„fashion victim“ oder „Das Schachbrett zum anziehen“

Ich habe es endlich geschafft: Nach gefühlten 10 Jahren mit den immer selben Klamotten, zu denen nur neue kamen, wenn es zu Weihnachten von Mutti oder den Geschwistern mal etwas neues kam, habe ich endlich ein paar neue gekauft. Nur der weg dorthin war nicht so einfach – mein elitärer Geschmack und meine ungewöhnliche Statur führte mich durch unlaublich viele Läden – und in jedem waren diese Quergestreiften T-Shirts, Pullover, Pullunder, Jacken, Mützen, Schweißbänder usw. zu finden. Gibt es so viele dicke Leute, dass alle diese optischen Schlankmacher brauchen? Antwort: Ja! Denn bei meiner Hosensuche stieß ich statt der von mir benötigten 36(Weite)/36(Länge) auch auf Extremfälle wie 46/30. Von Hosen in meiner Größe gab es nur eine, und die habe ich dann auch gleich genommen, wobei mich selbst überraschte, dass ich eine ziemlich normale Jeans genommen habe, sogar in blau. Außerdem noch zwei Hoodies (Sweatshirts mit Kapuze) und drei T-Shirts.

Ich fühle mich anders. Modisch. Hier in Berlin laufen irgendwie die meisten so herrum. Und wenn ich am Sonntag wieder zurück in der Heimat bin, werde ich nicht so wie hier beim ersten Tragen des neuen Hoodies jemanden über den Weg laufen, der den Gleichen trägt und dessen Kumpel mit dem Finger auf mich zeigt. So nicht. Da lobe ich mir die von EU-Statistiken proklamierte Unbewohntheit meiner Heimat.

Jedenfalls nervt mich diese Querstreifenmode ziemlich. Außerdem finde ich es unfair, dass Männer in 85% der Klamottenläden nur mit kleinen Nischen abgespeißt werden, in denen Klamotten für sie hängen während Frauen das ganze Kaufhaus inklusive sämtlicher Umkleidekabinen für sich zugesichert bekommen. Und das an jeder Umkleidekabine ein Kleidungsstückelimit dran ist – da freut man sich, dass man mal vierSachen gefunden hat, darf aber nur vier mit reinnehmen. Sicher, bei Frauen ist das sinnvoll, sonst ufert das ja noch aus, und das tut es selbst mit vier Kleidungsstücken – zwanzig Minuten anstehen, um bei H&M eine Umkleidekabine zu bekommen. Und das es so wenige Hosen in meiner Größe gibt, genauso wie Schuhe. Und generell das es so wenige Bekleidungsgegenstände nach meinem Geschmack gibt. Und das Frauen in solchen Läden einfach nur durchgehen können, dabei Sachen rausgreifen, die mir gefallen und ich selbst nach langem suchen nie etwas finde, erst recht nicht in meiner Größe. Aber das muss wohl die Logik der Modewelt sein – von Frauen für Frauen. Dafür kenne ich mich mit PC’s aus.

Um nochmal auf die Querstreifen zurückzukommen: Wenn die dünner machen und Längsstreifen dicker – was macht dann mein neuer Schachbrettmusterhoodie? Und: Gibt es Schachfiguren mit Klett, damit ich überall und jederzeit spielen kann?

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9 Antworten zu „fashion victim“ oder „Das Schachbrett zum anziehen“

  1. Sebastian schreibt:

    Kleine Verwechslung Deinerseits: Querstreifen machen dick, Längsstreifen machen dünn. Schon von der Logik her. Evtl. machen aber Querstreifen dicke dünner, während dünner dadurch dicker gemacht werden. Andererseits, so wie ich Dich in Erinnerung habe, stellen sich Dir solche Fragen doch eigentlich garnicht 😉

    Und öhm…. jaaaa, also ich fände ein Unterscheidungsmerkmal schon irgendwie sinnvoll, so von Sebastian zu Sebastian. Welcher, bleibt aber Dir überlassen. Ich favourisiere Heinz der Torfstecher.

    EDIT sagt: Und ach ja, geiler Einstand, hat mir gefallen 🙂

  2. Naja gut, dann eben so herrum. Mich würden sie also dicker machen, aber ich zieh‘ soetwas ja nicht an.
    Dein Favorit soll nun erstmal mein Nickname sein. Und danke für’s Lob!

  3. MuGo schreibt:

    Klamotten kaufen ist der Horror, vor allem, seitdem Werdin in Oldenburg pleite gegangen ist. Die hatten immer noch die besten Klamotten und die größte Männerabteilung. Jetzt bleibt ja nun noch Theo Wormland…

  4. Lucky#Slevin schreibt:

    Ich find – selbst als Frau – Klamottenkaufen auch schrecklich. Aber was ich liebe ist Klamotten einzukaufen für Männer. Mir macht nichts lieber Spaß. Das liegt tatächlich daran, dass die meisten Männer nicht wissen, was ihnen steht. Also, es gibt auch viele Frauen die dieser Kategorie angehören, das will ich echt nicht ausschließen, aber es kommt bei Männern häufiger vor, dass sie etwas gutes SEHEN und gleichzeitig denken: „Hey, sieht gut aus. Kauf ich.“… aber es steht ihnen nicht, nein, es ist schlichtweg hässlich an ihnen.

    Naja. Ich brauch ganz dringend einen Mann oder Kinder oder zumindest Geld, damit ich meinem Bruder Geschenke machen darf.

  5. Sanja schreibt:

    ich glaub es gibt schachfiguren mit klett.. bin mir sogar sicher. so schachfiguren für den urlaub mit klett dran..

    was ich aber überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann ist die heutige mode..

  6. Steffi schreibt:

    Ich persönlich finde, dass es gerade andersherum ist – zumindest manchmal.
    Du kommst als Frau in einen Laden und willst irgendwas Outdoortaugliches kaufen. Für Männer gibt´s tausend Hosen und Wanderschuhe und blablabla, für Frauen nur ungeschickte Modescheiße, die so wirkt, als würde sie keinerlei Wetter aushalten.

    Genauso mit Band-Klamotten jeder Art. Entweder du kaufst dir ein weites, hängendes Männerhemd, oder du gibst dich mit einem Minischriftzug ganz oben links zufrieden.

    Hmpf

  7. Paul schreibt:

    Und ich geh so gern einkaufen… wenn nur mal das Geld da wäre 😀
    Finds aber auch blöd dass Männer entweder in den Keller gehen müssen zum Klamotten kaufen oder dass sie nur kleine Eckchen haben-.-
    @Steffi: Was bringt mir denn Outdoormode? Lieber was schickes, aber da gibts ja wieder mal nur Frauenklamotten…

  8. Sebastian schreibt:

    Naja, was bringen einem Outdoorklamotten? Hm, man kann damit vor die Tür gehen, wie der Name schon sagt, demnach bezeichnet Outdoormode einen Stil, der sich sehen lassen kann 🙂

  9. MuGo schreibt:

    Einigen wir uns einfach darauf, dass Männer zwar in rauen Massen Outdoorklamotten kaufen können aber nichts anderes. Und das es bei Frauen genau andersherum ist. Das nennt man dann wohl Gleichberichtigung: Jeder bekommt das, was er nicht haben will!

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