Das CIA-Wellness-Programm

Ich finde es ja schön, dass für die Guantanamo-Häftlinge zwischen all der Folter auch mal ein wenig Entspannung angeboten wird. Gut, das man die Jungs einfach im Schotter sitzen lässt sieht auf den ersten Blick nicht sehr entspannend aus – in Wirklichkeit sind die aber auf einem Selbsterfahrungstrip, den andere nur mit LSD, Mescalin, Pilzen oder sonstwelchen Halluzionogenen erreichen. Und bei der Anzahl an Insassen ist es klar, dass die da keine Floating-Tanks hinstellen können.sensorische deprivation guantanamo

Aber die Ammis übertreiben es dann natürlich wieder, die denken da anscheinend immernoch „viel hilft viel“ und gehen zu weit. Aber wenn man die Dauer einer Sitzung mal mit den hiesigen Sonnenbankdauerbenutzern vergleicht, dann ist da auch nicht mehr so viel Unterschied; nur das man die unfreiwillige sensorische Deprivation auf Dauer nicht mehr als Wellness, sondern als weiße Folter ansieht, die somit gegen die Menschenrechte verstößt. Gut, das mag jetzt vielleicht nicht so interessant klingen wie das Iran-Debakel, aber Bush hat mit sowas ja auch nicht so viel zu tun. Er sagt ja nur die Richtung, das Vehikel sucht dann das CIA raus. Schon immer. Und wenn man sich an Sachen wie MKULTRA erinnert, dann ist da eine erschütternde Konstanz in der Menschenrechtsverletzung zu erkennen – und das verwundert bei einem demokratischem Staat doch irgendwie. Ich frage mich nur warum sich alle Welt nur immer für die Staaten interessiert, die eine angebliche Bedrohung für den Staat sind, der durch Korruption, Menschenrechtsverletzungen, Vertuschungsaktionen und Kriegstreiberei am meisten Auffällig wird.

Ich fand es schön, wie der „junge Wilde“ Ahmadinedschad auch in der Öffentlichkeit mal von dem Medien nicht negativ dargestellt wurde, als die Sache mit dem Atomprogramm Klarheit fand und Amerika für die vorschnellen Äußerungen eines auf den Deckel bekommen und der CIA seine Verantwortung eingesehen hat. Vielleicht sind sie ja auf dem richtigen Weg, vielleicht kommt ja auch mal wieder ein Demokrat an die Macht. Und vielleicht lernen die Medien daraus mal und Übersetzen richtig, gerade bei auf den ersten Blick grundunsympathischen Menschen wie Ahmadinedschad, die eigentlich doch ganz normal sind.

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25 Antworten zu Das CIA-Wellness-Programm

  1. Sebastian schreibt:

    Die USA foltern nicht! Das weiss jeder! Ne, Spaß bei Seite, da hast Du schon recht. Im Moment ist die USA-Feindlichkeit ja relativ runtergeschraubt, sowas kommt eher in Wellen. Ich weiss allerdings nicht, ob ein Demokrat viel bewegen würde. Die Wahlen werden sicher spannend, und aufgrund der medialen Inszenierung finde ich die auch immer viel interessanter als die Bundestagswahlen, obwohl sie uns ja nicht ganz so viel (aber auch nicht wenig) angehen. Hillary Clinton kommt jedenfalls immer sehr eiskalt rüber und würde auch bei den Reps nicht weiter auffallen. Obama… zu dem habe ich noch keine richtige Meinung, der wirkt jedenfalls sehr unbeholfen. Aber letztendlich kenne ich von beiden nur das Bild, das Der Spiegel von den beiden zeichnet, und die hätten sicher gerne einen Republikaner an der Macht 😉

    Ob Ahmadinedschad wirklich so normal ist, kann ich nicht sagen. An seinem Realitätsverlust z. B. zum Thema Homosexualität im Iran (so etwas haben wir nicht!) besteht ja nun kein Zweifel.

  2. Ivy schreibt:

    Immer wenn ich solche Artikel lese frage ich mich, ob die Menschen ausserhalb des dauerbösen (es war auch ne Zeitlang dauerlieb, lediglich eine Frage von Dekaden) Amerika, die in und mit einem anderen politischen Bewusstsein aufgewachsen sind und leben eigentlich eine Ahnung haben, wie wenig Bedeutung der Präsident und die Aussenpolitik für die Bewohner des Landes haben.

  3. Sebastian schreibt:

    Ich weiss das, ich les ja immer brav mein USAerklärt 😉

  4. MuGo schreibt:

    Ich hoffe. dass der letzte Absatz ironisch gemeint war – oder bezeichnest du auch Leute wie Haider oder Schill als „ganz normal“? Ahmadinedschad ist ein Populist, der an der Spitze eines semidemokratischen Schwellenlandes steht, dass Zugang zu einer Technik hat, bei der es Fingerspitzengefühl bedarf, wenn man sie denn schon unbedingt anwenden möchte. Vielleicht bin ich da einfach nur zu paranoid, aber so eine Konstellation macht mich irgendwie unruhig. Oder mit anderen Worten: Hätte das momentane Venezuela Atomkraftwerke, die theoretisch auch waffenfähiges Plutonium erbrüten könnten – huiuiui, wäre ich froh, dass der atomare Winter ne Weile braucht, bis er in Europa ist (so ca. 2 Minuten, schätze ich mal…)!

  5. Ivy schreibt:

    Danke MuGo, ich wollte das nicht so sagen, weil ich als Proamerikanistin (sorry, das ist genetisch, das hab ich mir nicht ausgesucht) ja immer gleich ’nen Verfolgungswahn diagnostiziert bekomme 😉

    Aber zwei Minuten… beim Zahnarzt sind zwei Minuten ’ne halbe Ewigkeit… besser wie nix

  6. Tante Maike schreibt:

    Scheisse bin ich raus aus dem aktuellen Geschehen in der Welt!

  7. Eigentlich habt ihr zwei Recht, die sollten lieber an Kernfusion forschen, das ist sauberer. Aber mal ehrlich – selbst ein Land mit Ölquellen muss ja wohl Zugang zu Technologieen wie Atomkraft haben dürfen, schließlich ist Öl auch nicht mehr so viel da. Und statt immer gleich mit Sanktionen zu drohen, wie die USA und ihre Mitstreiter es machen, sollte man dem Land lieber garantierten Sicherheiten locken, um sie auf einen besseren Weg zu bringen.

    Und Ahmadinedschad mit Schill oder Haider zu vergleichen finde ich unpassend. Er wurde oft falsch zitiert und seine Argumentation nur mit westlichen Augen gesehen. Er ist kein Antisemit (ist ja selbst einer), sondern ein Antizionist. Das ist ein gehöriger unterschied.

  8. MuGo schreibt:

    Hm, es kommt bei mir nicht ganz klar raus, worum es mir geht; auch, weil ich Kernenergie wieder mal fahrlässigerweise mit Nuklearwaffen in einen Topf geworfen habe.

    Aaalso, wo fangen wir an, ohne als imperialistisches Arschloch dazustehen? Ich habe in erster Linie damit ein Problem, dass überhaupt ein Land, dass keine ausgewiesene Industrienation ist und ein funktionierendes, relativ korruptionsfreies Kontrollsystem besitzt, überhaupt ATOMKRAFT besitzt – und sei es nur für zivile Nutzung! Nehmen wir als Beispiel das Land, über das ich mir als einziges überhaupt anmaßen kann, ein bisschen zu lästern: Ecuador. Ich mag Ecuador sehr gerne und nichts läge mir ferner als den Ecuadorianern eine Energiekrise zu gönnen, aber verdammte Axt: Gebt den Leuten kein Atomkraftwerk. Ich vertraue einfach nicht in Leute, die ihren Job als Sicherheitsinspektor dadurch bekommen, dass sie der Cousin zweiten Grades vom Amtsleiter im Energieministerium sind. Ich vertraue einfach nicht einer staatlichen Energiefirma, die in einem Land mit chronischem Geldmangel ein Atomkraftwerk mit verschleißfreien Ersatzteilen ausstatten soll – zu den vorgesehenen Terminen, obwohl es günstiger wäre, die Teile erst nach 20 Jahren statt nach 15 auszutauschen. Das ist nicht, weil ich den Leuten nicht zutraue, die für Nukleartechniker oder Atomingenieur notwendigen Wissensstände oder Fertigkeiten zu erlernen, das ist schlicht, weil ich erlebt habe, wie das Land organisiert ist – vertraue nicht darauf, dass für die Leute das Allgemeinwohl im Vordergrund steht, denn die Leute können auch nicht auf die Allgemeinheit vertrauen. Schwellenländer wollen verbillighte Sonnenkollektoren? Gerne. Entwicklungsländer sind daran interessiert, dass ihnen jemanden Rußfilter für ihre Kohlekraftwerke spendiert? Nur zu. Der Iran (Nordkorea/Brasilien/Land deiner Wahl einsetzen) will Atomkraft? Wenn ich nicht einmal darauf vertrauen kann, dass in Deutschland, Schweden oder Japan hundertzwanzigprozentige Sicherheit herrscht: Sicher nicht!

    Und dazu, dass Ahmadinedschad nicht mit Schill vergleichbar ist: Stimmt, meines Wissen nach hat Schill nichts gegen Juden. Und zum Unterschied von Antisemitismus (der übrigens ganz klar als Hass auf Juden definiert ist – auch wenn Araber ebenfall Semiten sind und Juden qua ihrem Status als Religionsgemeinschaft nicht Semit sein müssen – aber das gehört hier gerade nicht her) und Antizionismus kann ich auch noch etwas persönliches sagen:
    Ich war auch dafür, dass den Palästinensern ihr Land zurück gegeben wird und überhaupt, was soll das denn: Einfach das Land wegnehmen und dann auch noch so tun als wäre das legitim, wo gibt es denn sowas? Tja, bis ich durch Zufall mal am gleichen Tag etwas über den Nahost-Konflikt und über den Vertriebenenverband gelesen habe. Ich meine Vertriebenenverband, wo gibts denn bitte sowas? 60 Jahre nach Ende des Krieges immer noch so tun, als wären sie die rechtmäßigen Besitzer des Landes und die Leute, die dort seit 60 Jahren leben hätten gar keine Rechte. Irgendwann muss man auch einfach mal begreifen, dass man gewisse Realitäten nicht ausblenden kann. Wo kämen wir denn dahin wenn jeder…
    Und an diesem Punkt fiel der Groschen. Wenn ich die Deutschland in den Grenzen von 1991 anerkenne, dann muss icha uch Israel in den Grenzen von 1967 anerkennen. Der Staat existiert nun einmal und Palästina ist nicht mehr das Protektorat von 1947. Ich bin dagegen, dass Israel einen Zaun zieht, der nicht den Grenzen von 1967 entspricht; ich bin dagegen, dass Israel nicht zumindest mit den arabischstämmigen Staatsbürgern eine Gesellschaft der Zukunft aufbaut; ich bin dagegen, dass ultraorthodoxe Juden in ihrer Siedlungspolitik unterstützt werden. Aber im gleichen Atemzug bin ich dagegen, Israel das Existenzrecht abzusprechen; ich bin dagegen, dass 20jährige Palästinenser davon träumen in „ihr“ Haus zurückzukehren; ich bin dagegen, dass die Hamas noch immer meilenweit davon entfernt ist, mit den israelischen Behörden zu kooperieren. Das mag eventuell an den politischen Realitäten vor Ort vorbeigehen, aber die kenne ich nicht – und ich kann keine andere Meinung guten Wissens vertreten. Oder mit anderen Worten: Alle, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen, sind für ein Europa in den Grenzen von 1937. Und wer den Holocaust leugnet ist kein Antizionist, sondern hat Minderwertigkeitskomplexe, die sich in geradezu unglaublichen Antisemitismus entladen. Soviel zu Herrn Ahmadinedschad.

  9. Frank schreibt:

    Locker bleiben, mugo. Wenn der Tüp so ein Antisemit wäre, würde es den zehntausenden Juden im Iran sicher schlechter gehen. Selbst Memri gibt mittlerweile zu, dass die Äußerung von Mahmud A., Israel müsse von der Landkarte gebügelt werden, eine ziemlich dreiste Interpretation dessen war, was er wirklich gesagt hat. Kannst Dir ja mal dieses Dokument durchlesen: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Medien/iran.html
    Klar – er kokettiert mit antisemitischen Klischees, weil ihm das hie und da ein bisschen Zustimmung bringt. Aber man sollte dabei auch sehen, dass diese Agitation – ohne sie beschönigen zu wollen – eher einer antiimperialistischen Haltung entspringt als einer rassistischen. Ahmadinejad hat den Holocaust nicht geleugnet, aber er hat eine Konferenz organisiert, auf der u.A. Holocaustleugner sprachen (bizarrerweise übrigens auch einige ultraorthodoxe Juden) und er spricht sich gegen eine moralische Instrumentalisierung des Holocausts aus.

    Die Realität sieht so aus, dass Israel seit Jahrzehnten rhetorisch gegen den Iran wettert. Ahmadinejad schießt gerne auf gleiche Weise zurück. Was man leicht übersieht: Der große, böse Feind USA, nebst Israel, mit ihren hunderten von Milliarden Dollars Rüstungsbudget jährlich wären durchaus in der Lage, Iran mit einem Wimpernschlag plattzumachen. Ohne völkerrechtliche Grundlage, wenn nur die Propagandamaschine ausreichend geölt ist. Diese Drohung schimmert ständig durch. Israel und die USA haben nunmal Massenvernichtungswaffen, vergleicht man die Bedrohungslagen untereinander, erhält man ein ziemlich assymetrisches Bild. Was hier ankommt, wenn Israel mal wieder dem Iran mit einem Feldzug droht und Ahmadinejad antwortet, man werde sich erbittert zur Wehr setzen ist jedoch: Iran droht Israel. Das ist das eine.

    Das andere: Trotzdem ist Ahmadinejad ein Arsch. Weil er freie Meinungsäußerungen in seinem Land verbietet, Blogger einsperrt, weil er Studentendemonstrationen schonmal durch die Drecksarbeit zuständigen Hisbollah-Milizen auflöst, weil er Terroristen unterstützt, weil er Homosexuelle als widernatürlich hinrichten lässt, weil er als Handlanger der Mullahs für eine sehr strenge Auslegung des Islam Schrägstrich Zucht und Ordnung sorgt. Ahmadinejad ist beim Volk, zumindest in den urbanen Gegenden mittlerweile sehr unbeliebt, weil er seine hochtrabenden Wahlversprechen von wirtschaftlicher Stabilisierung und besseren Sozialleistungen nicht einhielt, stattdessen den Mullah-Kurs fährt. Khameini und diese Mullahs (Rechtsgelehrte) sind es, die die Fäden im Hintergrund ziehen, auch wenn hier davon nicht viel ankommt. Ohne ihre Zustimmung wird kein Gesetz verabschiedet, kein Präsidentschaftskandidat zugelassen. Aber Ahmadinejad bietet als „Gesicht“, Populist und Agitator einfach ein besseres Feindbild, auf das man die Propaganda, durch sie auch unsere Medien durchzogen sind, besser projezieren kann.

    Wer will, kann sich ja mal anschauen, wie Ahmadinejad auf Studentendemos beschimpft und ausgepfiffen wird, bei youtube gibt’s Dutzende Videos davon. Das Volk ist überwiegend westlich orientiert und pro-amerikanisch eingestellt, was nicht heißt, dass sie ein militärisches Vorgehen gegen ihr Land befürworten würden. Ahmadinejad dürfte die nächste Wahl verlieren, man wird sehen wie’s dann weitergeht. Wie üblich in diesen Diskussionen verweise ich auf dieses großartige Buch, welches einen den Iran, Politik, Geschichte und Zivilgesellschaft dank der Perspektive von Bloggern (Blogs sind sehr weit verbreitet im Iran, selbst der Staatspräsi hat eins) etwas besser verstehen lässt.

    Was Palästina angeht, nur kurz: Es sagt sich leicht, dass deren Nationalismus übertrieben ist. Aber die, überwiegend von Israel verursachten, Lebensumstände dort sind auch der allerbeste Nährboden dafür. Ich sag mal nur: Illegale Siedlungen, Schikanen beim Grenzübergang, Jahrzehnte alte Flüchtlingslager, stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit, beschnittene Wirtschaft, willkürliche Vernichtungen von Häusern, ohne Vorwarnung beschossene Krankenwagen, gestohlene Wasserreservoirs.

  10. MuGo schreibt:

    Zu Ahmadinedschad: Okay, dann instrumentalisiert er eben den Holocaust, weil dieser von den Juden instrumentalisiert wird. Das ist dann natürlich moralisch echt überlegen. Nein, nein, nein, bei allem Respekt – solange der Iran auf jede Provokation eingeht, die von den USA und Israel ausgeht, wird er bei mir schlechte Karten haben. Wie wäre es denn zum Beispiel, wenn man einfach mal von sich aus iranischen Sportlern erlauben würde, gegen Israelis anzutreten oder von sich aus anbietet, Botschafter auszutauschen. Aber nein, Israel ist ja böse, da muss man niocht den ersten Schritt tun – Opfer sein ist auch einfacher als sich aus dieser Rolle selbst befreien zu wollen.

    Zum Iran: Mir ist klar, dass die Mullahs das Sagen haben – drtum habe ich ja auch nur Semidemokratie geschrieben. Es ist übrigens erstaunlich, dass dieser Fakt immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird bei unserer islamophoben Stimmung heutzutage. Dennoch: Was willst du mir jetzt damit sagen? Dass ich den Iranis trotzdem Atomkraft zugestehen sollte, obwohl ich sie nicht einmal hochtechnisierten Ländern des Westens zutraue? Ich sehe da jetzt erst einmal keinen Zusammenhang zum mir geschriebenen, in dem es darum ging, dass ich Antizionismus für falsch und meist prinzipiell antisemitisch halte.

    Palästina: Das habe ich auch nirgendwo bestritten. Und ja, Israel hat auch nicht gerade daraufhin gearbeitet, den Palästinenserstaat Palästinenserstaat sein zu lassen. Trotzdem: Wieso muss ich es gut finden, dass Leute andere Leute erschießen? Es gibt keinen legitimien Krieg! Dennoch weiß ich, dass man damit schnell in eine moralische Sackgasse gerät: Soll man den Leuten jetzt einfach sagen: Na, dann haben halt die Israelis eure Brunnen, müsst ihr eben ohne auskommen? Sicherlich nicht. Aber ich weigere mich irgendwem, der Menschen tötet und nicht aus Notwehr handelt, zu sagen: Du handelst richtig.

    Ich weiß, dass ich mit meiner Haltung und Meinung nie den Nahostkonflikt lösen werde, aber dafür kann ich mein moralisches Selbstverständnis aufrechterhalten. Und das ist mir nun einmal näher als irgendwelche Mittelmeeranrainer.

  11. Frank schreibt:

    Nee, was ich sagen wollte ist, dass alle Seiten in Nahost (spezifisch gemeint: Die Führungen der Länder) auf irgendeine Weise amoralisch handeln. Falls es so rüberkam, dass ich den Iran in Schutz nehme, ist das falsch angekommen. Nur sollte man immer beide Seiten hören und stets bestrebt sein, auch die Propaganda auf der eigenen Seite zu entlarven. Was die Palästinenser angeht: Es ist bedauerlich, dass im Westen ein Bild vom Hamas-Symphatisanten und potentiellen Selbstmordattentäter für die Palästinenser vorherrscht. Genau wie auf der anderen Seite des Antiterroristischen Schutzwalls wollen die meisten doch nur Frieden, Freiheit und in Ruhe leben. Mörder waren und sind die wenigsten.

  12. Ahmadinedschad stellt nicht das Existenzrechts Israels generell in Frage, sondern fragt nur: „Was haben die Palästinenser mit dem Holocaust zu tun? Warum müssen die Land dafür abgeben, dass Deutschland Juden vernichtet hat? Es gibt soviel ungenutztes Land in Amerika, welches den Staat Israel ja mit allen Mittel rechtfertigen will – warum machen die den Staat dann nicht in den USA auf? Oder warum gibt Deutschland als Verantwortlicher nicht einen Teil seines Terretoriums dafür auf?“ Und diese Fragen finde ich durchaus berechtigt.

    Und es geht ja nicht darum, was wir solchen Ländern an Technologie zutrauen, sondern mit welcher Begründung den Ländern diese abgesprochen wird. Da ist nie etwas davon zu hören gewesen, dass man ihnen Atomkraft nicht zutraut, sondern dass man immer gleich das schlechteste denkt und dem Iran ein Atomwaffenprogramm unterstellt. Wenn die Diskussion dahin gegangen währe, dann hätte ich auch nichts dagegen gehabt. So aber werfe ich Ahmadinedschad viel weniger Populismus vor als den westlichen Medien.

    Ich find‘ es schon schön zu betrachten, wie meine „populistischen“ kurzen Absätze meist mehr Beachtung und anscheinend auch Diskussionsstoff liefern, als die längeren davor, die mir eigentlich viel mehr am Herzen liegen.

  13. MuGo schreibt:

    Populismus polarisiert eben – und man kann sich besser dran abarbeiten!^^

    @Frank: Oh,okay, dann habe ich das falsch verstanden, das tut mir Leid. Und zu den Palästinensern: Naja, sie haben die Hamas selbst gewählt – allerdings halte ich ihnen zu Gute, dass sie nur die Wahlhatten zwischen einer korrupten und selbstgefälligen Fatah-Diktatur und einer politisch planlosen Ein-Thema-Partei, deren Programm ungefähr so vielschichtig ist wie das der Schill-Partei. So gesehen kann man ihnen dafür auch keinen Vorwurf machen.

    @Heinz: Da magst du Recht haben – es ging immer darum, ob der Iran eventuell waffenfähiges Plutonium herstellen kann; das ich persönlich glaube, dass der Iran sehr wohl mit dem Gedanken einer Atombombe spielt, sollte dabei ansich keine Rolle spielen, sondern nur die Tatsachen. Da muss ich dir Recht geben.

    Zum leidigen Thema Antizionismus: Das ist doch das Existenzrecht in Frage stellen, wenn ich einen Staat mit Sack und Pack umziehen lassen möchte! Natürlich haben die Briten falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte und natürlich hätten die Zionisten ja auch einfach die vorgesehene Teilung akzeptieren können, klar. Aber passiert ist passiert und da kann man doch nicht nach 60 Jahren kommen und sagen: „So, tut uns Leid, wir hätten eure Großeltern damals besser doch nicht in Jaffa an Land gelassen. Naja, Shit happens, aber dafür bekommt ihr jetzt alle ein schönes Häuschen in der Wüste von Nevada.“ Das ist doch absurd! Ich würde doch auch nicht nach Ostpreußen ziehen wollen, nur weil mein Opa da herkommt und irgendjemand jetzt sagt: „Kommando zurück! Ostpreußen und Schlesien gehen wieder an Deutschland.“ Und warum sollten Juden denn nicht nach Palästina? Die einzige Scheiße ist doch, dass keine friedliche Lösung für ein Zusammenleben gesucht wurde und klar, da haben die jüdischen Nationalisten – wie auch immer ein Jude sein „Volk“ definieren mag – natürlich auch einfach ihren Kopf durchgesetzt. Aber wie gesagt: Das geht doch völlig an der Realität vorbei, wenn man glaubt, dass die Israelis es voll in Ordnung finden würden, jetzt noch woanders hinzuziehen. Wer lebt denn noch von der ersten Generation? Beziehungsweise: Man kann von Olmert halten was man will – für Ben Gurion und Begin kann er ja nun wirklich nichts!

    Den Gedanken, den Juden deutsches Staatsgebiet zur Verfügung zu stellen finde ich wiederum sehr verlockend – vielleicht könnte so manche sterbende Ecke in Deutschland wiederbelebt werden und der eine oder andere Herr Glatzenträger würde es sich vielleicht zweimal überlegen, bevor er angesichts von vier Millionen Juden sein Maul mal wieder zu weit aufreißt. Oder alternativ gäbe es einen politisch korrekten Weg, die letzten Leute in MeckPom, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und der Oberlausitz umzusiedeln und somit Geld zu sparen – ohne dabei als herzlos darzustehen, weil wir die Leute dazu zwingen, den Staast nicht länger ungebührend auf der Tasche zu liegen. Ich kann nämlich auch populistisch!^^

  14. Gut, dann verstehst du ja, was ich meine. Natürlich kann man Israel schlecht umsiedeln, aber umsiedeln ist etwas anderes als auslöschen, was dem Herrn in den Mund gelegt wurde. Ich finde das ist eine Frage ähnlich der Ausländerdebatten in allen Ländern, nur, dass Israel ebend ein anerkannter Staat ist und der Holocaust immernoch instumentalisiert wird um seine Existenz zu begründen. In zwischen könnte man doch einfach mal dazu übergehen und sagen „Weil sie ebend schon ihr ganzes Leben da leben!“. Ich finde Grenzen sowieso bescheuert 🙂 Jedenfalls ist die Diskussion um seine Persönlichkeit eine ganz andere, wenn man weiß, dass er Antizionist und nicht Antisemit ist.

    Und nein, als Bewohner des – und das betone ich immerwieder sehr gerne – laut EU-Statistik unbewohnten Landkreises Prignitz (ich glaube es gibt keine Gegend, in der weniger Leute pro qm² wohnen, vllt. noch irgendwo in McPomm, k.a.) bin ich ganz und gar nicht für eine Zwangsumsiedlung. Zum einen weil ich meine Heimat und die Ruhe hier liebe, zum anderen weil mich einfach dieser Zeitgeist des „alles einsparen, was nur geht, egal welche Konsequenzen das hat“ anwiedert. Auch diese ganze Geiz-ist-Geil-Mentalität. Und das sage ich nicht, weil ich Geld wie Heu habe (eher gegenteilig), sondern weil dadurch Qualität verloren geht, sehr viel sogar. Das ist nicht nur auf Konsumprodukte, sondern auch auf Menschlichkeit bezogen, was ich als jemand, der mit Behinderten arbeitet, einschätzen kann, wenn mir von „früher“ (also von vor 5-10 Jahren) erzählt wird, wo für die gleiche Anzahl an Kindern so gut wie immer das Dreifache an Personal zur Verfügung stand. Heute ist das, trotz wirklich niedriger Lohnniveaus, nicht mehr möglich, warum auch immer. Fakt ist nur, dass das nicht so weitergehen darf. Deswegen finde ich die Debatte über Managergehälter auch gut, richtig und schon lange überfällig. Nur, dass sie schon so schnell vergessen wird, ist schlimm.

  15. Frank schreibt:

    Hier hab ich übrigens nochmal was schönes: Lysis über eine Fatwa von Khameini (!) nach der die Herstellung und Bevorratung von Atomwaffen Sünde sei. http://lysis.blogsport.de/2007/01/06/morris-plea-for-pre-emptive-genocide/

    Übrigens irritiert mich nachhaltig, dass mit dem neuen Theme nicht mehr sichtbar ist, wer den jeweiligen Artikel geschrieben hat. Habt ihr schonmal drüber nachgedacht auf ’nen Server mit eigener WordPress-Installation umzuziehen?

  16. Ich hab‘ einen Webspace mit eigener WordPress-Installation und angepasstem Theme für unsere Band-Homepage. Ich weiß ja nicht, ob man das bei wordpress.com nicht machen kann, aber man sollte doch das Theme noch nachmodifizieren können. Dürfte damit dann nur eine einzelne einzufügende Zeile sein. Aber eigentlich kriegt man das doch an den Themen und Schreibstilen bei uns Dreien noch recht gut raus, für Abfallkalender-Neulinge ist das sicherlich schwieriger. Aber das kann sowieso nur der Chef ändern 🙂

  17. Sebastian schreibt:

    Genau die Problematik ist mir gestern auch bewusst geworden, weil man beim Linux-Bild nur an der Schreibweise von „währe“ erkennt, dass der Artikel von Heinz ist 😉

    Das Theme kann man nachmodifizieren, wenn man sich über PayPal oder so Credits kauft. Wäre vielleicht eine Überlegung wert, kostet nicht die Welt. Aber ein eigener Webspace hat auch seinen Reiz. Andererseits, nochmal quasi bei null anfangen? Irgendwie scheue ich diesen Schritt. Ich mag wordpress.com furchtbar gerne, wegen den ganzen Communityfeatures…

    Schwierig schwierig. Ich lasse mir das mal durch den Kopf gehen bei Gelegenheit. Ich warte ja immer noch drauf, dass einem hier das ultimative Theme angeboten wird.

  18. Frank schreibt:

    Meine Freundin sitzt gerade neben mir und meint „Die können doch einfach den Namen in den Artikel untendrunter oder obendrüber schreiben“. Hat sie recht.

    Eine eigene WP-Installation hat aber auch ihren Reiz, weil da solche Marginalien im Theme flugs reineditiert werden können. Auch dass es da dann einigermaßen so aussieht wie hier, lässt sich einrichten. Wenn ihr wollt, kann ich euch da auch etwas unter die Arme greifen. Allerdings: abfallkalender.de ist bereits registriert.

  19. Frank schreibt:

    p.s.: Kannst dich ja mal durch den WP Theme Viewer durchwühlen. Da ist die Auswahl größer und – as I said – sowas wie die Hintergrundfarbe u.ä. ist schnell geändert.

  20. Ich behaupte einfach mal, dass „währe“ Plattdeutsch ist. Ich glaube den Fehler werde ich noch eine ganze Weile mit mir selbst bekämpfen müssen, so sehr, dass Nebenschauplätze entstehen werden, an denen andere Fehler die Oberhand gewinnen werden. Die Schlacht mag verloren gehen, den Krieg gewinne ich aber! HAHAHA!

    Ich Könnte abfallkalender.blackminded.de anbieten, oder auch jede andere Adresse, die du willst, wenn dahinter blackminded.de steht bzw. davor. Ich werde morgen mal wieder die WordPress-Newsseite in unsere Hauptseite einbauen, dann kannst du ja mal sehen, wie „extrem“ sich WordPress modifizieren lässt – alles ist möglich! Es würde sich nur die Adresse ändern, die könntest du hier ja Proklamieren. Zur Not könnte man alle alten Beiträge von Hand übertragen, würde zwar ein bisschen Arbeit bedeuten, aber es würde sich nichts, außer der Adresse, verändern müssen.

  21. MuGo schreibt:

    Die Umzugsdebatte umgehend noch mal zur Diskussion:

    @Heinz: Wasich jetzt sage meine ich zu 100% unironisch und -zynisch: Jetzt ist mir klar,worauf du hinauswillst und was dein Ziel ist. Und das ist toll. Nicht mehr und nicht weniger. Es mag zwar blauäugig und naiv und viel zu optimistisch sein, aber wenn man sich nicht den Optimismus erhält, das man Menschen mit Argumenten ändern kann und alle im tiefsten Herzen nur das Beste für alle wollen, dann kann man sich gleich Neocon auf dir Brust tätowieren lassen. Weiter so!

  22. Frank schreibt:

    Zur Not könnte man alle alten Beiträge von Hand übertragen

    Quark, die Im- und Exportroutinen von WP klappen ganz gut. Das einzige, was halbwegs kompliziert ist, ist im XML-Output die URLs für Bilder und interne Links zu ändern. Wenn man’s geschickt anstellt, geht das aber auch und ist ’ne Sache von einer halben Stunde.

    Entschuldigt bitte den OffTopic-Müll.

  23. Sebastian schreibt:

    Der einzige Nachteil hier ist aber doch letztendlich der, dass man den Namen nicht sieht (dessen erschreckend naheliegende Lösung ja von Franks Freundin bereits aufgezeigt wurde). Alles andere finde ich hier super. Deswegen einen ganzen Umzug… Also ich verschiebe schon aufgrund diverser Festivitäten in den nächsten Tagen das Thema mal aufs nächste Jahr. Ich nenne es Agenda 2008.

  24. @MuGo: War das etwa ein Lob? Wenn ja, dann bedanke ich mich ganz höflich dafür und freu mich wirklich sehr darüber. Man wird heutzutage wirklich viel zu wenig ordentlich gelobt, mit Begründung und so. Super, Lob zurück 🙂

  25. MuGo schreibt:

    Wie gesagt: Fühl dich aufrichtig und von tiefstem Herzen gelobt!

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