Gesehen: Immer nie am Meer

Leider läuft der Film Immer nie am Meer ja nur mit wenigen Kopien (20 oder
so), weswegen man ihn leicht übersehen kann. Deswegen möchte ich ihn hier
nochmal jedem ans Herz legen, lohnt sich nämlich den zu sehen. Auch wenn ich
jetzt noch ganz fertig bin, der ganze Film ist nämlich ziemlich grotesk. Als
solcher wird er auch beworben, als Psycho-Groteske.

Das Setting ist ziemlich simpel: Aufgrund eines Unfalls sitzen der
Geschichtsprofessor Baisch (Dirk Stermann), sein tablettensüchtiger Schwager
Anzengruber (Christoph Grissemann) und der tingelnde Kleinkünstler
Schwanenmeister (Heinz „Heinzer“ Strunk) mitten im Wald in einem Auto fest
und warten auf Rettung. Die ist nicht in Sicht, außerdem gibt es da ein
kleines Jugend-forscht-Arschloch, so dass die drei Unsympathen an die
Grenzen dessen getrieben werden, was die Psyche eines Menschen aushält. Und
als die Grenze nach einigen Tagen durchbrochen wird, geht der Film einfach
weiter.

Das mag jetzt ein wenig nach Abwärts mit Götz George klingen, aber hier geht
es dann doch in eine andere Richtung, wie schon die Besetzung zeigt. Das
Kabarettduo Stermann und Grissemann ist in Österreich wohl sehr bekannt, ich
kenne sie leider noch nicht, was jedoch nachgeholt wird. Dafür kennt man in
Deutschland als an Humor halbwegs interessierter Mensch Heinz Strunk
(Fleisch ist mein Gemüse [bald auch als Film], diverse Hörspiele), der sich
praktisch selber spielt. So ist sein Stück Mit Hass gekocht ein kleiner
Running Gag des Films, überhaupt fährt er einige Klassiker seines Programms
ab.
Der ganze Film ist also von einem bitterbösen, schwarzen Humor durchzogen,
der sich steigert, je weiter sich die drei ihrem Wahnsinn ergeben.

Ich kann nicht viel Schlechtes über den Film sagen. Mir gefiel vor allem
Grissemann in seinem Zynismus und seiner lakonischen Art. Stermann hat halt
den etwas langweiligen Professor gegeben, der seiner Liebe nachtrauert,
weswegen er etwas farblos wirkt, zumal er sich aus den genialen
Dialog-Ping-Pong-Spielchen von Grissemann und Strunk heraushält, aber auch
er hat einige nette Szenen. Und natürlich Strunk, der wie immer geil
abliefert und wohl die poetischste Ode an den Penis eines Kindheitsfreundes
aller Zeiten performt. Wahrscheinlich auch die erste. Und es gibt ein
Wiederhören mit der Teilebahn *seufz*
Ein wenig schade fand ich die Brüche mit der Situation, wenn der Junge z. B.
im Internet nach neuen Versuchsanordnungen recherchiert. Lieber hätte ich es
gesehen, die drei Männer ganz sich selbst zu überlassen, aber man ist ja
schon froh, wenn es kein Bär ist. Irgendeinen „Feind“ braucht wohl jeder
Film, denn irgendwann gehen einem halt die Situationen aus, die einem im
Auto wiederfahren können.

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8 Antworten zu Gesehen: Immer nie am Meer

  1. MuGo schreibt:

    Hm, vielleicht gucke ich ihn mir mal an. Aber nur vielleicht…

  2. Sebastian schreibt:

    Ist auf jeden Fall Geschmackssache, ich nehme es keinem krumm wenn er ihm nicht gefällt 🙂

    Musst halt Ausschau halten nach irgendwelchen Arthouse-Kinos, lernst gleich noch ein paar Kunststudenten kennen.

  3. MuGo schreibt:

    Nee, mit denen darf ich mich nicht anfreunden, ich bin doch Ingenieur; ich muss mich ja schon dafür rechtfertigen, dass ich jemanden kenne, der Gesang studiert…^^

  4. Sebastian schreibt:

    Kommunist!

  5. MuGo schreibt:

    Nein, das ist echter Punk: Sich tolerant finden, aber andere menschen verachten, weil sie nicht so sind, wie sie selbst. Naja, oder HipHop. Kommt drauf an, wo man selber steht…

  6. MuGo schreibt:

    Ach ja, noch ne ganz dreiste Frage: Du hast vier Blogs die dir ans Herz gewachsen sind, über drei Kontinente verteilt. Gut, bei zweien kann ich es mir denken – bleiben die europäischen. Darf ich mir Hoffnung machen?

    Uh, das ist sehr dreist – nee, beantworte es mal nicht. Sonst musst du dir noch was ausdenken, wenn du nicht direkt nein sagen willst…

    (Sorry, bin müde und deswegen schon von einem Bier angetrunken…)

  7. Sebastian schreibt:

    Ja, Dich und Sara, euch lese ich als Menschen gerne. Den Rest als Blogger 🙂
    Dann noch Archie aus Australien und Nayra aus Peru, aber die schreibt nicht mehr, da mach ich mir langsam Sorgen 😦

  8. MuGo schreibt:

    Ha, ich bin gut!

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