Generation ? oder: Zwischendrin statt voll dabei

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Was war eigentlich zwischen Generation X und Generation @? Wir! Und nimmt man in der Popkultur Notiz von uns, die wir die beste Zeit unseres Lebens (aka Jugend) so zwischen ’93 und 2000 verbrachten? Kein Stück. Ich warte heute noch auf die Filme, in denen Dr. Alban zum Soundtrack gehört, oder 2 Unlimited. Verdammt, meinetwegen sogar Kai Tracid. Gab ja genüg Müll.

Klar: Musikalisch waren die 90er irgendwo Horror. Von guter Musik kriegt man als 15-jähriger Realschüler relativ wenig mit. Da hört man Trance, Dance, ein wenig Hip Hop (eher wenig), trägt einen Flugzeugträger als Frisur, freut sich irgendwann auf ’nen Golf 3 und fertig. Ich lasse die abgehobene Indieszene der Gymnasiasten hier mal außen vor, die haben ihre Medienpräsenz stets sicher. Es geht hier um UNS. Das Medien-Prekariat, diejenigen, die nicht gut genug sind, um von schönen Jungschauspielern dargestellt zu werden, nicht dumm genug, um sich in Deutschghetto-Dokus über sie lustig zu machen. Ich spreche von Mädchen und Jungs, die keine Lernkreise gebildet haben und auch keine Gangs. Sondern die Samstag abends in die Disco gegangen sind, sich ein paar Pillen reingezogen haben (ich nicht, ich hab gesoffen), aber Montag dann auch wieder pünktlich in der Schule waren und sich über ihre 3 in Mathe gefreut haben. Wir waren nicht aufregend, aber: EXISTENT!

Klar, auch wir hatten einen Film, an dem keiner vorbei kam: Kids
Bei diesem perfekten Film war es aber egal, woher man kam. Es war nicht UNSER Film, es war einfach DER Film. Pulp Fiction war cool, sprach aber nicht unsere Sprache. So einen lernt man erst kurz vor Ender der Pubertät zu schätzen.

Meine Generation ist also doppelt gearscht: Die Multiplikatoren der Gesellschaft haben es versäumt, uns rechtzeitig einen Stempel aufzudrücken wie „Generation X“, an dem man uns noch in 50 Jahren erkennen wird. Unsere älteren Geschwister sind da selig. Auch in Zukunft wird man Nirvana hören und sie in Nostalgiestimmung versetzen können.
Zweitens bietet die „Jugend-Mittelschicht“ zu wenig Unterhaltungswert, um in Medien Anerkennung zu finden. Wann wurde eigentlich das letzte mal Captain Jack gespielt? Tut mir leid, gute Musik hat es in unserer Zeit nicht in die Charts geschafft. Allenfalls hört man doch mal Lemon Tree im Radio. Scheiss Zustand.

Klar, Parolen wie „Petting statt Pershing“ haben wir bestenfalls ein Max don’t have sex with your ex entgegenzuschmettern. Wir waren nicht politisch, zugegeben. Vielleicht sind wir selber Schuld, dass wir nie auf uns aufmerksam gemacht haben, sondern einfach unseren Spaß haben wollten. Manch Konservativer sagt, die Spaßgesellschaft wird ihre Rechnung kriegen. Sie besteht darin, dass man sich nicht an sie erinnert. Das keine Vergangenheitsbewältigung unserer Jugend stattfindet, ist einfach traurig.

„Die Jugend“ hat es heute leichter. Sie kann sich jederzeit und an jedem Ort ihren eigenen Film drehen und ihr öffentlich machen. Sowas wie youtube hätten wir gebraucht. Handykameras! Flickr! Wir waren halt Web 1.2 Beta. Unsere Jugendgeneration hat Counterstrike groß gemacht, verdammt. Und heute sind wir schon altes Eisen.

Ich weiss, es liest sich wie ein Nostalgietrip eines Mannes, der langsam begreift, dass MTV nicht schlechter wird, sondern er einfach aus dem Zielgruppenraster des Programms fällt. Und was soll ich sagen: Es stimmt. Nur ist mir in diesem Zustand aufgefallen, dass es keinen Trost gibt, wenn ich in die Videothek gehe, kein Film, bei dem ich sagen könnte „Ja, stimmt, so war es damals“. Nostalgiebefriedigung finde ich höchstens in Reliquien meiner Kindheit, die heute wieder Kult werden, siehe Die Drei ???.
Aber wann wird sich unserer Jugend angenommen? Wie lange muss ich noch warten?
Bongdiggediggebongdiggebong!

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10 Antworten zu Generation ? oder: Zwischendrin statt voll dabei

  1. Steffi schreibt:

    Ich bezweifel, dass es die „jugend“ im jetzt leichter hat. Sie haben vielleicht medial gesehen mehr möglichkeiten sich auszudrücken, doch reduzirrt sich parallel dazu ihre zeit, in der sie wirklich das tun können, was sie möchten, immer mehr, und der Mut, mit dem sie in die zukunft schauen, auch.

    die generation @ ist nur deshalb zur generation @ geworden, weil die möglichkeiten in der realen umgebung an mehr und mehr anziehungskraft verlieren.

    ich beneide dich, in wie weit du deine jugend so ganz für dich ausgenutzt hast. Auch wenn du dich nicht mit hilfe in der masse veröffentlichter Denkmälern leichter an deine wilde zeit erinnert kannst, so machst du es doch, auch ohne die. Immer wenn du bock halt zu hast.
    Andere, die später kamen, hören dagegen in vielen Vorurteilen, was sie die ganze zeit am machen sind, ohne es selbst je erlebt zu haben, weil die freiheit fehlt einfach loszufahren; an die nordsee, so ganz ohne dem Gedenken an die vielen Pflichten.

    wie auch immer.
    geil geschrieben.
    warum hieß die Generation X nochmal so?
    😀

  2. andreschneider schreibt:

    Freu mich ja immer wieder, neue, informative und spassmachende Blogs zu finden. 🙂 Werd mich nach diesem Artikel mal so langsam durcharbeiten… Beste Grüsse!

  3. Sebastian schreibt:

    Erwarte nicht zuviel, komme zur Zeit zu nichts. Aber gibt ja noch 502.000 andere WordPress-Blogs.

  4. andreschneider schreibt:

    Och, ich kann mich bis jetzt nicht wirklich beklagen. 😉

  5. matt schreibt:

    der geilste blogeintrag seit langem. endlich bringt es mal einer auf den punkt und ich bin froh dass du es warst. WAKE UP PEOPLE! 😉
    auf dass wir bald ein whigfield biopic zwischen ALI und walk the line in der videothek bewundern können. 😉

  6. Sebastian schreibt:

    Hahahaha, ein Whigfield Biopic. Das wäre natürlich die Krönung, die Kleine hat damals für ordentlich Rückenmarkschwund bei mir gesorgt.

  7. matt schreibt:

    ha, mir fällt da aufgrund meiner winamp playlist doch noch etwas ein bei dem wir nostalgiegefühle entwickeln können. ausserdem widerlegt es deine aussage dass wir keine gute musik in den charts hatten:
    the prodigy

    und jetzt kommst du. 😉
    😛

  8. Sebastian schreibt:

    Okay, für jeden Scheisssong finden wir auch noch nen guten Song. Nur, die wenigsten davon haben wir damals auch wirklich gehört 😉

  9. maloXP schreibt:

    Ich les hier gerade aus Langeweile alte Beiträge im Abfallkalender und find den hier ja mal absolut uberdick. U.A. toll: „Bongdiggediggebongdiggebong!“. Die Lösung dieses nicht ausgeschriebenen Rätsels ist: „Think about the Way“ von Ice MC. Jahrzehnte verbrachte ich damit, das so lässig auszusprechen wie der MC, hab’s nie geschaft. Übrigens…

    Hab ich die Maxi von. <- (Der programmatische Satz unserer Generation)

  10. Sebastian schreibt:

    Stimmt, damals gab’s ja noch Maxis 🙂 (heute sicher auch noch, aber weiss ich nicht, und die Jugend auch nicht)

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