Dies ist nur ein Grotesksong

Ach. Du. Scheisse. Ich musste jetzt erstmal ewig hin- und her überlegen, wo ich diesen Scheiss unterbringe: Ins msbwy, weil es ja irgendwie, also rein technisch, mit viel Liebe […] (Stunden später) Musik ist, oder ins craplog, weil ich mir ob der hirnverbrannten Scheisse, die ich da eben gehört habe, die Ohren abschneiden wollte. Mit einem Löffel. Ich meine, ich habe jetzt grad 3x das Wort Scheisse benutzt, das kommt auch nicht von ungefähr. Aufgrund des grotesken Charakters des Einspielers, der gleich folgt, habe ich mich für den Abfallkalender entschieden. Und für’s craplog. Ach, und für’s msbwy. By your powers combined!

Also, eben, bei Schmidt und Pocher, wurde es schon gezeigt, ich war so perplex, dass ich den Rest der Sendug nicht mehr klar denken konnte. Ich halte ja Hirnfrost nach wie vor für eine von Roseanne lancierte Urban Legend, aber Synapsenbrand, das gibt es, das habe ich eben gehabt nachdem ich dieses Video von Bernd Stelter gesehen habe:

Lebt denn der deutsche Holzmichl noch? Ja, der deutsche Michl lebt offensichtlich, auch wenn ich nie an ihn geglaubt habe (stilistische Dopplung: eigentlich hat sich die Legende schon früher in Luft aufgelöst.)

Meine Fresse, hier kommt ja alles zusammen: Karneval, Blut-Schweiss-Sperma-Durchhalteparolen, Jürgen Rüttgers zeigt demonstrative „Mit uns nicht!!!111“-Volksnähe. Eingebunden in absolute Arhythmik und dem, was „Die Deutschen *schluchz*“ (Copyright Matthias Matussek) am besten können: Klatschen.

Der Bandwurm aus tieftriefigem Patriotismus (ich erhebe an dieser Stelle schonmal sämtliche Ansprüche an das Wort Køltørbereicherer, hihi) setzt sich, selbstverständlich, in den Kommentaren fort. So sagt z. B. Tassimausi:

Super !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Danke Bernd

Oder auch sehr schön tomtotal:

Hier spricht das Volk – Danke Bernd !!!

Aber am schönsten sagt es wohl schoggotv:

Das Lied gegen Nokia könnte noch zum Klingelton im laufenden Fasching werden.
Bernd Stelter, Dein Anti-Nokia Lied ist super, Danke!

PS für Nokia: Seht Euch das Video mit dem Anti-Nokia Lied gut an, so klingt und klingelt’s, wenn ein Volk zusammensteht und ziemlich wütend, dabei nicht machtlos ist.

bzw. xania2008:

Den Klingelton nehm ich sofort

Klingeltöne! Klingeltöne! Das ist also der neue Protest. Klingeltöne, nein: Protestklingeltöne! Auch für Nokia. Da muss man auch erstmal drauf kommen. Erstmal high-five an Bernd Stelter, dass er aus der Misere der Bochumer Arbeiter, die mir im Übrigen wirklich leid tun, noch ein paar Kröten zu ziehen vermag und nochmal dafür, dass hier sicher die volle Distanz der Verwertungskette gegangen wird. Bis zum Klingelton, welcher sich in der Verwertungsnahrungskette (gleich nochmal Besitzansprüche anmeld) bekanntlich ganz weit unten befindet.

Disclaimer: Ich halte Nokia im Übrigen für eine sehr gute Marke. Mein erstes Handy, das 3210, hat mir lange gute Dienste geleistet. Überhaupt war es seinerzeit das meistverbreitete Handy, weil’s einfach geil war. Das 6610i war auch sehr gut. Idiotensicher. Jetzt habe ich ein Motorola und das ist nur okay. Nokia: Daumen hoch!

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23 Antworten zu Dies ist nur ein Grotesksong

  1. Sebastian schreibt:

    Die Tatsache, dass eine Minute nach dem Reinstellen des Beitrags der erste Besucher mit dem Suchbegriff anti nokia song eingetrudelt ist, lässt schonmal Übles ahnen. Nur, dass ihr Bescheid wisst.

  2. Sanja schreibt:

    omg… naja, aber die einzige variante leuten zu zeigen, was ein imageschaden alles anrichten kann. und an tausenden arbeitsplätzen hängen auch ebensoviele familien dran..
    äh, hast du das schon gesehen: http://www.nokiaboykott.com/

    ich war mit siemens immer sehr zufrieden, obwohl das auch eine nazifirma ist, die juden ausgebeutet hat… verdammt – ich sehe schon, nach dieser info wird das in österreich zu DEM lieblingshandy

  3. Sanja schreibt:

    produktverweigerung… die einzige form widerstand zu leisten… verdammt..

  4. Sebastian schreibt:

    Die Seite ist ja auch wieder Realsatire pur: „Sehr geehrte Nokia-Firmenleitung! Ich bin über Ihre Vorgangsweise […] mehr als skandalös.“

  5. MuGo schreibt:

    Oh Mann, ich liebe Deutschland!

    Zum Protestverhalten: Ich kaufe schon keine Bioäpfel aus der Südhalbkugel, dann hörts aber auch langsam auf mit Nachhaltigkeit. ich werd später eh mal Dientleister, da kann mir die Ausbeutung des ersten und zweiten Beschäftigungssektors schnurzpiepegal sein…

  6. Ich kann das Lied nicht sehen und geh‘ garnicht erst auf Suchmaschinensuche, da komme ich ja sowieso nur wieder hier her. Aber zu dieser netten Boykottseite einfach mal zwei kurze Zitate, erst eines von besagter Seite, dann eines von Wikipedia’s Seite über Nokia:
    „Über Jahre hinweg hat das Unternehmen Nokia über 88 Millionen Euro an Subventionen eingestrichen[…]“
    „Der Gewinn von Nokia betrug 2007 € 7,2 Mrd.

    Ich habe noch nie irgendwas von Nokia besessen, ihr verdammten Boykottheinis! Wenn alle so wie ich wären, dann hätte es das Werk in Bochum garnicht gegeben und es müsste damit auch nicht geschlossen werden. Dann müsste auch keiner Meckern.

    Niedlichst ist ja auch die „Unterschriftenaktion“ mit Kommentaroption. Das ist so, als würde man einem Berufspendler einen Brief schicken, der ihn auffordert mit dem Rad zur Arbeit zu fahren, damit die Umwelt geschont wird. Das interessiert den nicht die Bohne. Aber was will man von einem Volk, bei dem „Ich bin ein Star – hilt mich hier raus!“ einen Marktanteil von >21% hat, auch erwarten.

  7. MuGo schreibt:

    @Heinz:

    Wahrscheinlich einer der besten Kommentare, die zu diesem Thema veröffentlicht werden können…

  8. Tante Maike schreibt:

    Ich will jetzt endlich mal wissen wie alt Torfstecher ist!?
    Das nur mal so nebenbei.Und nebenbei auch,wir alle hätten uns früher überlegen müssen ob wir es nicht vorziehen sollten deutsche Produkte zu kaufen,ich denke das hätte Sinn!
    Und auch wenn eine deutsche Firma auf dem Produkt steht,sobald die 12stellige EAN Nummer unter dem Strichcode,welcher an der der Kasse angescannt wird, nicht mit 400 anfängt wurde es im Ausland gefertigt ok?
    400xxxxxxxxx bedeutet in Deutschland produziert.
    Und ich kriege schon wieder soooo einen hals wenn ich heute von meiner Mutter höre das meine liebe große Schwester nun 25Stunden die Woche für Toys r`us arbeitet,ok.Für 1,30Euro die Stunde! Kotz!
    Aber was können wir schon tun?

  9. Dennis schreibt:

    Das ist doch der Punkt… Bei 1,30€ die Stunde deutsche Produkte kaufen? Das bekomme ich ja bei 9€ kaum hin… Hätte gerne E-Geräte von Miele…

  10. Tante Maike schreibt:

    Und was meinst du können wir ändern? Billiggeräte aus dem Ausland kaufen weil wir uns nichts deutsch produziertes leisten können aber gleichzeitig unsere Wirtschaft kaputt machen? Ja wo ist der Ausweg? Ich weiss es ja auch nicht?
    Oder wir geben einfach auf und begeben uns in fremde Hände?
    Fahr wenigstens deutsches Auto ,gibt auch billige.
    Upps!Ich finde echt kaum weitere Produkte die ich mir ebenfalls leiten könnte!
    Ja was machen wir denn nun?

  11. Sebastian schreibt:

    Heinz hat schonmal geantwortet, wie alt er ist: 21 oder sowat. Aber warum ist das wichtig? War doch ein guter Beitrag.

    Außerdem geht mir die ganze Nokia-Suppe eher so am Arsch vorbei, was mir allerdings auf den Sack geht ist das opportunistische Handeln Stelters, das anbiedernde Verhalten Rüttgers und das angstmachende „Nicht mit uns Deutschen!!11111*brüll*“ des Klatschviehs.

    Das ganze hat auch nichts damit zu tun, ob deutsche Produkte gekauft werden oder nicht. Die Entscheidung Nokias (Finnland), den Standort zu wechseln hat rein garnichts damit zu tun, wieviel sie verkauft haben (sie haben doch nen guten Gewinn gemacht), weswegen ich den Schlenker in diese Richtung mal so garnicht nachvollziehen kann.

    Harald Schmidt hat mit dem Hinweis auf die „Kauft nicht beim Finnen!“-Argumentation sehr schön darauf hingewiesen, wohin diese Stimmungsmache (tätä) letztendlich führt. Hier werden wieder blöde Ressentiments geschürt mit der „Wir stehen zusammen“-Masche, welche mir ja immer ein wenig Angst macht.

    Und ich werde mir sicher auch nicht von irgendwelchen abgehalfterten Komikern mit geklauten Schlagermelodien und Reimen auf dem Niveau der ersten Klasse meine Kaufentscheidung diktieren lassen. Was will er mir denn sagen? Dass Nokia scheisse ist, aber alle anderen Handyfirmen gut? Kann ich mir jetzt z. B. beruhigt ein Motorola kaufen, weil die ganz sicher kein Dreck am Stecken haben? Das ist alles tumbster Populismus.

    Was Deutsche *schluchz* (copyright Matthias Matussek) Produkte angeht, warum soll ich mir minderwertige Ware kaufen? Wie Siemens seine Mobil-Sparte locker gegen die Wand gefahren hat, kann man hier nachlesen.

    Sorry, aber meine Kaufentscheidungen mache ich am Preis fest und an der Qualität. Aber sicher nicht an der Standortentscheidung eines Konzerns.
    Die Politik will Kapitalismus, jetzt soll sie auch die Konsequenzen tragen und nicht scheinheilig auf Solidarität machen.

  12. Dennis schreibt:

    Dank ausländischer Produkte bekommt man das Brot vom Teufel geschmiert und mit dickem Bauch ist schwer zu protestieren. Deutschland selbst kann global nur im High-End-Segment punkten, die kleinen deutschen Autos kommen übrigens aus Ost-Europa ;- Ich fahre ein japanisches, da mich eine Stunde Werkstatt 12 Stunden Arbeit kosten würde (deutscher Klein/Mittelklasse-Wagen? Ich bin geheilt…). Im Moment bin ich echt froh, Dienstleister zu sein. Wenn Konkurrenz aus dem näheren Ausland kommt, dann deswegen, um mehr Geld als zuhause zu verdienen. Wenn ich ihm dann seine Fahrkosten und meinen Stundenlohn vor die Nase halte, dreht der gleich wieder um. Ich bin im globalen Deutschland angekommen.

  13. Tante Maike schreibt:

    Also gut gebens wir auf,geht eh alles kaputt und jeder ist sich selbst am nächsten.Dankt einem eh keiner (mir jedenfalls nicht,hab keine Nachkommen).Haben auch kein Auto,aber Mann träumt von Citroen,braucht mann ja um Arbeit zu finden!
    Ich denke auch nicht das die Dienstleister aus dem Ausland etwas dagegen haben die Fahrtkosten durch umzug hierher zu sparen.
    War heute im Roten Hahn,tote Siedlung,jede zehnte Wohnung steht leer.
    Trotzdem war das noch nicht immer die Antwort auf meine Frage;
    was sollen wir tun?
    Hauptsache mir gehts jetzt und heute gut?
    Ist das ok?

  14. Dennis schreibt:

    Was die Nokia-Geschichte (und ähnliche) angeht, da sagt Basti´s Link wohl alles aus. Und was deutsche Produkte angeht: Die sind gar nicht für deutsche gedacht. Zumindest nicht für Klein/Normalverdiener wie mich.

  15. Frank schreibt:

    In Bochum gab’s einen Bus mit der Endhaltestelle „Bochum Riemke – NOKIA“. Ob die wohl weiter existieren wird?

  16. Dennis schreibt:

    Solange es eine End(-)haltestelle bleibt…

  17. Tante Maike schreibt:

    Schade aber wohl wahr,wir alle werden weirer billige Auslandsprodukte kaufen müssen und nebenbei geht unsere eigene Wirt5schaft kaputt,schade ,aber so isses halt.

  18. Mir ist egal, wo die Produkte herkommen, die ich kaufe. Das Preis/Leistungsverhältnis muss stimmen. Und nein, ich kaufe nicht in erster Hinsicht BILLIG. Ich kaufe eigentlich garnicht billig. Ich kaufe gute Produkte, welche die meisten anderen schon nichtmehr anschauen, weil sie zu teuer scheinen. Und ich verdiene auch nicht viel Geld, aber mir ist Quallität noch etwas wert. Und wie schon gesagt: Wo die Sachen herkommen, interessiert mich nicht. Arbeitslos wird sowieso irgendwo jemand, und ich helfe lieber den Leuten in Ungarn, die noch viel weniger Geld haben, als den Hartz-IV-Empfängern. Ich würde eher meckern, dass die nicht nach Ungarn, sondern nach Afrika oder Asien auslagern sollten, wo die Menschen noch ärmer sind und Infrastruktur nch mehr nötig haben. Aber wir sind ja alle so kleine Klimaschützlinge.. und wenn die Industrie auch noch diese Ländern aus der 3. Welt herraushebt, dann gute Nacht Klima. Also wenn man will, dann kann man immer meckern.

    Und ja, ich weiß, es ist schwierig mit wenig Geld auszukommen. Aber wie sind wir da hin gekommen, dass sich keiner mehr die Produkte leisten kann, die er selbst produziert? Die Frage muss geklärt werden, damit die Entwicklung rückwärts laufen kann. Ich fand ja, dass die Debatte über Managergehälter viel zu schnell aus den Medien raus war, hätte mich wirklich interessiert, wie das weitergegangen wäre.
    Aber nicht, dass jetzt jemand auf die Idee kommt, dass ich die Managergehälter dafür verantwortlich machen will..nene. Ich mach die Konsumenten dafür verantwortlich.

  19. MuGo schreibt:

    Um auch noch etwas zur Debatte zu sagen; auch wenn es nach unverbesserlichem Ökohippie klingt, aber trotzdem…:

    Im Endeffekt ist alles außer Infrastruktur (also Wohnung; Strom; Wasser; Möglichkeit, von A nach B zu kommen; evtl. noch ein paar unverzichtbare Versicherungen) und Nahrung und Klamotten purer Luxus. Wir müssen es nicht kaufen, aber logischerweise wollen wir es. Aber man kann halt nicht erwarten, dass man ein erstklassiges Handy, das unter fairen Bedingungen produziert wurde, billig bekommt – es ist und bleibt ein Luxusartikel. Und Luxusartikel unterliegen nunmal dem freien Markt. Wer also sowas haben will, der muss dann auch zahlen, was drauf steht.

  20. Sebastian schreibt:

    MuGo, Heinz: Sind eigentlich schwule Dreierehen erlaubt?

  21. Sebastian schreibt:

    Maike: Ein deutsches Unternehmen kann richtig satte Gewinne machen – wenn es in Rumänien billiger herstellen kann, wird es da hinziehen. Wenn ein amerikanischer Maschinenbauer merkt, dass er vernünftige Lasersensoren nur in Deutschland kriegt, wird er hier ein Werk aufmachen – auch wenn er sein Produkt hier garnicht anbietet.

    Du musst lernen, dass Absatzmarkt und Produktionsstandort inzwischen zwei völlig verschiedene Faktoren sind. „Kauft deutsche Produkte, um die deutsche Wirtschaft anzukurbeln“ ist in dieser Hinsicht einfach veraltet. Das nennt man Globalisierung. Ich sage das völlig wertfrei, das ist einfach so.

    Und in der Globalisierung muss Deutschland seinen Weg halt finden. Wie Dennis schon sagt, wird das eher im High-End-Segment sein, ein hoch auf die deutsche Ingenieurskunst *gg*
    Wobei ich persönlich davon ausgehe, dass sich in dem Bereich in den nächsten Jahren sehr viel angleichen wird, so dass das politische Umfeld und tatsächlich auch wieder das Rohstoffvorkommen ein viel entscheidenderer Faktor sein werden.

  22. MuGo schreibt:

    Außerdem hat Deutschland im Großen und Ganzen von der Globalisierung profitiert – schließlich wäre Deutschland nicht Exportweltmeister (so ein Wort können sich nur Deutsche ausdenken…), wenn nicht alle anderen Länder ihre Grenzen für Fertigprodukte aus anderen Ländern prinzipiell geöffnet hätten.

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