastenwägen, Straßenhütchen, Barrikaden. Chaostage am Kehrwochentag, es muss schlimm sein für alte Menschen.

Man ist diesen Aufmarsch an Uniformierten nicht gewohnt in dieser Ecke, es wirkt beängstigend. Obwohl er nichts getan hat, kriegt der Durchschnittsdeutsche ein schlechtes Gewissen, sobald er einen Polizisten sieht. Warum ist das so? Und wie fühlen sich Bürger in einem „echten“ Polizeistaat? Ständig ein schlechtes Gewissen? Da würde ich auch durchdrehen.

Die Randale bleibt vorerst aus. Etwaige Bilder, die gegenteiliges zeigen, wurden in Nepal aufgenommen oder in Berlin, hier ist alles in Ordnung. Todesmutig verharren wir als embedded citizen journalists, um die Szenerie mit der Kamera aufzunehmen und via Blog nach außen zu tragen. Free Stuttgart!

Regimekritiker werden mit Bussen abtransportiert und in Turnhallen interniert. Wir halten die Stellung, für einen WM-Boykott ist es jetzt zu spät, jetzt setzen wir unsere Hoffnung in die Politik. Diplomatische Lösungen versagen, es muss gehandelt werden!

Vielleicht übertreibe ich aber auch ein wenig und wir sind einfach auf der richtigen Seite, während jenseits der Grenze eine alte Fliegerbombe entschärft wird. Aber man weiss ja nie. Wir sind bereit.

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9 Antworten zu Abgeriegelt

  1. greezer schreibt:

    du bist doch einfach krank xD

  2. MuGo schreibt:

    Habt ihr ein Glück, dass ihr auf der richtigen Seite wohnt – wenn ich auf irgendwas keinen Bock hätte, dann darauf meinen Sonntag in einer Turnhalle verbringen zu müssen, obwohl meines Wissens nach noch nie eine Fliegerbombe bei der Entschärfung in die Luft geflogen ist, weil die Sprengmeister aus irgendeinem Grund es selten daruf anlegen zu sterben. Andererseits wäre das eine gute Gelegenheit, Mathe nicht machen zu müssen!

  3. MuGo schreibt:

    Oh, und weil es mir gerade auffällt, dass ihr auch diese Gitter vor den Dachfenstern habt: Wofür sind die eigentlich gedacht? Dass keine Blumentöpfe runterfallen können?

  4. Sebastian schreibt:

    Wofür die eigentlich sind, weiss ich auch nicht, sie taugen aber als Getränkekühler 🙂

  5. Niels schreibt:

    Hatten wir auch schon zweimal hier. Einmal Fliegerbombe – da mussten wir raus werktags spätnachmittags. Einmal selbstgebastelte Laborate eines übereifrigen Chemie-Studenten. Da waren wir zum Glück knapp außerhalb des Räumungsbezirks.

    Und ab und zu kracht’s tatsächlich. Die Dinger sind nach wie vor gefährlich: sueddeutsche.de.

  6. hirngabel schreibt:

    Ich denke die Dinger sind Dachschneelawinenabbremsgitter – oder wie auch immer der Fachterminus ist.

    Ansonsten: Gelungene Textidee! =)

  7. Ivy schreibt:

    Hirngabel hat recht… wobei die Wahrscheinlichkeit von Schnee im Stuttgarter Kessel diese Gitter nicht rechtfertigt… eher wird es durch das gegen Null gehende potentielle Risiko erklärt bei der Kehrwoche einen Viertel Liter mehr Schnee räumen zu müssen als Nachbars – nach schwäbischen Demokratieverständnis ein Unding.

    Aber wie bitte kann im 400mal umgegrabenen Canstatt eine Fliegerbombe bis ins Jahr 2008 übersehen worden sein? Nachplatzierung staatfeindlicher Kräfte?

  8. MuGo schreibt:

    Vielleicht sind dieses Gitter dann sowas wie ein Beschwörungsritual – wenn wir sie überall aufbauen schneit es vielleicht auch irgendwann so stark, dass sie notwendig sind.

  9. matt schreibt:

    dass die schergen einen aber auch immer wecken müssen…

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