Persönlichkeit: uncategorized

Mein Leben lang bin ich nie einem Trend hinterher gelaufen, zumindest nicht so, dass es mir bewusst wäre… wobei, doch! Einmal. Da wollte ich unbedingt diese TOLLE Barbiekutsche mit Barbiepferd haben. Alle hatten Barbies und ich wollte bis zu diesem Zeitpunkt nichts, aber wirklich gar nichts von diesen dummen Puppen wissen. Aber nach diesem Werbespot, in dem das Pferd selbstständig an einer Klippe entlang den Wagen durch das Gebirge lenkt, stand es ganz oben auf meinem Wunschzettel.
Mit 10 oder 11 stellte ich also fest, dass Batterien nicht ausreichen, um ein Pferd zum Leben zu erwecken. Enttäuscht kehrte ich wieder zu meiner AntiBarbieHaltung zurück. Pferd und Kutsche landeten im Keller, meine Ambitionen normal zu sein auch.
Aber wer ist schon normal? Jeder ist auf seine Art anders. Jeder ist verrückt. Triffst du Leute auf der Straße, weißt du das aber nicht gleich. Du steckst sie in irgendeine Kategorie, mit der meist ein Vorurteil einhergeht. Jenachdem wie du über den anderen urteilst, kommt es zu einem näheren Kontakt oder nicht.

Ich glaube ich bin nicht die erste, die darüber schreibt, und es auch das ein oder andere Mal auf diesem Blog schon Thema war, aber von der Erkenntnis des gezwungen Individualismus kann man nicht genug schreiben.
„Ich will individuell sein! Deshalb…
a) ziehe ich mich nur noch scharz an!
b) werde ich Punk!
c) bin ich Gangster und alle haben Angst vor mir!
d) mache ich Karriere und zeig allen, was ich Tolles kann!
e) mach ich mich wunderschön, dass alle neidisch sind!
f)…“
Je nach eigener Prägung meint man Tussen, Nerds, Ökos, Schäferhundbesitzer, Machos usw in den Menschen um einem herum zu erkennen.
Und die, die versuchen sich durch bestimmte Kleidung besonders hervorzuheben, fallen durch die extreme Anzahl von Individualisierungsversuchen wieder in die Masse zurück.

Na wie auch immer.
Wo wollte ich am Anfang des Beitrages noch einmal hin?
Ach ja, zum Trend der Trendlosigkeit.
Positiv daran ist:
– Du kannst mit den meisten Kategoriesierten doch irgendwie ganz gut
– Du musst dich nicht von anderen abgrenzen
Negativ daran ist:
– Du hast keine feste Gruppe, zu der du dich zugehörig fühlst
– Kategoriesierte sind erst einmal misstrauisch.
Es hilft also nicht gerade auf offener Straße Kontakte zu knüpfen.

Auf dem Breeze nun waren 14000 Leute zusammen campen, die zum größten Teil einer Vorurteilskategorie angehören: Die bösen Metaller mit ihren langen Haaren und alle in schwarz. In Wahrheit jedoch sind sie alle verschieden und individuell, auch wenn sich manche zum verwächseln ähnlich sehen.
Eine tolle Erfahrung dort war, dass wildfremde Leute mit anderen wildfremden Leuten den Kontakt gesucht haben. Alle haben zwar ein Thema, über das sie miteinander kommunizieren können, doch geht es früher oder später auch um ganz andere Sachen und so steht nicht nur die Musik im Vordergrund, die das Bild vom bösen Satanisten prägt.

Oft habe ich mich darüber geärgert, dass ich nicht einfach an irgendwelchen Orten Leute, die mir gleichen, an ihrer Kleidung erkennen kann. Doch wenn ich mir überlege, dass ich auch schon auf nem Christival, ner Lan, im Verein und bei den Jusos war bzw bin und doch überall irgendwie reingefunden habe, bin ich froh darüber, dass ich ein ein Normali bin.
Hui :- D
Ich bin stolz darauf ein Egali zu sein!
Welch Outing…

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22 Antworten zu Persönlichkeit: uncategorized

  1. MuGo schreibt:

    Wäre ja auch schlimm, wenn man nur in schwarzen Kutten zum Metal-Konzert gehen dürfte, um mal beim Thema zu bleiben.^^

    Ich bin auch „normal“ und habe deswegen die Möglichkeit, überall zimelich vorurteilslos aufzutauchen. Klar, auf einem HipHop- oder Metal-Konzert würde ich natürlich auffallen, weil ich nicht uniformiert bin – aber immerhin könnte ich bei beiden Veranstaltungen ziemlich stressfrei aufschlagen. Das wäre für den Kuttenträger beim Freestyle-Jam schon schwieriger. Oder den Goth bei der Jungen Union…

  2. Lucky#Slevin schreibt:

    Das dachte ich auch immer. Ich will nicht Tussi sein, aber auch nicht Skater-Girl, ich will nicht Emo aber auch nicht Electro und schon gar nicht Punk oder Goth sein- aber was bin ich jetzt?

    Sich nicht zu entscheiden heisst meistens einfach nicht entscheidungsfähig zu sein, was nicht immer ein Nachteil, aber eigentlich nie ein Vorteil sein muss.

  3. MuGo schreibt:

    Naja, was heißt „nicht entscheidungsfähig“? Die Frage lautet doch eher: Warum sollte ich mich eingrenzen? Denn die meisten Gruppen funktionieren ja darüber, was sie nicht sind…

  4. Lucky#Slevin schreibt:

    Wenn du das kannst, dann beneide ich dich. Ich persönliche fühle mich eigentlich immer zerrissen, weiß nie, wo ich eigentlich hingehöre und habe zwar die Freiheit, flexibel und variabel zu sein, aber niemals wirklich „dazugehören“ ist nicht immer beruhigend.

  5. MuGo schreibt:

    Naja, es wäre jetzt übertrieben, wenn ich behaupte, dass ich mich nie ausgeschlossen fühl(t)e. Aber ich bin eigentlich ganz zufrieden, weil ich mich, je nach Situation, schon mit Leuten verstanden habe, die eigentlich gar nichts mit meinem Freundeskreis zu tun haben. Aber es stimmt schon: Man ist fast immer nur im erweiterten Kreis und gehört selten zu den richtig guten Freunden…

  6. Steffi schreibt:

    Dieses Zerrissenheitsgefühl kenn ich auch. Vor allem in meinen jewailigen Klassenverbünden war es immer ne ziemliche Scheiße keiner Gruppe zuzugehören. Du bist überall, aber niergends daheim, quasie.
    Eine Folge ist auch, dass du halt doch nie immer ganz du sein kannst, weil immer irgendeine deiner Seiten mehr oder minder unangebracht ist. Je nach Gruppe, zu der du dich begibst, gibt es halt Themen, die da keinen interessieren. Fängst du mit denen an, kannst du gleich wieder gehen.

    Und schon wieder gehört man nicht ganz dazu.

  7. Sebastian schreibt:

    Und das ist okay.

  8. MuGo schreibt:

    Tja, da habt ihr beide Recht: Einerseits muss man sich verstellen, andererseits erwartet man von anderen ja auch, dass sie einem z.B. nicht über dieses total schicke Kleid von Pimkie vollsülzen – obwohl das für betreffende Person vielleicht das Maß aller Dinge ist!

  9. Ach ihr immer..ist doch egal ob man einer Gruppe zugehört oder nicht, hauptsache man ist man selbst. Und wer das eine will, muss das andere mögen.
    Ich für meinen Teil zähle mich auch zu keiner Gruppe dazu. Ich kenne auch viele Leute, aber wie schon gesagt hat man dabei kaum einen engeren Freundeskreis. Viele wissen wer ich bin, aber niemand kennt mich wirklich richtig. Wenn ich will, dann kann ich in einer Gruppe von Leuten Unterhaltungen suchen oder sie unterhalten, wenn ich das nicht will, kann ich mir recht sicher sein, dass ich in Ruhe gelassen werde. Gesprächsthemen, die mich interessieren, versteht kaum ein anderer oder sind gar uninteressant. Na und? Manchmal fühlt man sich deplaziert und alleingelassen. Aber wenigstens bin ich nicht kategorisierbar, man kann gegen mich nicht Schubladendenken anwenden. Bei Nazis könnte ich mit meinen etwas längeren Haaren wohl nicht punkten, aber sonst fällt mir auch keine Personengruppe ein, die mich sonst noch von vornherrein verurteilen würde. Freunde kann man überall finden, das können die kategoriesierbaren Leute nicht so einfach. Natürlich habe ich auch meine vorlieben, aber klarkommen kann ich mit allen Leuten sehr gut. Kluge, Dumme, Behinderte, Punks, Alte, Metaller, Emos, Penner, Hausfrauen, Christen – keiner hat etwas gegen mich. Warum soll das schlecht sein? Man muss sich nur damit arrangieren können.

  10. rollinger schreibt:

    mein Gott ich bin alt.
    Jedenfalls war das „früher“ so, daß es wirklich nur ein paar Gruppen gab. heute ist alles ein Brei und verwaschen. Was besser ist weiß ich nicht. Ich glaube so wie heute ist es besser.
    Natürlich lief ich mit blauem Irokesen herum und Springerstiefel trage ich auch heute noch beim Kinderwagen schieben.
    Jedenfalls kann man sich merken. Die , die so gefährlich aussehen sidn eigentlich genau das gegenteil. Ob Punk, metaller, Gothic. Vor allem diese Gothics sind immer so extrem lieb.
    Schlechte Erfahrungen mit den Jeansjacken Polohemd Hochklappkragen Normalos. Aufgesetztes Durchschnittspack denen zumindest in der männlichen Version nur ihre Autos wichtig sind. Bei Krawallen aber gerne vorne dabei als Mitläufer und Hetzer. So von mir erlebt.

  11. Steffi schreibt:

    Polohemdhochklappkragen sind für mich keine Normalos sondern eine bisher noch namenlose Gruppe.
    Ich ernenne sie hiermit zu den Scharbeutzern (im Urlaub in eben diesem Ort haben wir nämlich extrem viele von ihnen getroffen…)

  12. Sebastian schreibt:

    Hey, nichts gegen Jeansjacken!

  13. MuGo schreibt:

    Polohemdenhochklapper stehen nun einmal in der Tradition der verzogenen Jünglinge der Oberschicht – nur weil es die so nicht mehr gibt, heißt das ja noch lange nicht, dass diese Charaktermentalität aus der Gesellschaft verschwindet…

  14. Steffi schreibt:

    Wer kennt Nachtcafe?
    Da ging es diesen Freitag um „Kleider machen Leute“ Unter anderem waren halt u.a. ein Schnösel und ein Gothik zu Gast, beide etwa im gleichen Alter.

    Der Gothik hat erzählt, dass er sich von der Allgemeinheit abzugrenzen versucht.
    Da hab ich dann mal drüber nachgedacht, aber irgendwie (auch in der Sendung selbst schon) hatte ich das Gefühl, dass letztendlich der Schnösel auf der Straße (inzwischen) schiefer angeguckt wird als der Gothik.

    Stark war´s dann trotzdem am Schluss, als rauskam, dass der Gothik Luft- udn Raumfahrttechnik studiert. Da haben dann die meisten schon etwas überrascht geguckt.
    Von wegen Klischee.

  15. Nur weil er sowas studiert kann er doch trotzdem Hamster Opfern und Jungfrauenblut trinken oder umgekehrt. Oder war das Klischee etwa, dass alle Gothics dumm sind? Das war doch eher bei Nazis so 😀

  16. MuGo schreibt:

    Wahrscheinlicher war das erstaunliche eher, dass er etwas „Bodenständiges“ wie ein Ingenieurwesen studiert oder so.

    Ich habe mir ehrlicherweise bisher noch nicht viele Gedanken gemacht, als was Gothics denn so arbeiten…

  17. Sebastian schreibt:

    Ich dachte immer, die werden Postkartenpoet.

  18. The_Exploited schreibt:

    Ihr mit eurem ganzen Scheiß wie: „ich finde Freunde überall“, Ihr „Normalos“ kotzt mich echt an! Ich bin Punk und ich habe Hopper und Metaler als Freunde, na und? ich hab kein Problem mich mit anderen Gruppen anzufreunden (Nazis ausgeschlossen). Ich hab halt die typischen Punkidealen und die politische Einstellung, deswegen fühle ich mich eher zu anderen Punks hingezogen, da man mit denen über genau diese Sachen reden kann. Mit meinen Hopperfreunden z.B. kann ich das nicht und auf Dauer würde ich es ohne Diskussionen über Politik und dergleichen nicht aushalten.

  19. MuGo schreibt:

    Damit haben wir „Normalos“ endlich geschafft, wovon jede Jugendkultur träumt: Wir provozieren die Menschen!

  20. Sebastian schreibt:

    Der Punk da hat den Text einfach nicht verstanden. Der Witz ist, dass es im Grunde keine „normalen“ Menschen gibt, sondern einfach Menschen, die ihre Individualität nicht durch Klamotten nach außen tragen wollen, weil das nicht nötig sein sollte.

    Gelacht habe ich trotzdem 🙂

  21. Sebastian schreibt:

    Wie spießig ist das eigentlich, Menschen wegen ihrer Kleidung von der Seite anzumachen? So viel mal zu Punkidealen, Herr Exploited 🙂

  22. MuGo schreibt:

    Vor allem verbreitet er genau die gleichen dämlichen Klischees, die er uns vorwirft – alle HipHopper haben kein Interesse an Politik! Außerdem müssen das ja auch sehr fruchtbare Diskussionen sein, wenn man immer nur mit Leuten redet, die die selben politischen Einstellungen haben…

    So, genug Bashing von Leuten, die sich nicht wehren können, weil sie eh nie wieder wiederkehren. Ich gehe mich jetzt mal wieder normal fühlen…

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