Der trojanische Krieg

Nicht, das mich das etwas angehen würde (dazu später mehr), aber schon erschreckend, wie wenig den Leuten anscheinden ihre Freiheit bedeutet. Vielleicht wurden aber auch Leute befragt, die keine Ahnung haben, was dabei wirklich geschieht: Ein Trojaner wird auf dem PC installiert, ab da an kann man eigentlich mit dem betroffenem PC anstellen, was man möchte. Keylogger (die jede Tasteneingabe mitprotokollieren) installieren, Dateien einsehen, die Nutzungsgewohnheiten ausspionieren. Kurz: Der ganze PC, mit all seinen Dateien und all dem, was man mit ihm macht, wird „gläsern“.

Wer jetzt das beliebte Argument „Sollen sie doch bei mir suchen, ich habe nichts zu verbergen.“ anbringt, sieht nicht die Konsequenzen in ihrem vollem Umfang. Dieses Programm eröffnet theoretisch Tür und Tor, Big Brother 2.0. Die Möglichkeit besteht durchaus, dass sensible Daten in falsche Hände geraten, denn: Ohne eine sogenannte „Backdoor“ in der Antivirus-Software läuft dabei für das Pferdchen garnichts, denn diese Software ist ja dafür da um Viren, Trojaner und sonstiges Schädlingsgesindel vom heimischen PC fernzuhalten. Wenn allerdings eine Hintertür für den BND eingebaut wird, so steht diese ja nicht nur dem BND offen, sondern für alle, die den passenden Schlüssel haben. Und nichtmal der BND ist vor Leuten sicher, die den Türschlüssel einfach mit nach Hause nehmen und ihn dann im Internet für bösartige Hacker bereitstellt. Damit hätte es dann geschafft den Terrorismus nicht erfolgreich zu bekämpfen, dafür aber der Onlinekriminalität zu unglaublichen Möglichkeiten verholfen. Super!

Und wer sagt überhaupt, dass dieses Pferdchen die Terroristen stören würde? Wer das behauptet hat einfach keine Ahnung, denn die Wege sich vor Überwachung zu schützen, sind vielfältig, einfach und kostenlos: Verschlüsselung allein würde schon reichen, entsprechende Algorythmen vorrausgesetzt sind die enthaltenen Nachrichten nicht knackbar. Oder noch einfacher: Kein Windows nutzen. Der geplante Trojaner währe nur auf dem Betriebssystem von Microsoft wirksam, vielleicht auch noch auf dem Mac, aber Linux wird davon definitiv nicht betroffen sein (es sei denn der BND gibt ein eigenes Derivat raus 😀 ), denn Linux ist Open Source. Das heißt: Der Programmcode kann von jederman eingesehen werden. Die für die Einschleusung des Trojaners nötige Backdoor im Programmcode von Linux würde sofort auffallen. Deswegen gibt es für Linux auch so gut wie keine Viren (ich glaube 4 Stück) und wohl auch keinen einzigen Trojaner. Nutzt ein Terrorist also Linux ist der BND ausgesperrt. Aber die übrigen über 95% der Deutschen PC-Besitzer, die ein Betriebssystem von Microsoft nutzen, sind potentielle Spionageopfer. Schöne Aussichten also! Und das ist auch der Punkt, warum mich der Trojaner nichts angeht: Ich bin Linux-Nutzer.

Bleibt das Fazit: Es werden Dinge diskutiert und evtl. auch beschlossen, die der Freiheit des Einzelnen schaden, die somit dann auch potentiell gegen das Grundgesetzt verstoßen, die aber ihren eigentlichen Zweck, die Terrorabwehr, verfehlen.
Gute Terroristen lassen sich ebend nicht erwischen.

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10 Antworten zu Der trojanische Krieg

  1. Sebastian schreibt:

    Antivirensoftware soll wohl trotz allem knackbar sein, da die Durchsuchung in 2 Schritten läuft.

    Der erste Einbruch(!), bei dem die Festplatte gespiegelt wird, so dass sich die Zuständigen die Umgebung im Labor genau anschauen können. Hier kann man dann einen maßgeschneiderten Trojaner bauen, den man dann in eine Software einpflanzen kann (keine Ahnung, zum Beispel World of Warcraft, wer weiss?).

    Der zweite Einbruch, bei dem dieser dann installiert wird. Aufgrund diesen Umstandes sollen ja pro Jahr nur wenige Durchsuchungen möglich sein. Naja, ich gehe von einem raschen Effizienzwachstum aus, so dass es auch hier bald standardmäßige Überwachung geben wird.

    Aber abgesehen von dem allem: Natürlich habe ich was zu verbergen. Sehr viel sogar. Das nennt man dann Privatsphäre.

  2. Lucky#Slevin schreibt:

    Privatsphäre? Wer hat denn noch Privatsphäre! Ich würd lieber mal wieder was von meiner Öffentlichkeitssphäre haben. Zum Beispiel habe ich keinen Bock, in der Öffentlichkeit Leuten beim Telefonieren zuzuhören: Das gehört in die Privatsphäre! Ich hab keine Lust, Leuten beim Knutschen zuzusehen: Privatsphäre! Ich will meine Öffentlichkeitssphere zurück, meine Privatsphäre hab ich eh verloren.

  3. Sebastian schreibt:

    Interessanter Ansatz, ich geh das mal durch. Bis nachher dann.

  4. Paul schreibt:

    Gut, dass ich mir heut noch Kubuntu raufspiele.

    Mein Dozent meint übrigens auch, dass er nichts zu verbergen hat, und dass Leute, die absolut gegen Videoüberwachung und Onlinedurchsuchung sind, damit zugeben, was zu verbergen zu haben. Die haben doch eine Leiche im Keller, meint er.

    Dass es den Staat nichts angeht, wo ich langlaufe und was auf meinem Rechner passiert und dass ich Angst habe, dass diese Daten in die falschen Hände gelangen, ist ja nicht weiter wichtig.

  5. Ihhh..KDE! 😉 Heute noch? In ein paar Wochen erscheint die 7.10er-Version, aber Leute mit DSL stöt sowas ja nicht, die machen auch Updates über’s Internet.

    Hat man etwa kein Recht etwas zu verbergen? Etwa, das man einen Fetisch hat, das man sich von Hundefutter ernährt, das man ein Toupe trägt oder die Coupe ließt. Es gibt auch legale Sachen, die man der Öffentlichkeit nicht Preis geben möchte. Am besten läuft man diesem Kerl mal auf Schritt und tritt hinterher, durchwühlt seine Wohnung und fragt ihn, ob er das schön findet.

  6. Paul schreibt:

    Habe ja auch DSL, und für die 7.04er Version gibts in der Chip eine ganz genaue Anleitung und so… Da mach ich das lieber mit der alten und update die 😉

    Nachlaufen: Ausgezeichnete Idee. Am besten auch, wenn er was mit der Freundin macht- schließlich hat er ja nix zu verbergen.

  7. Ich empfehle auf jeden Fall bei Fragen und Problemen ubuntuusers.de – also wiki.ubuntuusers.de als erste und forum.ubuntuusers.de als zweite Anlaufstelle. Ich hab ja selbst ubuntu, seit 6.06 bin ich dabei und muss sagen: Seit dem hat sich schon viel getan, jetzt, mit 7.04 kann man einfach installieren und, wenn man keine exotische Hardware hat, dann gibt es keine Probleme. Mit 7.10 wird das bestimmt sogar noch besser, zumal da compiz-fusion und nicht nur compiz-core mit drin ist (einfach mal ein Video bei youtube anschauen, compiz-fusion als Suchgegriff eingeben..Vista’s Aero ist ein Witz dagegen).

    Genau! Am besten noch mit einer Kamera, dann wird ihm vielleicht das Ausmaß etwas bewusster, denn die schauen sich das ja auch nicht einfach nur an.

  8. Paul schreibt:

    Hehe, jau. Das Ubuntu-Users-Wiki kenn ich schon, da hab ich mich des Öfteren durchgeklickt. Mit Ubuntu hab ichs nämlich mal probiert, allerdings hab ich das nicht durchgezogen…

  9. Sanja schreibt:

    so wird einem vorgeschrieben werden was man daheim zu essen, gucken, zu denken hat…

  10. MuGo schreibt:

    Ey, jetzt mal ganz ehrlich: Natürlich stört es mich nicht, dass sich jemand durchliest, was für Filme ich noch zu gucken gedenke; oder welche Rezepte ich unbedingt nachkochen muss; oder dass ich eine legale Vollversion von AoE II besitze.

    Nehmt es! Nehmt es und veröffentlicht es im Internet. Ist ja nichts schlimmes dabei! Und wenn später dazu noch jemand Lust hat: Ja, man könnte mich diese Dinge auch alle fragen, wenn man mich wirklich kennenlernen will. Aber wozu? Ich bin ja kein Terrorist, da gibt es auch nichts interessantes zu besprechen…

    Was denken diese Leute, wenn sie 1984 lesen oder Brazil sehen? Oder wenn sie dem Stasi-Archiv einen Besuch abstatten? „Wir machen das nicht, weil wir ja lupenreine Demokraten sind“? Was machen diese Leute, wenn sie sich einen runterholen? Das Fenster auf, laut brüllend: „Für Gott und Vaterland!“?

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