Wir werden alle sterben.

Ja, das muss man realisieren. Irgendwann ist es so weit.  Spätestens genau heute in dreißig Jahren, also am 19. Januar 2038, so kurz nach 03:14:08 Uhr UTC. Wenn Toaster explodieren, Mikrowellen durchdrehen, Flugzeuge abstürzen, Atommeiler in die Luft fliegen und auf der ganzen Welt Atomraketen von Computersystemen wild umhergeschossen werden.

Warum das ganze? Ganz einfach ausgedrückt und weil es noch vielen im Gedächnis ist: Ein ähnliches Problem wie die Jahr-2000-Problematik, nur viel, viel schlimmer. Denn dieses mal ist es die UNIX-Zeit( genauer: den POSIX-Zeitstandard), die Probleme bereitet; dagegen ist das Y2K-Problem ein Lacher gewesen. Dieses mal sind es nicht die Zeitstempel irgendwelcher Dateien, sondern der generelle Zeitstempel.

Ein kleines Beispiel: Ihr surft am 19. Januar 20038 um 04:14:07 (also 3:14:07 UTC+1) im Netz, klickt auf einen Link. Der Server, der diese Anfrage bearbeitet, hängt sich in einer Dauerschleife auf, da für ihn die Anfrage um 04:14:07 im Jahr 2038 gesendet wurde, seine Antwort aber am 13. Dezember 1901  21:45:52 gesendet wird und damit die Antwort 137 Jahre vor der Anfrage kommt.

Wieso das so ist? Nun, POSIX ist ein Zeitstandard, der seit dem 1. Januar 1970 00:00:00 UTC jede Sekunde mit Hilfe einer 32-Bit-Variablen zählt und so ziemlich in den meisten Computersystemen verwendung findet. 32-Bit-Zahlen fassen genau 2147483648. Gezählt wird aber nur bis 2147483647, das letzte Bit ist für das Vorzeichen reserviert – und da ist das Problem: Nach eben diesen 2147483647 Sekunden wechselt das Vorzeichen, die Zeit wird negativ und wir springen vom Jahr 2038 zurück zu 1901.

Das schönste an der Sache: Die Zeit nach POSIX ist so verbreitet, dass die meisten elektronischen Geräte mit Zeitgeber danach funktionieren. Aber Panikmache ist trotzdem nicht angebracht, wie eigentlich nie. Also mein Szenario ist relativ Unwahrscheinlich (aber dieses mal wenigstens nicht so unmöglich wie beim Y2K-Problem). Es muss nur die Zeitzählvariable auf 64-Bit umgestellt werden, damit kommen wir dann weitere 290 Milliarden Jahre aus, was eigentlich reichen sollte. Aber allein dadurch ist das Problem nicht beseitigt, da viele Programme garnicht 64-Bit-Kompatibel sind (nicht mal euer „schönes WindowsXP“ ist es, denn ich denke die wenigsten von euch werden es in der 64-Bit-Variante bzw. gar Vista-64-Bit nutzen) und somit noch die Überprüfung der ganzen Programme ansteht. Das ist ein unglaublicher Aufwand verglichen mit dem Y2K-Furz, der sowieso nichts angerichtet hätte. Also Leute, baut euch Bunker, legt Vorräte an, sammelt Antibiotika und andere wichtige Medikamente. Das Jahr-2038-Problem kommt, und diesmal wird es wirklich ernst. Panik!!einseinself

(Nebenbei bemerkt: Nächstes Jahr steht ein schönes Jubiläum an, am 13. Februar 2009 23:31:30 UTC ist es der Zeitzähler bei 1234567890! Und: Ich freue mich jetzt schon auf die Panikmache in den Medien.)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter liest eh keiner abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Wir werden alle sterben.

  1. MuGo schreibt:

    Also wenn ich das Problem richtig verstanden habe, müsste man einfach nur verhindern, dass am 19. Januar 2038 um 04:14:07 (also 3:14:07 UTC+1) ein befehl ausgeführt wird – dann kann die Rückmeldung schließlich nicht mehr in der Vergangenheit liegen. Ist vielleicht bei computergesteuerten Uhren ein bisschen unpraktikabel, aber es sollte ja wohl kein Problem sein, die meisten Rechner (auch angeblich unverzichtbare Dinger, die Tag und Nacht laufen müssen) einfach kurzzeitig auszustellen. Und außerdem: Dann stürzen die Rechner halt ab – aber welcher Idiot wird auf die Idee gekommen sein, Atombomben starten zu lassen, wenn ihr Rechner abgestürzt ist? Der gleiche, der beim Boeing Dreamliner die Navigationsgeräte über den Internetzugang der Passagiere laufen lässt?

    Trotzdem: meiner Erfahrung nach kann ein Computerabsturz maximal zu Datenverlust führen – und dazu, dass gewisse computergesteuerte Sachen wie Kläranlagen oder Flugüberwachungspaneele nicht mehr arbeiten. Zugegeben, dumme Sache, aber in deswegen wird ein Atomkraftwerk schon nicht in die Luft fliegen, wenn man es einfach vor diesem Datum runterfährt und ein bisschen mit den Zeitparametern der implementierten Programme rumspielt (keine Angst, ich habe selber nur eine vage Ahnung, was ich da gerade gesagt habe…). Glaub ich jetzt einfach mal. Und wenn doch: Ich bin dann 52 und werde eh‘ keine Rente mehr bekommen – scheiß drauf!

  2. Es ist nicht so einfach „alles auf einmal“ abzustellen. Das geht nicht. Es muss nach und nach geschehen, der Aufwand ist aber trotzdem nicht zu unterschätzen.

  3. Sebastian schreibt:

    Alle 2 Sekunden gebärt auf der Welt eine Frau ein Kind. Jemand muss sie finden und aufhalten!

    Hm, aber ich finde solche Zahlenspielereien sehr interessant. Ich verstehe nichts davon, aber ich lasse sowas über mich rüberfließen und fühle mich dann cyberpunkig.
    Also meinetwegen kann das Jahr 2038 kommen. Hauptdsache mein schläfeninduziertes Datajack stürzt nicht grade dann ab, wenn ich in der VR irgendnen Mist baue.

  4. Ivy schreibt:

    Was mir bei der Berechnerei fehlt ist die statistische Wahrscheinlichkeit, dass wir in 30 Jahren… was angesichts der fortschreitenden Verdopplung des Wissens… entweder noch mit diesen altmodischen Dingern arbeiten, ein Internet überhaupt noch existiert oder wir nicht in Höhlen zurückgekehrt sind ( prognostizierter Weltuntergang durch die Astronomen ist glaub 2029 dank Meteoriteneinschlag ).

    Bis dahin haben mich statistisch gesehen sowieso Sex, Drogen und Alkohol dahin gerafft… oder mein Alzheimer.

  5. Tante Maike schreibt:

    Hallo Torfstecher!Ich beneide dich sehr darum dir keine anderen Gedanken zu machen!Auch ich habe scheiss Angst vor dem Ende und wie das wird aber bitte nicht heute!Wir sind doch soooo jung!Wat soll dat?Danke Basti!Für deinen Kommentar!Nun lebt doch erst mal ihr seid so jung,und macht euch mit 70 meinetwegen Gedanken!Dann geht es euch so gut das ihr keinen anderen Probleme habt?Torfstecher wie alt bist du denn?

  6. Übersetztes Zitat von hier: „Die größte Gefahr beim Jahr-2038-Problem ist seine Unsichtbarkeit. Das berühmtere Jahr 2000 ist eine große, runde Nummer, selbst Computermäßig Ungebildete können sich sehr schnell ausmalen, was passiert, wenn 1999 zu 2000 wechselt. Aber der 19. Januar 2038 ist nichtmal annähernd so offensichtlich. Die Softwarekonzerne werden vielleicht nicht daran denken ein Jahr-2038-Szenario zu testen bevor das jüngste Gericht zuschlägt. Natürlich wird es vorher schon ein paar Warnungen geben. Planungssoftware, Rechnungssorftware, Erinnerungskalender und andere Software, die Daten in der nahen Zukunft setzt wird ausfallen sobald eines der Ziele überschreitet den 19. Januar 2038, vorrausgesetzt es nutzt t_time um diese zu speichern.
    Aber die gesunder Paranoia, die die Suche nach Y2K-Bugs umgab, wird nicht da sein.“

    Ivy hat natürlich genau das richtige Argument gebracht – wer weiß schon, was wir in 30 Jahren nutzen werden. Wenn wir mal an die Zeit zurückdenken, als der Zeitstandard beschlossen wurde – das war 1969 – dann muss man sagen, dass damals gerade wer auf dem Mond rumgestapft war. Denken wur 30 Jahre zurück, dann wurden da Johannes Paul I und II zum Papst gewählt – Computer waren da noch nicht wirklich erfolgreich. Vor 20 Jahren war gerade die Zeit von Amiga 500 und Atari 1040ST (mein Favorit 😉 ) – PC’s waren damals noch weniger verbreitet als die beiden ebend genannten. vor 10 Jahren gab es gerade Windows 98 (dann später WIndows ME, wobei ME für MORE ERRORS stand, was eigentlich kaum möglich war – aber MS hat bewiesen, dass Unmögliches doch möglich ist), die DOTCOM-Blase fing gerade an zu wachsen, das Jahr-2000-Problem fing an die ersten zu interessieren. Also was in dreißig Jahren sein wird, kann man heute nicht vorraussehen. Ich werde mich auch nicht aus dem Fenster lehnen und Sachen wie dieses Bill Gates zugeschriebene Zitat bringen: „640 kB ought to be enough for anybody.“. Das Problem ist aber wie gesagt, dass selbst grundlegende Sachen mit diesem 32-Bit-Zeitstempel arbeiten. Davon ausgehend, dass in den nächsten 10 bis 20 Jahren niemand an der Problem denekn wird beim Programmieren kann man aber annehmen, dass es doch das ein oder andere Programm geben wird, dass nicht damit klarkommt. Und Regierungen kaufen auch nicht alle 5 Jahren neue Computer für ihre Atomtechnik, Atomreaktoren schon garnicht. Gut, die werden natürlich auf jeden Fall überprüft werden. Aber das soll nur verdeutlichen, dass selbst bei gefährlicher Technik auf alte, bewährte Hardware zurückgegriffen wird, gerade WEIL die weniger Probleme macht. Ob sich dieses Denken innerhalb von 30 Jahren ändern wird, ist sehr fraglich.

    @Tante Maike: 21. Und ich denke dabei doch nicht an meinen oder andere Leute Tod nach, das ist bloß die reißerische Überschrift, die das suggeriert. Heute in 30 Jahren wird nur wieder ein Tag werden wie am 31.12.1999 und es ist besser, wenn man das frühzeitig erfährt mit ordentlich Hintergrund statt durch irgendwelche Panikmache in den Medien. Außerdem stimmt es nicht, dass ich mir nicht auch um andere Sachen Gedanken mache, mich beschäftigt immernoch MKULTRA, sensorische Deprivation & weiße Folter, die Red-Queen-Hypothese & das Alice-im-Wunderland-Syndrom, denke darüber nach, ob man in die Vergangenheit aber nicht in die Zukunft blicken könnte und was ich ab 16. Mai mache. Ich schaffe es nichtmal Musik zu hören ohne sie zu analysieren oder an Primaten zu denken wenn mir jemand einen einfacheren Weg zeigt um etwas bestimmtes zu tun.
    Wie ich heute, meine Vermutungen bestätigend, auf arte gesehen habe ist man glücklicher, wenn man weniger nachdenkt und hinterfragt. Aber wenn das alle so machen würden – wo wären wir dann heute? Dazu empfehle ich einfach mal Mike Judge’s nicht wirklich anspruchsvollen, deswegen aber nicht minder wichtigen und mit erschreckender Gesellschaftskritik versehenen Dystophie „Idiocracy“. Und dann habe ich neulich Kritik über die Konsumgesellschaft gesehen, die kritisiert, dass man sich doch über alle Kaufalternativen informieren müsse, aber es garnicht schafft mit den Entwicklungen Schritt zu halten. Aber das sind schon wieder ein ganz andere Themen, über die ich vielleicht ein anderes mal schreiben könnte.

  7. MuGo schreibt:

    Och, ich finde das schon okay – ich bin zu fatalistisch, um mich um so etwas zu kümmern. Gut, dass es jemand anderes tut. Denn auch ein Fatalist hat eigentlich nicht vor, demnächst zu sterben.

    @Ivy: Ich dachte, der Meteoriteneinschlag kommt erst 2100? 2029 war doch, wann die Grenzen des Wachstums erreicht sein werden und unsere Kultur zusammenbricht. Oder fällt das glücklicherweise zusammen?

  8. Ivy schreibt:

    @Mugo: Ich müsste das in meinem Kalender nachgucken, aber ich hoff echt das fällt auf einen Tag, dann muss ich nur einmal zum Friseur.

  9. Ivy schreibt:

    @Mugo: Shit… Es ist 2036, ein Komet namens Apophis, aber nachdem die Kultur dann eh schon zusammengebrochen ist, ist das mit meiner Frisur ja auch egal. Empfang ich den Weltuntergang eben im Bademantel und Adiletten.

  10. Ade schreibt:

    ihr labert doch alle müll…denkst doch daran, dass unser wissen in der zeit schon viel höher ist^^
    also, macht euch doch jetzt noch keine gedanken 2000 wurde so was auch schon in die welt gesetzt^^

  11. causa prima schreibt:

    (o_O) Guten Moooorgeeeen! 😀

  12. einersch isshier schreibt:

    OH MEIN GOTT, nicht das im Jahr 2038 mein schönes windows xp abstürzt….eigentlich wollte ich das noch bis zum Jahr 2060 nutzen!

  13. FrankyBoy schreibt:

    [quote]2147483648. Gezählt wird aber nur bis 2147483647, das letzte Bit ist für das Vorzeichen reserviert[/quote]
    argh, tut das weh. das letzte bit verschiebt die zahl nicht um 1 sondern ums doppelte (also 32 bit unsigned sind etwas mehr als 4 Mrd, signed aber nur von -2147483648 bis +2147483647 – ins Minus eine Zahl mehr da beim Plus quasi noch die Null dabei ist)

    außerdem hat ein 64bit zeitstempel nix mit 64bit im „Ich hab nen 64bit computer“ sinn zu tun streng genommen (da gehts lediglich um die Registerbreite). Sonst dürfte es auf 32bit systemen auch keine doubles geben (oder long long int und ähnliche schöne dinge). Also nicht kraut und rüben vermischen hier, bitte.

  14. causa prima schreibt:

    Ja FrakyBoy, da hast du natürlich Recht, da war ich etwas ungenau beim beschreiben. Und ja, 64bit-Zeitstempel hat auch nicht viel mit den 64Bit Registerbreite zu tun, was mir erst im Studium klar wurde. Trotzdem wird das ein gefährlicher Tag, falls nicht alle wichtigen Systeme vorher umgestellt wurden. Sonst liegen auf einmal vorgenommen Einstellungen in der Zukunft und werden einfach als nicht gültig betrachtet, da so was ja nicht geht. Und so weiter. Aber ein paar Jährchen haben wir ja noch.

  15. Sebastian schreibt:

    Der Eintrag hier erfreut sich eines zweiten Frühlings. Toll!

  16. FrankyBoy schreibt:
  17. breakthrough schreibt:

    vielen dank für die verständliche erklärung des „weltuntergangszenarios“ welches uns 2038 bevorsteht.
    kommt davon wenn man silvester mit einem computerjunkie verbringt und selber keine ahnung von dem ganzen hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s