First of the gang to dive

Freitag abend waren wir Gassi mit dem komischsten Hund der Welt. Der Spaziergang führte uns durch ein Spalier von ungefähr 20 wankenden Jugendlichen und etlichen Scherben auf dem Boden. Keine Frage, hier wird gefeiert. Noch vor ein paar Jahren hätte ich mir ein Bier genommen und mich dazugestellt, aber jetzt dachte ich nur, hoffentlich gibt es nichts auf die Fresse. Man wird ja nicht jünger. Wie auch immer, wir bogen dann später ab und sahen nach einer mühsamen Bergtour den Haufen von ca. 20 Meter weiter oben. Erstmal gut gelacht, die Jungs und Mädels waren mittlerweile von der Polizei auf dem Spielplatz interniert. Feststellung der Personalien etc. Die haben wohl ein wenig übertrieben.

Gehört halt dazu. Eigentlich kein Zustand so zu denken: Zu einer vollständigen Jugend gehört auch der Feindkontakt mit der Polizei. Aber ich behaupte ja auch nicht, perfekt zu sein. Außerdem kann Polizeikontakt sehr spaßig sein. Kann keiner behaupten, noch nie wegen Ruhestörung oder sonstwas angelabert worden zu sein.

Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich nur gelacht habe. Wirklich, morgens angefangen und abends erst wieder aufgehört, als die Bullen wieder weg waren.
Der Tag begann eigentlich wie jeder Tag in diesem Sommer. Wir hingen so mit 10 Leuten an unserem Stromkasten (Situation siehe oben). Das war unser Jugenzentrum: ein blöder Stromkasten mitten auf der Straße. Jedenfalls für ein paar Wochen. Ein genervter Nachbar hat den Kasten irgendwann von oben bis unten mit Zucker beschmiert, damit die Fliegen uns von unserem Asyl der Straßenkinder vertreiben konnten. Vielen Dank auch.

Auf jeden Fall befand sich vor dem Stromkasten ein Gulli. Es folgt eine zumindest gelesen langweilige Anekdote, man muss dabei gewesen sein, aber als Mehmet seinen Schlüssel hat reinfallen lassen, musste ich grinsen. Als Fussy sich drübergebeugt hat, weil er es nicht glauben wollte, und seinen Schlüssel ebenfalls hat reinfallen lassen, ging erstmal nicht mehr viel. Auf dem Boden lag ich aber den Rest des Tages. Wir gaben die Schlüssel ja nicht kampflos auf, also haben wir wirklich den ganzen Tag damit verbracht, den Gulli mittels Eimern zu leeren. Man glaubt garnicht, wieviel Wasser in so einem Gulli ist. Wenn Afrika ein vernünftiges Netz an Gullis hätte, wären die Wasserprobleme gelöst. Und mehr Steckdosen, wegen dem Strom. Nach einigen Stunden war die gesamte Straße überschwemmt. Okay, das nicht, aber zumindest mit einem Wasserfilm bedeckt. Es war ein sonnenstrahlender Tag, aber aus irgendeneinem Grund sah unsere Straße aus wie nach einem Unwetter. Zweiter Teil unseres Plans: Daniel begann in einigen Wochen seine Lehre als „Gas, Wasser, Scheisse“, so der hochoffizielle Name. Ein wenig Übung in Kanal-hopping konnte da nicht schaden. Er zog sich also widerwillig halbnackig aus, wir packten ihn bei den Füßen und stülpten ihn kopfüber in die dunklen Gewölbe der Kanalisation. Nach ewig langem Gewühle in Matsch und allerlei gefährlichem Sondermüll konnte er tatsächlich die gesuchten Schlüssel zu Tage fördern. Hurra!

Diese gesamte Szenerie, eine überschwemmte Straße sowie ein halbnackter Kanaltaucher, daneben eine Horde lachender Jugendlicher, wirkte ein wenig unnatürlich in unserem verschlafenen Nest, so dass sich langsam eine kleine Menschentraube, bestehend aus der Nachbarschaft, bildete. Ich würde nicht sagen, es war ein Straßenfest, denn es fehlte noch die Würstchenbude, aber ansonsten nahm das alles einfach zu groteske Züge an. Und irgendwann kamen dann auch die unvermeidlichen Polizisten. Ich lag mittlerweile nach Luft japsend auf der kleinen Wiese, und es wurde auch nicht besser, als die beiden ausstiegen.

ES WAREN ORIGINAL DIE BEIDEN BLÖDEN BULLEN AUS DEN WERNER-FILMEN! Ungelogen! Mütze ab, Kopf kratzend… „Mensch… was ist hier denn los? Das könnt ihr doch nicht machen!? Habt ihr denn eine Genehmigung(!)?“ Eine Genehmigung? Wofür genau, wo beantragt man die und was gibt man da als Begründung an? Die wollten uns noch dazu anhalten, das „hier wieder alles in Ordnung“ zu bringen. Okay, also Gullideckel wieder an seinen Platz, fertig. Es wurde langsam dunkel und das Straßenfest wurde aufgelöst. Aus igendeinem Grund schreiben sich Polizisten dann immer noch die Namen aller Beteiligten auf.

Der entscheidene Punkt ist aber: wir hatten Spaß. Und die Jungs und Mädels von Freitag abend auch. Und ob es der Polizei gefällt oder nicht, sie sind Teil des Spaßes, denn sie runden einen Abend erst ab. Ich weiss auch nicht, woran das liegt. Kleiner Kausalitätserror: Abende, die von der Polizei aufgelöst werden, sind irgendwie die witzigsten.

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14 Antworten zu First of the gang to dive

  1. MuGo schreibt:

    Ich würde nicht sagen, es war ein Straßenfest, denn es fehlte noch die Würstchenbude, aber ansonsten nahm das alles einfach zu groteske Züge an.

    Ich hab mal in einem spanischen Blog gelesen, dass Deutsche jede Gelegenheit nutzen, um eine Würstchen- und eine Bierbude aufzustellen. Ich habe selten eine so präzise Zusammenfassung des Wesen der Deutschen gelesen…

  2. MuGo schreibt:

    Toll, da steht noch, dass man Blogquote benutzen darf und dann sowas – ohne Zitat wirkt das fanze dann doch ein wenig deplaziert…

  3. Sebastian schreibt:

    Ich habe mal den Absatz reindeditiert. Somit ergibt jetzt Dein zweiter Kommentar keinen Sinn mehr. Glückwunsch 😉

    Aber es stimmt schon mit den Würstchenbuden. Genau wie Vereine, da sind wir ganz groß.

  4. saripari schreibt:

    Hehehehehhe… hört sich immerhin nach spaßigen Aktionen an. Ach ja, die Jugend. Ich erinnere mich auch, wie wir nachts 30 km mit dem Fahrrad zurückgelegt haben, weil wir so superbreit waren. Auf halben Weg haben wir dann noch ne Tüte geraucht und dabei den halben, umliegenden Wald abgefackelt. Endlich bei McDonalds (MITM FAHRRAD) durch’n Drive-In gekommen. Herrliche Zeiten. Zurückfahren war dann scheisse und ich weiß bsi heute nicht, wie ich das überlebt habe. Danach haben wir auf ’ner Straße gepennt, die gesperrt war (wegen irgendwelchen Arbeiten). Hammerhart.

  5. MuGo schreibt:

    Joa, mein Leben ist auch ganz spannend…^^

  6. Sebastian schreibt:

    Fang doch auch an zu bloggen 🙂

  7. Tante Maike schreibt:

    Wie jetzt warst Du grad in Kücknitz?

  8. Sebastian schreibt:

    Nein, das ist doch schon richtig lange her. Ich schreibe hier dauernd irgendwas von früher, damit ich das nicht vergesse 😉

    Heute machen wir sowas ja (leider) nicht mehr.

  9. Tante Maike schreibt:

    Ach so! Dabei erlebst Du doch viel mehr aktuelle Sachen hoffentlich ??!!
    Na jedenfalls hat sich seit damals nichts geändert,höre täglich „Funk“ zum Einschlafen.Aber wenn Du an den Punkt kommst,morgens aufstehen,11 Stunden für Job,freier Tag für Putzen,Geld für andere,so wie ich seit 23 Jahren ,sag es rechtzeitig!
    Ich will dass Du dann alle Register ziehst und nochmal was Neues machst,nochmal lernst,nochmal neue Ausbildung,Schule,oder total verrückt;Selbständigkeit?
    Mehr als Pleite geht eh nicht! Also mach!

  10. Tante Maike schreibt:

    Und wer war damals der komischte Hund der Welt?

  11. Sebastian schreibt:

    Der erste Absatz wiederum bezieht sich auf die Gegenwart 🙂 Hier handelt es sich um den Hund von Steffis Eltern.

    Im Moment ist das Leben ja ganz normal. Aber ich habe wenig Interesse daran, NOCH eine Schule mehr zu besuchen, davon hatte ich mittlerweile reichlich 😉

  12. Tante Maike schreibt:

    Und ich war immer der meinung mein Hund sei der verrückteste!Wohl geirrt?
    Keine Schule mehr? Vergiss es!Auch im neuen Job kommt das garantiert,davon lebt die Wirtschaft!Nach Schule,Ausbildung und Abendschule komen dann so Sachen wie (bezogen auf meinen Beruf)Sachkindenachweis zum Verkauf freiverkäuflicher Arzneimittel,Sachkundenachweis zum Führen von Süsswasseraquarien,von Seewasseraquarien und von Terrarien,Ausbildung zur Erstverkäuferin oder Ausbildung zur Ausbilderin,immer schön vor der IHK!Aber gibt dafür mehr Kohle! Nöööööööö!
    Du wirst dann garantiert auch Ausbilder der Azubis,Fachberater für Trinkwasser und für Klärwerksanalysetechniken oder so.Spezialanalyst für Methanrestgase im Bad,(wir hatten gerade 6 Stunden Rohrverstopfung im Hauptrohr,lecker!)Meister der Rapsackeruntersuchung oder was wiss ich:
    Nach der Ausbildung keine Schule mehr?Vergiss es! Irgendwann bist Du überqualifiziert und dann viel Spass bei der Stellensuche!

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