Fahrstuhl des Grauens

Okay, ich kam also grade vom Friseur, einmal im Vierteljahr muss das drin sein, und machte mich auf dem Weg zum Arbeitsamt, mich arbeitssuchend melden. Drecksladen, noch nicht mal 12 und schon zu. Egal, also ab in den Fahrstuhl runter zur U-Bahn, ein Glück, der kam grad hoch und spuckte einen Passanten aus. Ich stand da so kurzhaarig drin, als sich die Tür schloss und ich in eine andere Dimension gesogen wurde.

Eine ganz andere Welt – sie sah aus wie immer, mit dem Unterschied, dass ich sie nur vom Glaskasten aus beobachten konnte. Nichts ging mehr. Kein hoch, kein runter, kein Tür auf… da stand ich eine ganze Weile, Menschentrauben bildeten sich vor mir und lösten sich wieder auf, ein paar Menschen gaben mir gute Tipps, aber viel kann man nicht machen, der Aufzug hat ja nur ein paar Knöpfe, und die hatte ich in sämtlichen Reihenfolgen gedrückt. Der Alarmknopf. Ne, half nicht wirklich, ein lautes Piepsen, ansonsten nichts.

Die Rettung war ein Trupp Bauarbeiter, geheiligtes Proletariat, hart arbeitende Menschen, ich mochte sie schon immer. Okay, auch sie standen rum und lachten, aber wenigstens riefen sie die Feuerwehr. Ein paar Ewigkeiten später (Glasaufzüge – nicht nur peinlich für drin steckenbleibende, sondern auch heiss) kam die Feuerwehr angebraust. 3 Wagen! Großer Feuerwehrbrumbrum, Notarzt, Technischer Hilfsdienst. Unter Einsatz ihres Lebens und mit hohem technischen Aufwand (Imbusschlüssel reinsetzen, Tür aufmachen) befreiten sie mich vom Joch der modernen Technik. Ich war ein freier Mann! Ich habe kurze Haare! Aber immer noch keine Arbeit.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Here and now, Wir waren mal Stars veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Fahrstuhl des Grauens

  1. Du erwartetst doch nicht ernsthaft das du einfach so, nur weil du mit frisch geschnittenen Haaren in einem Fahrstuhl festgesessen hast plötzlich arbeit bekommst? Naja, wenn du es vorher gewusst hättest, dann hättest du Plakate machen können und das ganze als Demonstration auslegen können. Also ab jetzt immer eine alte Tapetenrolle und ein paar Eddings einstecken!

  2. Paul schreibt:

    Immerhin isser net abgestürzt.

  3. Sebastian schreibt:

    Das mit der Demo wäre ne verdammt geile Idee, zumal der Fahrstuhl ja auch genau vor dem Arbeitsamt ist. Pauls Kommentar könnte man als Motto einbauen, sozialer Absturz oder so. Naja, aber eigentlich habe ich schon erwartet, mit geschnittenen Haaren Arbeit zu finden, der Beck hat’s doch versprochen.

    Aber was soll ich noch alles mitschleppen, bei dem Handtuch gucken die Menschen immer schon so komisch ^^

  4. Der Beck hat aber nicht DICH gemeint! Bei Beck fällt mir gleich wieder BeckSTEIN ein..ist zwar schon etwas älter – aber vllt. kennst du’s ja noch nicht: http://www.hanfjournal.de/demoplakate/big/beckstein_beckstein.jpg

  5. Sebastian schreibt:

    Kannte ich nicht. Hm. Irgendwie naheliegend, das ganze 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s