La BOOOOM

Ich habe jetzt das erste mal diesen niedlichen film aus Frankreich gesehen, in dem die junge Sophie Marceau ihre erste Party feiert. Das wirkte so antiquiert, aber doch so vertraut, weil Jugendliche immer Jugendliche sind und ihre Klamotten 10, 20, 30 Jahre später immer scheisse aussehen. Es passieren die gleichen Dinge, Knutschereien, der erste Suff, blabla, dazu läuft aber die falsche Musik. In dem Film sowieso, ist schließlich ein französischer Film. Aber im Grunde gibt der Film ein ziemlich realistisches Bild der typischen Jugend ab, die damals genauso funktioniert hat wie heute.

Ich habe mich gefragt, wie meine erste Party auf einen Jugendlichen von heute wirken würde. Wenn man sie nur verfilmen würde…
Es ist aber garnicht so leicht zu verorten, was man als erste Party gelten lassen kann, denn der Übergang vom Kindergeburtstag zur Party kann ja manchmal recht fließend verlaufen. So von wegen Kerzen ausblasen, erstes Geschenk ne coole Actionfigur, nächstes Geschenk aber schon ne coole CD, da muss man sich dann entscheiden wohin man gehört. Am besten dann noch ein Spiel und dann saufen.

Im Grunde ist Flaschendrehen ein Scharnier zwischen Kindheit und Jugend.

Wie auch immer. Ich nehme als Grundlage mal einen Abend, den ich durchaus als ersten coolen Partyabend gelten lassen kann.

1994. Erinnern Sie sich? Mandela wird erster schwarzer Präsident von ganz Afrika, Bruce Springsteen singt über Brotaufstrich und überhaupt, Sommer der Liebe. Ich war 13, so wie Sophie Marceau.

Es war bestimmt ein warmer Sommer, an dem mein rund 4 Jahre älterer Bruder so etwas sagte wie „Ich habe gehört, das gibt ein fette, fette Party“ oder sowas. Er wollte mich natürlich nicht dabei haben, aber irgendwie konnte ich ihn und seine Kumpels überreden, doch mal mitzukommen, von wegen „wenn er kiffen kann, kann er auch feiern“. Damals sagte man noch Kumpels.

Meine Mutter sagte selbstverständlich „Nein“, ein letzter Versuch nach der Scheidung meiner Eltern, noch mal Autorität aufblitzen zu lassen. Danach hat sie es nicht mehr wirklich versucht, denn hier hat es schon nicht geholfen. Aber immerhin hatte ich noch so etwas wie Respekt oder so, jedenfalls habe ich, Ferris Bueler sei Dank, einen Plan gehabt, mit dem meine Mutter meinen Abgang nichtmal bemerken sollte. Plan: Ich nehme einen aufblasbaren, ca. 1 Meter großen Drachen, stecke ihn unter die Bettdecke und gehe los. Genial!

Ich wollte euch eigentlich ein Bild des Drachen reinstellen, hab aber keins gefunden, stattdessen gibt es eins von David Hasselhoff:


(Foto: Frank Nash)

Also der Drache war grün. War auch mehr so ein Godzilla. Nur, dass ihr euch ein Bild davon machen könnt und The Hoff wieder loswerdet.

Wir gingen also los. Wohin ging es? Eat this, biatch:

Strandparty, gleich mal viel geiler als irgendne Butze. Gut, bisschen abseits vom Badestrand, aber hey, war ja eh dunkel, baden war da garnicht drin. Mein Bruder meinte, es sollen einige Leute kommen.

Und sie kamen! Eigentlich von überall. War einerseits eh Tourisaison, da treibt sich so einiges Pack bei uns rum, andererseits gab es damals noch sowas wie eine große Community unter den Jugendlichen, nicht nur so vereinzelte Freundeskreise. Am ganzen Strand waren Lagerfeuer, unzählige Menschen waren anwesend, überwältigend für so nen kleinen Spasten wie mich.

Es war auch ein bisschen kalt. Ich trug ein (damals relativ) modisches Flanellhemd, Youth of the grunge nation, you know? „Holzfällerhemden“ sind, wenn es kalt ist, tierisch kalt, und wenn es warm ist, tödlich heiss. Holzfäller sind halt dumm.

Aber ich konnte mich ja wärmen, denn wenn es an einem nicht gemangelt hat, dann am Alkohol. Unerfahren, wie ich war, habe ich mich aber nur ein wenig am Gerstensaft versucht, Holsten, was mir eigentlich schon gereicht hat. Besoffen wurde ich an diesem Abend nicht wirklich, denn an den Geschmack von Bier habe ich mich noch nicht so recht gewöhnt gehabt. Bei Sophie in Frankreich haben sie auch Spiele gespielt, hier gab es nur ein Spiel: Dose aufmachen und trinken.

Musik lief, soweit ich mich erinnere, wenig oder garnicht. Der eingeborene Strandbewohner weiss: Ghettoblaster haben am Strand nur eine sehr begrenzte Lebensdauer. Es gab aber sicher ein oder zwei. Und wenn was lief, was war es? Ich sag’s euch: Nirvana! Immer und überall war Nirvana, denn Kurt Cobain war grade erst gestorben, und wir waren alle grunge. Danach war ich noch alles mögliche, davor in erster Linie Kind, aber an diesem Abend waren wir alle grunge.

Die hässliche Jessica sprach mich irgendwann an und fragte, was ich hier zu suchen habe. Ich bin doch noch viel zu jung. Die hässliche Jessica war eine bekannte unserer Familie und ungefähr so alt wie mein Bruder. Ich habe, denke ich, was nettes gesagt, und sie zog wieder ab. Mein Gott, das einzige Mädchen, das hier mit mir quatscht, die hässliche Jessica. Egal.

Zu Hause bin ich längst aufgeflogen. Meine Schwester, 2 jahre jünger, hat den „Plan“ durchschaut, kaum dass ich zur Tür draussen war. Kleine Schwestern, die nicht mitspielen dürfen, heulen und petzen natürlich gleich rum, aber was konnte meine Mutter schon machen? Handies gab es damals ja noch nicht, und hinterher fahren, och, ist ja auch büschen umständlich, nech?
Auch Jahre danach wurde dieser Abend immer mal wieder scherzhaft ein Thema, vor allem, dass die hässliche Jessica mich bei meinem Vater verpetzt hat, warum auch immer.

Den Ärger gab es also, nachdem wir wieder zu Hause waren. War sicher nicht sehr konsequent, ich weiss davon nichts mehr. Ich ließ noch den Abend auf mich wirken, der irgendwie gemischt war. Denn einerseits war ich jetzt part of it, andererseits aber halt doch das Anhängsel meines Bruders. Es wurde Zeit für eine eigene, viel coolere Clique, mit noch viel cooleren Parties. Aber nicht heute abend.

Wie würde dieser Abend auf einen 13-16-jährigen Jungen wirken, wenn er sie in einem Film sehen würde?
Die Klamotten zu der Zeit waren absolut nicht auffällig. So leid mir das tut, aber da wird später mal nichts hängen bleiben. So bisschen Schlabberlook, Grunge, Holzfällerhemden, das ist nicht vergleichbar mit den hässlichen Vokuhilas der Jahre davor und heutzutage und tief hängende Hosen kannten wir auch noch nicht.
Ich glaube, meine Jugend war eine sehr normale Generation ohne große Schnörkel. Also wird der Junge die Party wahrscheinlich als ziemlich langweilig wahrnehmen und sich wundern über die mangelnde technische Ausstattung, die wir bei uns führten. Wenn’s hochkam, ein Discman. Da hat man CDs reingetan und mit sich rumgeschleppt, das muss man sich mal vorstellen.
Nirvana läuft auch heute noch aus irgendeinem Grund, ich kann’s jedenfalls nicht mehr hören. Aber schämen muss man sich heutzutage nicht mehr dafür, wie unsere Eltern mit ihrer Disco-Scheisse (die man heimlich natürlich selber hört, wegen den geilen Bassläufen).

Es ist irgendwie schade, dass ich nur noch so wenig über diesen Abend weiss. Aber es folgten ja noch viele andere. Und da kamen die Hormone erst so richtig ins Spiel. Yay.

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14 Antworten zu La BOOOOM

  1. MuGo schreibt:

    „Es passieren die gleichen Dinge, Knutschereien, der erste Suff, blabla, dazu läuft aber die falsche Musik. In dem Film sowieso, ist schließlich ein französischer Film.“

    Alter, sach nix gegen französische Musik. Da bewegst du dich echt auf dünnem Eis…

    Aber klingt doch nach einer stinknormalen Anfängerparty. So beginnt man doch meistens, wenn auch bei mir mangels großem Bruder mit den Kumpels.

  2. Sebastian schreibt:

    Hm, aber in dem Film fand ich die Musik einfach furchtbar. Das sind ja auch noch mehr so franz. Schlager.

    Aber Alizée ist schon geil. Jetzt vielleicht nicht unbedingt von der Musik, aber da gibt es auch ein paar nette Sachen.

  3. Lucky#Slevin schreibt:

    YELLE!!!!

    Und naja, wenn du dir mal die Parties von heute anguckst, sind die auch nich so anders als die der 80er, und wenn wir ehrlich sind, die Klamotten noch beschissener..

  4. Sebastian schreibt:

    Genau das hab ich doch geschrieben. Immer das gleiche, nur Klamotten und Musik sind anders.

    Die Klamotten heute gehen fast noch, aber die Haare, mein Gott… die Haare *seufz*

  5. fazzolo schreibt:

    der Film ist schön. Es blitzt die gleiche Melancholie und Sehnsucht nach vergangenen Zeiten auf wie wenn man einen alten Song hört oder ein altbekannten Geruch riecht.

  6. MuGo schreibt:

    Hehe, ja, die Frisuren sind echt scheiße…

    Danke übrigens für den Hasselhoff. Sieht man ja heutzutage viel zu selten…

  7. Sebastian schreibt:

    Ich bin mir übrigens bewusst, dass es Blödsinn ist, die Atmosphäre einer Party in einem Blogeintrag wiedergeben zu wollen.

    Diese ganzen Retrosachen schreibe ich mehr so auf, um mir das alles mal wieder ins Gedächtnis zu rufen, für außenstehende ist das natürlich nicht immer wirklich interessant. Deswegen ja auch The Hoff.

  8. Ich weiß bis heute nicht, was so toll an Partys sein soll. Ich finde soetwas meistens langweilig. Außer Betrunkene anmalen und Bekiffte verarschen..“DIE BULLEN! DIE BULLEN!“ Herrrrrrrrlich, diese Angst in den Kinderaugen! So, jetzt Kuchen, Kakao und Die Simpsons – Der Film. Meine Partys sind im Kopf. (Anm.: Ich wurde früher oft gefragt, ob ich auf irgendwelchen Drogen bin. Das war ich nie, zumindestens nicht auf solchen, die mein Verhalten erklären würden, das zur Frage führte. Und heute ist meine einzige Droge die Zigarette, und es tut mir Leid, dass ich nie bewusstseinserweiternde Drogen, allen voran Mescalin, genommen habe. Nun ist es wohl fast schon zu spät. Wenn ich alt bin, dann werde ich sie vllt. alle mal probieren.)

  9. Steffi schreibt:

    Ich finde Partys haben was, nur war ich bisher selten auf welchen. Basti und ich haben versucht nach diesem Blogeintrag zu definieren, was nun unter Party fällt und welches Fest was anderes ist. Gar nicht so einfach.

  10. Pingback: D. I. S. C. O. « Abfallkalender

  11. Dennis schreibt:

    Schön, das du das niedergeschrieben hast! Mitnehmen wollt ich dich übrigens nie, weil solche Abende meist aus Langeweile in kriminelle Geschichten ausgeufert sind. Von Rauschmitteln will ich gar nicht erst anfangen. Nach diesem Abend war ich froh, das er recht human abgelaufen ist und früh zuende war. Auch wenn der „mein Status“ dabei gestorben war… 🙂 Deine Schilderung könnte mir , so glaube ich, vielleicht mal bei meinen beiden helfen (entwickelt sich eigentlich genau so).

    Gruss

  12. Sebastian schreibt:

    Freut mich, dass es Dir gefällt 🙂 Wenn Du bisschen rumstöberst, findest Du glaube ich noch mehr, und wenn nicht, da kommt noch einiges.

    *schluck* ich sehe grade, dass The Hoff garnicht mehr online ist… gestern lief übrigens der Pilot zur neuen Knight Rider-Serie. Mit einem hässlichen Shelby Mustang als KITT.

  13. MuGo schreibt:

    Ich habe mir jetzt aufgrund des Beitrags La Boum einmal angeguckt. Interessant, jetzt weiß ich, woher diese ganzen Standard-Teenie-Komödien-Szenen herkommen. Aber wo war da bitte der erste Suff?

    Ansonsten hasst du Recht – niedlich trifft es. Und ja, die Musik IST schrecklich. Trotzdem, kann man schon weiterempfehlen. Und er eignet sich prächtig, um MST zu imitieren. Gerade Silvio Berlusconi in seiner Rolle als Vics Vater gibt ein prächtiges Opfer ab.

  14. Pingback: Durchgezogen « social issues and stuff

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