„spiderpig, spiderpig, does what spiderpigs do“

Ich höre gerade das neue „Puzzle“-Album von Biffy Clyro, erst zum zweiten Mal komplett, nachdem ich mir schon die Perlen „Who’s got a match?“ und „The conversation is..“ als Highlights rausgesucht hatte und dauernd hörte, folge ich jetzt dem Leitsatz des ersten Stückes „Living is a problem because everything dies“ und sage „I don’t wanna waste no more time“ und höre das Album jetzt öfter, bis ich mich endlich an diesen Popsound gewöhnt habe. Denn Biffy Clyro sind wohl eine der großartigsten Bands aller Zeiten – neben Vex Red natürlich. Das die beiden Bands niemand kennt – wie sehr viele Bands, die ich gern mag – hat für mich den Vorteil, dass ich sie nur höre, wenn ich es will und nicht die Gefahr besteht, dass man sie dauernd im Radio hört. Obwohl ich neulich echt geschockt war, als mit „There’s No Such Thing As A Jaggy Snake“ eines der quersten (aber trotzdem genialen) Lieder des gesamten Biffy-Clyro-Imperiums (bitte beachtet die Nutzung von Bindestrichen, diese ist heutzutage anscheinend nicht mehr normal. Kreidet das immer an, wenn ihr bei anderen Leuten merkt, dass sie diese nicht nutzen, obwohl sie genutzt werden müssten. Gegen den Verfall der deutschen Sprache! Tötet ihre Führer!) auf MotorFM gespielt wurde. Dabei hasse ich Radio (aber konnte mich in der Situation nicht dagegen wehren, da wir im Auto unseres Fotografen unterwegs waren), abrundtief sogar- außer Klassiksender wie Radio Figaro oder Klassik-Radio. Mehr Musik, weniger Pop, weniger sinnfreies Gerede, keine Werbung.

Gestern kam im Übrigen eine Perle der Filmkunst auf 3Sat – Waking Life. Ein Film wie ein Gedanke oder eine gute Kurzgeschichte, so quer und anders. Sehr empfehlenswerte, ich schaue ihn mir gleich nach Veröffentlichung dieses Beitrages nochmals an. Und von wegen quer: Dieses Gerede von wegen „gegen den Strom schwimmen“ finde ich reichlich sinnlos. Endtweder treiben lassen oder einfach zur Seite schwimmen und aus dem Fluss aussteigen. Genauso wie in Trick- oder anderem Film Figuren vor fallenden, hohen Gegenständen, die einen Fixpunkt auf dem Boden haben, immer in Fallrichtung davonlaufen, statt einfach zur Seite zu gehen; das habe ich schon als Kind nicht verstanden. Aber ich verstehe ja so vieles nicht, z.b. wie sich Menschen so viel um belangloses Zeug Gedanken machen oder sogar darüber reden können, ich finde soetwas eher anstrengend. Das bringt mich widerum zur 37°-Reportage über Autismus, die ich auch gestern abend gesehen habe. Da dachte ich mir wieder „Mensch, da passen einige Symptome ja auch auf dich“ – aber das finde ich bei vielen psychischen Krankheiten, womit ich einfach beschlossen habe, dass ich nicht verrückt bin und Diagnosen besser von Leuten gestellt werden sollten, die dafür eine Ausbildung genossen haben. Aber wie diese Autistin in der Reportage schon feststellte, ist ein Leben ohne meine Irrheit für mich garnicht wünschenswert. Ich bin lieber so wie ich bin, statt so zu sein, wie ich mir nicht erklären kann, warum man auf diese Weise sein kann. Ich zumindestens verstehe, was ich mit dem letzen Satz gemeint habe.

Jedenfals denke ich in den letzten Tagen bei jedem Blick in den Spiegel, dass ich garnicht mehr so langweilig aussehe wie noch vor ein paar Tagen. Was ein „Bart“ und neue Klamotten so machen können. Außerdem die Schlussfolgerung: Berlin ist genauso in Ordnung wie Hamburg, nur dreckiger und größer; außerdem mag ich im allgemeinen keine Großstädte. Aber ich kann mir auch nicht vorstellen in einer kleinen Stadt zu wohnen, in einer „Wohnung“. Ich mag keine Wohnungen, ich mag Häuser. Ich mag keine Städte, ich mag Dörfer, kleine Dörfer. Wenn jeder noch jeden kennt und große Mitleidsbekundungen gibt wenn jemand in ein Krankenhaus kommt. „Klausi ist wieder im Krankenhaus.“ „Ach Gott!“

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gehirnstürm, Girl, you have no faith in medien, Wir waren mal Stars veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu „spiderpig, spiderpig, does what spiderpigs do“

  1. Sebastian schreibt:

    Tatsächlich kenne ich weder Biffy Clyro noch Vex Red, sehrwohl aber Bindestriche. Gedankenstriche hingegen werden vor allem vom Spiegel viel zu oft gebraucht – ein Unding.

    Ich glaube, mit so einem leichten Bart siehst Du bestimmt aus wie Ethan Hawke, aber der echte, nicht der übermalte.

  2. Steffi schreibt:

    So viele Gedanken auf so engem Raum.
    Da greif ich doch glatt mal zwei heraus.

    1. Radio
    Radio ist wirklich nervig, vor allem morgens, wenn sich die Sender um die lustigeste Morgensendung streiten. Nur dummes Geschwätz…
    In den letzten Wochen jedoch habe ich Radio schätzen gelernt, bzw. seit mein Vater im Auto und zu Hause nun immer seine spanische Musik drin hat. Die Auf-den-Senkel-geh-Stellung des Radios hat somit die immergleiche Musik meines Vaters eingenommen…

    2. Autismus
    Eine sehr interessante Sache eigentlich. Man denke nur an den Typ, der ganz Paris (?) nach einem Flug aus dem Kopf aufgezeichnet hat. (dieses Bild würd ich voll gern haben…)
    Auch Basti und ich haben einige autistische Züge an uns entdeckt. Interessant wie man alles an sich wiederfindet, was man zu suchen beginnt. Deshalb war ich auch schon einmal felsenfest davon überzeugt einen Gehirntumor zu haben als mich etwas Kopfweh gequält hat.

  3. @Sebastian: Biffy Clyro könnten jetzt langsam etwas berühmter werden, da sie „endlich“ auch beworben werden. Aber das wird sich zeigen, der Sound der Platte ist zwar mehr Mainstream-mäßig geworden, aber die Musik ist es deswegen nicht unbedingt, klingt jetzt nur leichter zugänglich.

    Ja, das stimmt wohl. Auch wenn ich selten Spiegel lese. Und überhaupt selten Magazine lese, die meisten sind mir entweder zu inkorrekt oder zu langatmig.

    Ethan Hawke hat übrigends auch bei Waking Life mitgespielt – wer der da ist, kann ich nur vermuten (ich bin für den Typen im Bett mit seiner Freundin. Und den im Auto mit der Sprechanlage).

    @Steffi: Das ist soetwas wie ein kurzer Gedankenzug von mir, sowas werde ich hier wohl des öfteren posten. Ich kann nicht anders 🙂

    Savants sind übrigends nur spezielle Autisten mit stark ausgeprägten Inselbegabungen. Die haben zwar viele Autisten, aber nur selten so sehr ausgeprägt. Savants sind auch nicht so richtig „harte“ Autisten, denn die Leben ja, wie man so schön sagt, in ihrer eigenen Welt. Ich kenne mich da aus, ich bin ja schließlich in der Behindertenbetreuung angestellt. In unserem Haus haben wir einen kleinen neunjährigen Autisten, der ist echt niedlich 🙂 Ansonsten gibt es noch eine Wohngruppe speziell nur mit Autisten – davon ist keiner auch nur annähern ein Savant. Schade. nebenbei: Savantfähigkeiten kann jeder Mensch kriegen, zumindestens für kurze Zeiträume. Mittels Magnetstrahlung werden bestimmte Bereiche im Hirn „runtergefahren“, dadurch werden andere Bereiche hyperaktiv und man kann z.B. viel besser zeichnen als vorher.
    Eigendiagnosen finde ich beängstigend, genauso oder gar noch mehr ängstigt mich aber, wie schnell so viele Leute zu Medikamenten greifen (gegen Kopfschmerzen, gegen Erkältung usw. Und wie leichtfertige Ärzte mit Antibiotika umgehen. Mit etwas Pech haben wir es noch zu unseren Lebzeiten mit hyperresistenten Krankheitserregern zu tun, dann gibt es wieder Grippewellen wie am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Und gegen soetwas kann man sich nicht so einfach wie vor AIDS schützen. Lassen wir einfach nur H5N1 eine Runde mutieren und auf unter Menschen übertragbar werden – schon gibt es millionen Tote.

    Und zum Abschluss noch eine kurze, lustige Statistik, die mir irgendwie gerade beim Thema Grippe eingefallen ist: Es sterben jedes Jahr weniger Leute an Haibissen als an herrabfallenden Kokosnüssen 😀

  4. Steffi schreibt:

    Daraus ziehe ich für mich den Schluss nie in ein Land mit Kokusnüssen zu ziehen, sondern lieber weiter mit meinen 1,3 Kindern in dem Haibecken um die Ecke zu schwimmen. :- D

  5. Sebastian schreibt:

    Ja, warum habe ich Ethan Hawke wohl erwähnt und sogar noch, dass ich den echten meine und nicht den angemalten 🙂 Und ja, es ist der Typ, der neben Julie Delpy liegt.

  6. Steffi schreibt:

    @ Heinz der Torfstecher

    Auch wenn´s nicht zum Thema passt:
    War grad auf der Seite deiner Band. Die Lieder sind gelungen, mich wundert es nur, dass du nie was über das Leben der Band hier blogst. Gäb doch sicher einiges her.
    Gibt´s dafür einen Grund?

  7. „Mein Leben in der Band“..ich weiß nicht, was man da groß drüber schreiben soll, denn mich beschäftigt das ja nicht so sehr. Also es ist nichts, worüber ich jetzt Stunden reden könnte oder das wahnsinnig viel Material hergibt, zumindestens nicht für mich. Wir sind ja auch keine große Band, die irgendwo auf Tour geht. Oder eine, in der sich dauernd gestritten wird oder die besonders spektakulär ist. Ich könnte wohl darüber schreiben, wie einen der Erkenntnisprozess ereilt und man Aufnahmen, die man beim Aufnehmen selbst für unglaublich gut hielt, nach und nach schlechter findet. Oder Pläne, die wir/ich haben, meine Probleme beim Finden von Komponenten zum Aufnehmen, meine Pläne zum Aufnehmen und Equipment kaufen. Aber das würde nicht sehr interessant werden. Wenn es etwas Berichtenswertes gäbe, dann würde ich es schon schreiben, auch in Zukunft. Bis es soweit ist beantworte ich natürlich gerne alle Fragen dazu.
    Ich blogge eigentlich nur Sachen, die mich beschäftigen und zu der meiner Meinung nach auch ein Bezug für die Allgemeinheit bestehen könnte. So werde ich zum Beispiel auch nicht über das momentane Verhältnis zu meiner momentan-Ex-und-hoffentlich-bald-wieder-Freundin bloggen, das wäre doch zu privat und exibitionistisch; meine Zeiten des Seelenstriptease sind vorbei und immernoch auf verblassend.de.vu für geneigte Leser auffindbar. Obwohl ich schon damals irgendwie ein Problem damit hatte, dass jeder verstehen könnte, was ich meine und deshalb alles etwas verschlüsselt geschrieben habe.
    Und wenn ich heutzutage etwas schreibe, dann ist es meisten auch so „stream of consciousness“-mäßig, wie mir die Gedanken mit ihren Verknüpfungen ebend durch den Kopf flogen; deswegen auch die Ansammlung bunter Themenzusammenhänge. Zur Zeit könnte ich weiter über Luzidität und wie mich dieser Klima-Hype nervt schreiben; vielleicht mache ich das auch noch. Oder ich schreibe mal was über „mein Leben in der Band“, gerade weil auf deine Anregung hin etwas dazu einfällt und es mich mehr beschäftigt.
    Im übrigen finde ich es sehr gut, dass dieses Blog nicht nur von einer Person geführt wird, denn zum einen herrscht dadurch eine Themenvielfalt und zum anderen kommt mir auch nie der Gedanke mal wieder etwas schreiben zu MÜSSEN. Oder die lange Zeiträume seit des letzen Blogeintrags rekapitulieren zu müssen. Oder sich/andern etwas beweisen zu müssen. Vielleicht ist es auch eine innere Ruhe, die mit dem Alter kommt. Jedenfals finde ich es so viel angenehmer als früher. Und man erreicht mehr Leute.
    Jetzt werde ich noch etwas Kuchen essen und dazu meinen traditionellen Liter Kakao trinken, „Das fünfte Element“ schauen und dann in meinen abstrusen und leider von mir noch nicht kontrollierbaren (aber wenigstens oftmals rekapitulierbaren, was früher nie der Fall war) Träumen versinken und weiter auf Wunder hoffen – deus ex machina!

  8. Steffi schreibt:

    Genau aus dem Grund würde ich nie alleine einen Blog aufmachen. Ich könnte ihn nie aufrecht erhalten, weil ich einfach nicht genug Einfälle habe, etwas zu schreiben, und auch nicht genügend verrückte Dinge erlebe bzw erlebt habe, auf die ich als Ideengeber zurückgreifen könnte.

    Eine wirklich gute Sache, dieser Dreierblog.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s